Französische und malische Soldaten haben in Mali die strategisch wichtige Stadt Gao eingenommen. Unterdessen haben die westafrikanischen Staaten zugesagt, mit knapp 6000 Soldaten eine deutlich größere Eingreiftruppe für Mali aufzustellen als bislang geplant.
Bamako - Es ist ein wichtiger militärischer Erfolg: Französische und malische Soldaten haben in Mali die Islamistenhochburg Gao eingenommen. Soldaten der Eingreiftruppen aus Niger und dem Tschad sollten nun möglichst schnell die Kontrolle über die strategisch wichtige Stadt übernehmen, erklärte das französische Verteidigungsministerium am Samstagabend in Paris.
Auch in anderen Landesteilen rückten die französischen und malischen Truppen am Samstag offenbar weiter vor. Frankreichs Regierungschef Jean-Marc Ayrault zeigte sich überzeugt, dass französische Truppen auch "bald in der Nähe" der kulturell bedeutenden Stadt Timbuktu sein könnten. Die Oasenstadt am Rande der Sahara wurde von der Unesco als Weltkulturerbe gelistet. Die radikalen Islamisten zerstörten dort zahlreiche Mausoleen islamischer Heiliger und lösten damit weltweite Empörung aus.
Westafrikanische Staaten stocken Eingreiftruppe auf
Premierminister Ayrault, derzeit beim EU-Lateinamerika-Gipfel in Santiago de Chile, bekräftigte zugleich, dass Frankreich seine Truppen nicht längerfristig in Mali stationieren wolle. "Das Ziel ist, dass die afrikanische multinationale Truppe aufgestellt wird und in der Lage ist zu übernehmen", sagte Ayrault.
Unterdessen kamen die westafrikanischen Staaten zu einem Krisentreffen zusammen und entschieden, eine deutlich größere Eingreiftruppe für Mali aufzustellen als bislang zugesagt. Statt der bisher geplanten rund 4000 Soldaten würden die westafrikanischen Staaten 5700 Soldaten im Rahmen der Internationalen Unterstützungsmission für Mali (MISMA) entsenden, sagte der ivorische Generalstabschef Soumaïla Bakayoko am Samstag in Abidjan. Die Elfenbeinküste hat derzeit den Vorsitz der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (Ecowas) inne.
Von französischer Seite seien nun insgesamt 3700 französische Armeekräfte an der "Operation Serval" beteiligt, erklärte der französische Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian am Samstag, davon seien 2500 in Mali im Einsatz.
Qaida-Kommandeur entkommt französischen Truppen
Obgleich die Truppen zunehmend militärische Erfolge vermelden können: Ein wichtiger Kommandeur der Terrorgruppe al-Qaida im Islamischen Maghreb (AQIM), angeblich ein Mann namens Abu Said, ist den französischen Truppen nach Informationen des Magazins "Focus" offenbar entkommen - trotz der schweren Luftangriffe und Kommandoaktionen rund um die kleine Ortschaft Diabali.
Anwohner der Ortschaft Diabali, in der vorvergangenen Woche von Islamisten überfallen und rund acht Tage besetzt, berichteten in den vergangenen Tagen einem Team von SPIEGEL ONLINE, sowohl Abu Said als auch viele seiner Kämpfer seien kurz vor dem Eintreffen der französischen und malischen Truppen geflüchtet. Angeblich hätten Bewohner einer weiter nördlich gelegenen Stadt den Wagen des gefürchteten AQIM-Vizechefs wenig später gesehen. Die Anwohner folgerten daraus, dass Abu Said die Flucht gelungen sei.
Ob es sich bei dem Kommandeur, der die Stadt besetzt hatte, tatsächlich um Abu Said handelte, konnte anhand der Aussagen nicht vollständig geklärt werden. Mehrere Einwohner behaupteten, der Chef der Kämpfer habe sich als Abu Said vorgestellt. Demnach hatte sich der Kommandeur des Qaida-Ablegers für die Maghreb-Region mit sechs Bodyguards nach dem Beginn der Luftangriffe durch die Franzosen in einem Lehmgehöft einer malischen Familie versteckt; zum Schutz gegen die Luftangriffe hätten seine Kämpfer die Geländewagen unter Mangobäumen geparkt und mit Schlamm getarnt.
Auf Fotos konnten die Anwohner den Kommandeur, der nach Meinung von Terrorexperten die Nummer zwei in der Kommandostruktur der AQIM ist, indes nicht identifizieren.
Die Gruppe AQIM hat sich in den vergangenen Jahren zu einem schlagkräftigen und doch unabhängigen Arm des Terrornetzes al-Qaida entwickelt. Finanziert durch horrende Lösegeldzahlungen nach der Entführung von europäischen Touristen und nach der Revolution in Libyen mit modernen Waffen massiv aufgerüstet, stellt die Gruppe eine der größten Bedrohungen in der Region dar.
Tankflugzeuge aus den USA?
Unterdessen ist in den USA eine Debatte entbrannt, inwieweit Frankreich in seinem Kampf gegen die Islamisten in Nordafrika unterstützt werden soll. Bekannt ist, dass die Franzosen die Amerikaner - aber auch die Deutschen - um Unterstützung bei der Betankung von Jets gebeten haben. Eine abschließende Meinung hat sich die Regierung in Washington aber offenbar noch nicht gebildet. In Berlin hieß es, man suche nach einer Lösung.
Die Bundeswehr verfügt über mehrere Airbus-310-Modelle, die für die Luftbetankung geeignet sind; rein technisch könnten diese Maschinen auch französische "Rafale" oder "Eurofighter" betanken. Das Problem scheint jedoch zu sein, dass eine solche Betankung nicht offiziell zertifiziert ist. Deswegen kann die Bundeswehr der Bitte aus Paris bisher nicht nachkommen.
Dennoch heißt es in Berlin, man bemühe sich, die Hilfe für die Franzosen zeitnah hinzubekommen. Klar ist aber auch, dass die Bundesregierung den Transport von Waffen und Soldaten in deutschen Flugzeugen ausgeschlossen hat.
sun/mgb/wal/dpa/AFP/Reuters/AP
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