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Anschlag in Mali: Woche des Schreckens

Malische Sicherheitskräfte begeben sich in Position: Neun Stunden dauerte es bis die Geiselnahme beendet werden konnte Zur Großansicht
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Malische Sicherheitskräfte begeben sich in Position: Neun Stunden dauerte es bis die Geiselnahme beendet werden konnte

Die Welt kommt nicht zur Ruhe: Eine Woche nach den Anschlägen von Paris wurde auch der afrikanische Kontinent wiederholt vom Terror heimgesucht. Eine Geiselnahme in Mali endete blutig. Das Land ist im Ausnahmezustand.

Eine Woche nach den verheerenden Terroranschlägen in Paris kam es auf dem afrikanischen Kontinent zu weiteren extremistischen Attacken. Bei einer Geiselnahme in Bamako, der malischen Hauptstadt, sind am Freitag mindestens 19 Menschen von islamistischen Attentätern getötet worden, zwei der Terroristen kamen ebenfalls ums Leben. Sieben Menschen wurden verletzt. Das sagte der malische Präsident Ibrahim Boubacar Keita im staatlichen Fernsehen. Für die kommenden drei Tage hat Keita den Ausnahmezustand über das Land verhängt.

Vor der Rede Keitas im TV sprachen malische Sicherheitskräfte nach einem neunstündigen Einsatz zur Rettung der rund 170 Geiseln aus dem Hotel Radisson-Blue von insgesamt 22 Toten. Unterstützt wurde die Rettungsaktion von französischen und amerikanischen Spezialeinheiten. Die Angaben über die Anzahl der Umgekommenen schwankten während des gesamten Freitagabend. Augenzeugen der Befreiung sprachen davon, 27 Leichen gezählt zu haben.

Zu dem Anschlag bekannte sich die Gruppe Al-Mourabitoun, eine malische Gruppe, die mit dem Extremisten-Netzwerk Al-Qaida sympathisiert. Al-Mourabitoun, übersetzt etwa "Die Wächter", soll eng mit der weit größeren Gruppe Ansar Dine zusammenarbeiten. Während des Angriffs sollen die Terroristen immer wieder "Allah ist groß" gerufen haben und jene Geiseln freigelassen haben, die Koran-Verse zitieren konnten.

Im Laufe des Tages war immer wieder heftiges Gewehrfeuer in dem siebenstöckigen Hotel zu hören. Die Geiselnehmer - nach Angaben aus Sicherheitskreisen stürmten bis zu zehn Bewaffnete das Hotel - hatten sich offenbar im obersten Stockwerk verschanzt. Am Abend lieferten sie sich immer noch Schusswechsel mit malischen Spezialkräften. Deutsche Soldaten, die sich im Rahmen eines Ausbildungseinsatzes in Mali aufhalten, waren nach Angaben der Bundeswehr nicht betroffen. Frankreich hatte 2013 einen Militäreinsatz gegen Islamisten in Nord-Mali angeführt.

Vier Deutsche waren von der Geiselnahme betroffen

"Nach allem, was wir wissen, sind keine deutschen Staatsangehörigen zu Schaden gekommen", erklärte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD). Vier Deutsche überlebten die Geiselnahme nach Steinmeiers Angaben. Sie konnten "das Hotel im Laufe des Tages unversehrt verlassen". Angehörige von 14 Nationen waren von der Geiselnahme betroffen - außer den Deutschen Hotelgäste aus Algerien, Belgien, Kanada, China, der Elfenbeinküste, Spanien, den USA, Frankreich, Indien, Marokko, Russland, Senegal und der Türkei.

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Terror in Mali: Befreiungsaktion in Bamako
Die Angreifer gelangten nach Angaben aus Sicherheitskreisen am Morgen zusammen mit einem Auto mit Diplomatenkennzeichen auf das Hotelgelände und eröffneten in der siebten Etage des Hotelgebäudes das Feuer. Unter den Getöteten befand sich nach offiziellen Angaben ein ranghoher belgischer Beamter. Drei Hotelwächter und ein Polizist wurden verletzt. Unter den befreiten Geiseln befanden sich nach Angaben des algerischen Außenministeriums mehrere algerische Diplomaten. Zudem hielten sich in dem Hotel zwölf Mitarbeiter der französischen Fluggesellschaft Air France auf, sie konnten nach Angaben des Unternehmens am Nachmittag befreit werden.

Die USA und Frankreich mobilisierten Spezialeinheiten. Sie waren am Nachmittag an der Seite malischer Sicherheitskräfte zur Rettung der Geiseln im Einsatz. Nach neun Stunden konnte Sicherheitsminister Traoré Entwarnung geben: "Jetzt haben sie keine Geiseln mehr in ihrer Gewalt." Wenig später teilten malische Militärs mit, zwei Angreifer seien getötet worden.

