Krise in Mali: Hollande will Islamisten-Vormarsch stoppen

Die Regierung von Mali ruft immer eindringlicher um Hilfe gegen die islamistischen Rebellen. Jetzt hat Frankreichs Präsident Hollande dem westafrikanischen Land seine Hilfe zugesagt. Einen Alleingang lehnt Paris zwar ab, allerdings sollen bereits französische Elitesoldaten vor Ort sein.

Islamistische Rebellen in der Wüste nahe Timbuktu (Archivbild): Beistand aus Paris Zur Großansicht
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Islamistische Rebellen in der Wüste nahe Timbuktu (Archivbild): Beistand aus Paris

Frankreichs Staatschef François Hollande will der Regierung in Mali im Kampf gegen die islamistischen Rebellen beistehen. Paris sei bereit, die Offensive der "Terroristen" zu stoppen, "denn das ist eine Sache der Solidarität und Verantwortung", sagte Hollande am Freitag.

Gleichzeitig schränkte Hollande sein Hilfsangebot aber ein: Frankreich wolle nur "streng im Rahmen" der Beschlüsse des Uno-Sicherheitsrats gemeinsam mit anderen Staaten eingreifen. Paris will damit nicht allein agieren. Das Gremium der Vereinten Nationen hatte sich zuvor in einer Dringlichkeitssitzung dafür ausgesprochen, zügig eine internationale Truppe zu entsenden. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete, dass Malis Präsident Dioncounda Traoré am Mittwoch nach Paris für ein Gespräch mit seinem französischen Kollegen kommen werde.

In Mali an der Frontlinie zwischen den verschiedenen Islamistengruppen und den notorisch schlecht ausgerüsteten Regierungstruppen gibt es bereits seit Donnerstagabend Gerüchte, französische Truppen seien auf dem Weg oder gar bereits in Sévaré in Zentralmali im Einsatz.

Ein Team von SPIEGEL ONLINE beobachtete am Freitagnachmittag Starts und Landungen von tarnfarbenden Transall-Transportmaschinen. Ob sie aus Frankreich stammten, war allerdings nicht zu erkennen. Ebenso landeten am Nachmittag zwei Kampfhubschrauber auf dem Flughafen nahe der Stadt, die nunmehr letzte Verteidigungslinie der Regierungstruppen.

Französische Elitekrieger im Land

Mehrere Bewohner von Sevare berichteten am Freitagmorgen per Telefon, sie hätten französische Spezialkräfte gesehen. Die Stadt wurde vom Militär für Journalisten komplett abgeriegelt. Mehrere Offiziere der malischen Armee, die nicht namentlich genannt werden wollten, bestätigten die Ankunft einer kleinen Gruppe von französischen Elitekriegern. Diese würden die malische Armee bei dem Versuch unterstützen, die Islamisten zurückzudrängen.

Ein Kommandeur der malischen Truppe sprach von einer Handvoll Soldaten, die vor allem bei der Koordinierung der Truppen helfen würden. Die Anwesenheit der französischen Truppen in Mali ist seit einigen Tagen bekannt.

Trainings für malische Armee

Seit Jahren hat Paris wie andere europäische Staaten Ausbildungsprogramme für die Malier durchgeführt. Diese wurden jedoch nach dem Militärputsch im März 2012 zunächst eingestellt. Nachdem die Uno im Dezember dann ein Mandat für eine internationale Eingreiftruppe für das westafrikanische Land auf den Weg gebracht hatte, nahm Paris Teile seines Programms wieder auf. Laut malischen Militärs starteten Spezialkräfte nahe der zentralmalischen Stadt Segou ein Trainingsprogramm für eine Eliteeinheit der malischen Armee.

Der Norden des westafrikanischen Landes wird seit Monaten von Islamisten beherrscht. Sie versuchen derzeit, weiter nach Süden vorzudringen. Befürchtet wird, dass sich Mali zu einer Hochburg des internationalen Terrorismus entwickeln könnte. Am Donnerstag hatten die Rebellen die strategisch wichtige Stadt Konna erobert und eine weitere Stadt belagert.

