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Kampf gegen Islamisten in Mali: "Deutschland muss Truppen schicken"

Präsident der Elfenbeinküste Outtara (r.): "Mali braucht einen demokratischen Neuanfang" Zur Großansicht
REUTERS

Präsident der Elfenbeinküste Outtara (r.): "Mali braucht einen demokratischen Neuanfang"

Mali braucht Hilfe - und auch Soldaten aus Deutschland, fordert Alassane Ouattara im Interview. Der Präsident der Elfenbeinküste und Vorsitzende der westafrikanischen Staatengemeinschaft ist sich sicher: Ein zweites Afghanistan wird es in Nordafrika nicht geben.

SPIEGEL ONLINE: Die Bundesrepublik hat zwei Transportflugzeuge für den internationalen Einsatz gegen die Islamisten in Mali versprochen. Reicht das?

Ouattara: Mali ist von Terroristen besetzt, es ist eine sehr gefährliche Situation für eine Reihe von Staaten in der Region, auch für die Elfenbeinküste. Wir begrüßen den Einsatz Frankreichs. Ich habe bei meinem Berlin-Besuch vergangene Woche der Kanzlerin, dem Präsidenten und vielen anderen erklärt, dass Deutschland sich mehr engagieren sollte.

SPIEGEL ONLINE: Was meinen Sie genau?

Ouattara: Deutschland ist einer der wichtigsten internationalen Kämpfer gegen den Terrorismus, es sollte auch in Mali dabei sein, mit humanitärer und logistischer Hilfe, aber auch mit Truppen. Deutschland hat Soldaten in Afghanistan, es hat die Kapazität, auch welche nach Mali zu schicken.

SPIEGEL ONLINE: Frankreich ist die ehemalige Kolonialmacht. Sollte sich Paris nicht sehr zurückhalten?

Ouattara: Es ist aus meiner Sicht normal, dass Frankreich die Führung übernommen hat. Mali ist ein frankophones Land, die Franzosen kennen die Region. Aber Paris sollte nicht allein stehen. Die Ecowas-Länder werden über 3000 Mann entsenden, aber auch andere in der Region nehmen die Bedrohung sehr ernst. Der Tschad wird 700 Soldaten schicken. Wir wollen einen massiven robusten Einsatz, um das Problem in Mali schnell zu lösen.

SPIEGEL ONLINE: Die Islamisten beherrschen den Norden schon seit neun Monaten. Warum sind die Afrikaner erst jetzt zur Stelle?

Ouattara: Wir haben die Zeit gebraucht und uns allein im Ecowas-Rahmen achtmal getroffen. Wir wollten zudem eine Resolution der Uno, damit unser Einsatz international legitimiert ist.

SPIEGEL ONLINE: Ist der Konflikt um den Norden überhaupt mit rein militärischen Mitteln zu lösen?

Ouatarra: Nein, wir müssen auch verhandeln.

SPIEGEL ONLINE: Mit den muslimischen Fanatikern?

Ouatarra: Nein, aber mit den verschiedenen ethnischen Gruppen. Der Konflikt begann als eine Rebellion der Tuareg. Die hatten das Gefühl, in Mali an den Rand gedrängt zu sein, zu wenig an politischen Entscheidungsprozessen mitwirken zu dürfen, zu wenig vom wirtschaftlichen Wachstum zu profitieren. Vor allem mit den Tuareg müssen wir uns zusammensetzen.

SPIEGEL ONLINE: Wie lang wird der Einsatz dauern?

Ouattara: Sicher ist: Die internationalen Truppen können nicht die Islamisten niederkämpfen und dann einfach gehen. Die Terroristen würden sofort zurückkommen. Sie werden länger bleiben müssen, wie lange wird sich zeigen.

SPIEGEL ONLINE: Die europäische aber auch amerikanische Öffentlichkeit fürchtet ein neues Afghanistan, einen endlosen Kampfeinsatz ohne erkennbare Fortschritte in Richtung Demokratie. Droht so ein Desaster in Mali?

