Franzosen in Mali: "Richtiger Krieg, bedeutende Verluste"

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Militärhubschrauber in Mali: Kampf gegen Islamisten

Frankreich will schon bald mit dem Abzug seiner Soldaten aus Mali beginnen, aber die Islamisten leisten bei den Kämpfen in dem westafrikanischen Land jetzt zunehmend Widerstand. Verteidigungsminister Le Drian sprach von einem "richtigen Krieg mit bedeutenden Verlusten".

Paris - Im Nordosten Malis ist es zu heftigen Zusammenstößen von malischen und französischen Soldaten mit islamistischen Gruppen gekommen. Französische Streitkräfte hätten sich am Dienstag mit malischen Soldaten auf Patrouille befunden, als sie auf einheimische islamistische Kämpfer getroffen seien, sagte Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian am Mittwoch dem Sender Europe 1. Die Islamisten hätten in der Region um Gao Raketen abgefeuert.

Le Drian sprach von einem "richtigen Krieg mit bedeutenden Verlusten" in Mali. Am Dienstag hatte er von "mehreren hundert" getöteten Islamisten im Zuge des französischen Militäreinsatzes gesprochen. Auf französischer Seite kam bislang ein Soldat ums Leben. In Bezug auf mögliche Unterstützung internationaler Partner verwies Le Drian am Dienstag erneut auf nicht ausreichende Mittel zur Luftbetankung der französischen Kampfjets. Zudem fehlten Drohnen für Aufklärungsmissionen.

Französische Einheiten kämpfen seit dem 11. Januar mit malischen Regierungstruppen gegen Dschihadisten im Norden des westafrikanischen Landes. Mittlerweile sind nach Angaben von Le Drian 4000 französische Soldaten im Einsatz. "Wir sind heute beim Maximalformat", sagte der Minister am Mittwoch.

Seither wurden die Städte Timbuktu und Gao, die sich über Monate in der Hand der Islamisten befunden hatten, zurückerobert. In der Stadt Kidal im Nordosten Malis sicherten französische Soldaten den strategisch wichtigen Flughafen, während die Stadt selbst nach Angaben der französischen Regierung von rund 1800 Soldaten aus dem zentralafrikanischen Tschad kontrolliert wird.

Schon im kommenden Monat will Frankreich damit beginnen, seine Truppen aus Mali abzuziehen. "Ich denke, wenn alles wie geplant klappt, sollte die Zahl der französischen Truppen von März an sinken", sagte Außenminister Laurent Fabius der Zeitung "Metro". Frankreich beabsichtige nicht, dauerhaft in Mali zu bleiben. "Die Afrikaner und Malier selbst sollen die Garanten für die Sicherheit, territoriale Integrität und Souveränität des Landes sein", sagte Fabius. Deshalb werde man die Verantwortung schrittweise an die westafrikanische Militärmission Misma übergeben.

hen/dpa/AFP

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insgesamt 35 Beiträge
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1. ...
otto_iii 06.02.2013
Es wäre ja auch zu schön gewesen,wenn sich diese islamistischen Kämpfer im angesicht einer technisch überlegenen Macht einfach in Luft aufgelöst hätten. Den Gefallen tun sie uns aber leider nicht, sondern nutzen die gigantischen Räume um sich zurückzuziehen - und zurückzukommen sobald die Franzosen abgezogen sind. Wenn man das verhindern will müsste man sich bemühen, die Islamisten nicht nur zurückzudrängen, sondern vernichtend zu schlagen.
2. oje
robert@act3d.de 06.02.2013
Das glaubt einer aber viel. Genau darauf haben die Islamisten gewartet. Den jetzt haben sie einen Grund anzugreifen. Nichts ist besser Propaganda als westliche Truppen auf den Rückzug.
3.
Poseri 06.02.2013
Zitat von sysopAFPFrankreich will schon bald mit dem Abzug seiner Soldaten aus Mali beginnen, aber die Islamisten leisten bei den Kämpfen in dem westafrikanischen Land jetzt zunehmend Widerstand. Verteidigungsminister Le Drian sprach von einem "richtigen Krieg mit bedeutenden Verlusten". http://www.spiegel.de/politik/ausland/mali-frankreichs-verteidigungsminister-spricht-von-richtigem-krieg-a-881749.html
Es ist mir schleierhaft wie man in einen Krieg ziehen kann ohne aber genügend Möglichkeiten zur Betankung oder gar Aufklärung zu haben. So richtig der Einsatz Frankreichs auch ist, so überstürzt wurde er angegangen. Alles Gute für Mali.
4. Nagelprobe
sysiphus-neu 06.02.2013
Vermutlich steht die Nagelprobe für die Franzosen noch aus. Bislang war es relativ leicht, bei absoluter Luftherrschaft in einem Land ohne natürliche Deckung einen Haufen Pickups zu zerbomben. Außerdem scheinen die Islamisten in Mali aus einem anderen Holz geschnitzt zu sein als die in Syrien. Während die Terroristen in Syrien den Kampf in den Städten suchen, um sich hinter der Zivilbevölkerung besser verstecken zu können, suchen die in Mali momentan ihr Heil in der Flucht. Das erinnert an Afghanistan 2001/02 - wie diese Geschichte weiterging ist bekannt. Vielleicht beginnt ja der eigentliche Kampf erst jetzt, als Guerillakrieg? Wie auch immer. So lang Frankreich damit beschäftigt ist, in Mali Islamisten zu erschießen, kann es wenigstens in Syrien keine größeren Dummheiten bei der Unterstützung der dortigen Islamisten machen. Das ist immerhin eine Entlastung für die syrische Armee, die einen ähnlichen Kampf führen muss, aber unter ungleich härteren Bedingungen.
5.
Olaf 06.02.2013
Zitat von sysopAFPFrankreich will schon bald mit dem Abzug seiner Soldaten aus Mali beginnen, aber die Islamisten leisten bei den Kämpfen in dem westafrikanischen Land jetzt zunehmend Widerstand. Verteidigungsminister Le Drian sprach von einem "richtigen Krieg mit bedeutenden Verlusten". http://www.spiegel.de/politik/ausland/mali-frankreichs-verteidigungsminister-spricht-von-richtigem-krieg-a-881749.html
Warum sollte das in Mali anders sein als in Afghanistan?
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Menschenrechtsverletzungen in Mali: Die Toten im Brunnen

Bevölkerung: 15,370 Mio. Einwohner

Fläche: 1.240.194 km²

Hauptstadt: Bamako

Staatsoberhaupt:
Ibrahim Boubacar Keita

Regierungschef: Moussa Mara

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