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27. Januar 2013, 10:52 Uhr

Einsatz in Mali

Französische Truppen rücken nach Timbuktu vor

Die französischen Truppen in Mali könnten nach Gao bald auch Timbuktu einnehmen. Berichten zufolge haben die Islamisten die kulturhistorisch wichtige Stadt bereits verlassen. Deutschland will den Kampf gegen die Rebellen nach SPIEGEL-Informationen auch mit Ausrüstung unterstützen.

Bamako/Hamburg - Die französischen und malischen Truppen im Norden Malis erzielen erste größere Erfolge. Erst marschierten die Einheiten in die wichtige Stadt Gao im Norden des Landes ein, jetzt stoßen sie offenbar nach Timbuktu vor. Die Truppen erreichten "bald die Nähe von Timbuktu", sagte der französische Premierminister Jean-Marc Ayrault am späten Samstagabend laut BBC.

Ein Anwohner Timbuktus berichtete SPIEGEL-ONLINE-Reporter Matthias Gebauer in einem Telefonat, dass sich die Islamisten schon seit einigen Tagen aus der Stadt zurückgezogen hätten. Bereits bei den ersten französischen Luftschlägen seien die Kämpfer sehr nervös gewesen, vor zwei oder drei Tagen seien sie dann endgültig verschwunden. Trotzdem traue sich kaum jemand auf die Straße, so der Anwohner.

Ein Statement der islamistischen Bewegung für Einheit und Dschihad in Westafrika (MUJAO) gegenüber dem Fernsehsender al-Dschasira bestätigt die Aussage: "Wir haben uns aus den Städten zurückgezogen, regruppieren uns und werden mit Kraft zurückkommen", hieß es darin. Ein Reporter des Fernsehsenders war schon am Samstag in Timbuktu. Die Stadt wirkte seinen Angaben zufolge völlig verlassen.

Nur knapp zwei Wochen nach Beginn der malisch-französischen Aktion gegen die Islamisten sieht es bislang so aus, als könnten die Einheiten die wichtigen Städte Gao, Timbuktu und Kidal fast ohne Widerstand einnehmen.

Malische Sicherheitskräfte teilten am Sonntag mit, die französische Luftwaffe habe mehrere Stellungen radikalislamischer Rebellen in der Region Kidal im Nordosten bombardiert. Dabei seien auch das Haus des Chefs von Ansar al-Din, Iyad Ag Ghaly, in der Stadt Kidal zerstört worden. Einwohner der Region bestätigten die Angaben.

Kidal gilt als Hochburg der Gruppe Ansar al-Din, einem Verbündeten des Terrornetzwerks al-Qaida im islamischen Maghreb (AQMI). Sie fordert Autonomie für den Norden Malis und die Umsetzung des islamischen Rechts der Scharia. Die Islamisten haben seit April den Norden Malis unter ihrer Kontrolle. Als sie vor rund zwei Wochen in Richtung Süden vorrückten, griff Frankreich militärisch ein. Auch die westafrikanischen Staaten entsandten Soldaten.

Das Verteidigungsministerium in Paris teilte zudem mit, die Soldaten hätten die strategisch wichtige Wabary-Brücke über den Niger und den Flughafen unter ihre Kontrolle gebracht.

Lastwagen und Kleidung aus Deutschland für die Truppen

Nach SPIEGEL-Informationen will Deutschland die Truppen der westafrikanischen Staatengemeinschaft auch mit Ausrüstung unterstützen. Das sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel dem französischen Präsidenten François Hollande in der vergangenen Woche zu. Dabei gehe es um Lastwagen, Uniformen und Stiefel für die Soldaten, hieß es in der Bundesregierung. An Waffenlieferungen sei derzeit nicht gedacht. Bevor man darüber rede, müssten die afrikanischen Soldaten erst entsprechend ausgebildet sein. Frankreich hat Deutschland zudem um Hilfe bei der Luftbetankung französischer Flugzeuge gebeten. Diese Anfrage wird in Berlin geprüft. Bislang unterstützt die Bundeswehr den Kampf in Mali mit zwei Transall-Transportflugzeugen.

Auch die USA verstärken ihre Unterstützung der Truppen in Mali. Wie das Verteidigungsministerium in Washington am Samstag mitteilte, sollen amerikanische Tankflugzeuge französische Kampfflieger mit Treibstoff beliefern. Das habe Ressortchef Leon Panetta seinem französischen Amtskollegen Jean-Yves Le Drian in einem Telefongespräch zugesagt. Bislang hatte sich das US-Engagement darauf beschränkt, Frankreich mit Geheimdienstinformationen zu versorgen und eine französische Schützenpanzereinheit auf dem Luftweg nach Mali zu bringen.

Nach Auskunft des Ministeriums sprachen Panetta und Le Drian auch über Pläne, Soldaten afrikanischer Länder mit Hilfe der USA nach Mali zu befördern. Panetta hat bereits deutlich gemacht, dass die Vereinigten Staaten nicht beabsichtigen, eigene Kampftruppen nach Mali zu entsenden. Dort kämpfen französische und einheimische Truppen gegen Islamisten, die den Norden des Landes in ihre Gewalt gebracht haben.

yes/mgb/Reuters/AFP

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