Ouattara: Ich sehe keine Parallelen. In Mali gibt es nur eine geringe Zahl von Terroristen. Die meisten sind Ausländer. Der Fundamentalismus hat keinen Rückhalt bei der Bevölkerung. Ein weiterer Vorteil ist: Kein Land in der Nachbarschaft unterstützt die Islamisten heimlich.

SPIEGEL ONLINE: So wie Pakistan die Taliban?

Ouattara: Im Gegenteil, alle Länder fürchten die Islamisten. Denken Sie an Nigeria mit Boko Haram.

SPIEGEL ONLINE: Mali ist nicht nur von außen durch die Terroristen bedroht, sondern auch von innen. Soldaten haben die Regierung weggeputscht. Wird darüber im Kampf gegen den Norden großzügig hinweggesehen?

Ouattara: In Bamako herrscht eine Übergangsregierung. Sie ist nicht legitimiert, wir werden auf Neuwahlen drängen, Mali braucht einen demokratischen Neuanfang.

Das Interview führte Jan Puhl

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insgesamt 102 Beiträge
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1.
c++ 21.01.2013
Warum sollten wir dort militärisch eingreifen? Sind wir die Frankreich an der Ausbeutung der Rohstoffe beteiligt? Sollen wir Frankreichs Uranvorkommen militärisch verteidigen? Die Franzosen haben mit ihrem Krieg gegen Libyen erst ein Erstarken der islamistischen Terroristen in Nordafrika ermöglicht. Sollen sie ihre ausländischen Söldner der Fremdenlegion dort kämpfen lassen. Mir machen nicht islamistische Terroristen in Mali Sorge, darum sollten sich die Nachbarstaaten kümmern, sondern die Bedrohung durch den Islamismus in Deutschland. Das ist ungleich gefährlicher für uns
2.
fortion 21.01.2013
Wozu haben wir die vielen teuren Waffen und Soldaten, wenn wir sie nicht einsetzen. Außerdem täte uns ein Sieg nach den unbefriedigenden Ergebnissen in Afghanistan wieder gut. Frisch voran mit klingendem Spiel - zeigen wir der Welt was wir können.
3. Ouattra fordert einen robusten Einsatz!
Centurio X 21.01.2013
Da würde ihn aber die Bundeswehr arg enttäuschen, da sie doch gar nicht richtig kämpfen darf.
4. So geht's
haberdachs 21.01.2013
Afrika den Afrikanern! Wozu haben die afrikanischen Staaten die vielen teuren Waffen und Soldaten, wenn sie sie nicht einsetzen. Viel Glück dabei, wenn ihr euch endlich mal um eure eigenen Sachen kümmert.
5. Pflugscharen zu Schwertern
steuerzahler24 21.01.2013
Da werden Entwicklungshilfe etc. für grenzenlose Waffenkäufe genutzt, obwohl das Volk hungert, und dann packen die das noch nicht einmal selber? Wo sollen denn unsere paar einsatzfähigen Soldaten sonst noch deutsche Interessen verteidigen? ...bei dem jämmerlichen Verteidigungsetat?
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Zur Person
  • AFP
    Alassane Ouattara, Jahrgang 1942, ist von Beruf Volkswirt. Nach seinem Studium in den USA machte er Karriere beim Internationalen Währungsfonds. Ab 2002 wurde die Elfenbeinküste von schweren Machtkämpfen und einem Bürgerkrieg erschüttert. Ouattara musste zeitweise außer Landes fliehen. 2010 gewann er die Präsidentschaftswahl gegen Laurent Gbagbo, der jedoch sein Amt nicht räumen wollte. Nach monatelangem Machtkampf griffen französische Soldaten einer Uno-Friedensmission ein und nahmen Gbabbo fest, der in Den Haag wegen Verbrechen gegen die Menschlichtkeit angeklagt wird. 2011 wurde Ouattara dann als Präsident seines Landes vereidigt. Seit Februar 2012 führt er außerdem als Vorsitzender die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft (Ecowas).

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