Gegenoffensive der Regierungssoldaten

Die Regierungstruppen starteten laut Reuters eine Gegenoffensive. Helikopter hätten Stellungen der Rebellen bombardiert, berichtete die Nachrichtenagentur. Anwohner der nahegelegenen Stadt Sevare berichteten, dass weitere Helikopter und Soldaten angekommen seien.

Konna liegt nur wenige Kilometer nördlich der strategisch wichtigen Stadt Mopti und galt als letzter noch von den Regierungstruppen beherrschter Kontrollpunkt. Die Islamisten beherrschen bereits seit Monaten Nordmali und kontrollieren zwei Drittel der Landesfläche. Sie hatten das Gebiet nach einem Militärputsch im März erobert und dort eine strenge Auslegung der Scharia eingeführt.

Die Europäische Union beobachtet die Lage in Mali und hält zunächst an der geplanten Entsendung von rund 200 Militärausbildern fest. Außenminister Guido Westerwelle zeigte sich besorgt über "die erneute Eskalation". "Es ist richtig, dass die Bemühungen um die Aufstellung einer afrikanischen Einsatzgruppe mit Hochdruck vorangetrieben werden." Allerdings werde es eine allein militärische Lösung des Mali-Problems nicht geben, die politischen Bemühungen müssten intensiviert werden. Einen Einsatz von deutschen Soldaten in Mali schloss Westerwelle derzeit aus.

In Berlin gibt es spätestens seit einem zweiten Mini-Putsch des Militärs, das im Dezember die Übergangsregierung neu formiert hatte, massive Bedenken gegen eine deutsche Teilnahme an der internationalen Hilfsmission. So würde die Bundeswehr bei der Mission, die sich ausdrücklich auf die Ausbildung und Verbesserung der Logistik der malischen Armee beschränkt, eine von Putschisten geführte Regierung unterstützen. Zwar kündigte diese beim Besuch des deutschen Politikers Omid Nouripour Anfang der Woche rasche Wahlen an. Die Durchführung einer Wahl in dem faktisch zweigeteilten Land, das im Norden komplett von drei islamistischen Rebellengruppen besetzt ist, gilt jedoch als schwierig.

SPIEGEL-ONLINE-Reporter Matthias Gebauer berichtet aus der Region Sevare in Zentralmali. Mit Informationen von dpa, AFP, Reuters.

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insgesamt 34 Beiträge
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1. kleine Gruppe?
c-fix 11.01.2013
Es wird von 2 Helikoptern gesprochen, die auch aktiv in die Kämpfe eingreifen. Normalerweise sind diese H. in Burkina Faso stationiert, wo auch eine Menge milit. hardware bereit steht, die aus der Basis in Abidjan dorthin verlegt worden ist. Ich bin froh darüber, anders ist da nichts zu machen.
2. in Syrien werden die Islamisten vom Westen mit Waffen versorgt
Mensch Meier 11.01.2013
und in Mali will man "sie stoppen" ... verrückte Welt!
3. deutsche Soldaten
c-fix 11.01.2013
der konservative Figaro berichtet, das dt. Soldaten in Sevaré am Militärflughafen sind. Gut so.
4. Oh weh...
auweia 11.01.2013
Zitat von c-fixEs wird von 2 Helikoptern gesprochen, die auch aktiv in die Kämpfe eingreifen. Normalerweise sind diese H. in Burkina Faso stationiert, wo auch eine Menge milit. hardware bereit steht, die aus der Basis in Abidjan dorthin verlegt worden ist. Ich bin froh darüber, anders ist da nichts zu machen.
Gleich fallen die Gruppen der friedensbewegten Noninterventionisten, Geld-für-soziales-zuhause-Ausgeber und US-Verschwörungs-Vermuter in Verbindung mit deutschsprachigen Taliban-Verstehern und antikolonialen Indigenkulturschützern über Sie her...
5. Unsere Freiheit wird nicht in Mali verteidigt
mps58 11.01.2013
Dieses Vietnam sollten wir ganz dem Wirtschaftswunderland Frankreich überlassen.
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