Augenzeugen sprachen ursprünglich von "rund einem dutzend" bewaffneten Angreifern, malische Sicherheitskräfte von drei "dschihadistischen" Geiselnehmern.

Immer wieder ist Mali Ziel islamistischer Angriffe

In dem westafrikanischen Land verüben islamische Fundamentalisten immer wieder Anschläge. Im August wurden bei einer Geiselnahme und anschließenden Gefechten in einem bei Ausländern beliebten Hotel in der Stadt Sévaré 13 Menschen getötet, unter ihnen mehrere UN-Mitarbeiter. Zu dem Angriff bekannten sich damals malische Dschihadisten.

Anfang 2012 wurde der Norden Malis von dschihadistischen Gruppierungen erobert. Französische Militäreinheiten stoppten Anfang 2013 ihren Vormarsch in Richtung Süden. Frankreich übergab den Militäreinsatz in Mali später der UN-Blauhelmtruppe Minusma.

Die Bundeswehr beteiligt sich derzeit mit rund 220 Soldaten an zwei internationalen Militäreinsätzen in Mali; dabei geht es hauptsächlich um Ausbildung und Transport. Nach den Anschlägen in Paris vom Freitag vergangener Woche kündigte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) an, Deutschland werde sein militärisches Engagement in Mali deutlich ausbauen. Der Bundeswehrverband forderte als Reaktion auf die Geiselnahme in Bamako eine Entsendung "kampfkräftiger" deutscher Truppen nach Mali.

asc/Reuters/AFP

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1.
h.klinge-klinge 21.11.2015
Es verwundert mich dass die Initiative hier ausgerechnet vom Bundeswehrverband kommt, langweilen sich die Rekruten in den Kasernen ? Ich bin schon lange dafür mehr deutsche Soldaten in Kampfgebiete zu schicken, Deutschland kann nicht immer nur die Ammis und die Franzmänner die Drecksarbeit machen lassen...
2. Das Gesetz des SCHWARMES
daten.waesche@gmail.com 21.11.2015
Globalisierung & Internet bringen den Schwarm hervor. Der Schwarm ist wie Quecksilber und die Presse sein Sprachrohr. Das Internet verbreitet seine Macht in die letzten Ecken der Welt. Der Schwarm ist der kleinste gemeinsame Nenner und Terror ist der kleinste gemeinsame Nenner. Irrationale Stürme begleiten die Vollendung der Ratio, eins geht nicht ohne das Andere.
3. Es ist an der Zeit,
oceanspill 21.11.2015
dass Europa mal ernsthaft ueber die Freiheiten nachdenkt die es den Raedelsfuehrern erlaubt. Gehirnwaesche in der Moschee kann nicht, darf nicht als Religionsfreiheit geschuetzt warden. Gesetze muessen geaendert werden! Diese Extremisten missbrauchen die Freiheit die sie selber niemandem eingestehen wuerden. Das sind tollwuetige Hunde mit Schaum vorm Mund,- da muss der Staat handeln, seine Buerger schuetzen. Sonst hat der Staat dein Machtmonopol verwirkt. Der Buerger in Uniform muss schuetzen.
4. Woche?
Tornado 21.11.2015
Dieser Terror geht schon seit Staatsgründung Israels und der Einnahme der heiligen Stätte Jerusalem so und er involviert immer mehr Länder, nun auch mehr und mehr Europa. Uns wird es also bald so ergehen wie den Israelis und den Amerikanern: Zäune überall, Bewaffnete an jeder Ecke, Totalüberwachung, immer extremere Politiker, Terror jeden Tag. Es gibt leider nur eine funktionierende Lösung: Abschottung von der islamischen Welt den der IS nutzt die islamische Welt wie der Vietkong den Dschungel. Wer diese Abschottung nicht möchte, wird mit dem Terror und den Gegenmaßnahmen wie Totalüberwachung leben müssen. Es wird keine friedliche Lösung mit Islamisten geben - wer das hofft verkennt die Lage völlig und lebt in einer Traumwelt. Diese Extremisten wollen uns alle tot sehen und sie geben auch erst Ruhe wenn wir alle oder sie alle tot sind. Gegen so eine Ideologie wie sie der IS propagiert, hilft nur Churchill 2.0 - geht weg Ihr Chamberlains 1.1.
5. In den Hintern treten
Pipopax 21.11.2015
Ich habe auch kein Patentrezept für die gegenwärtige Situation. Aber wenn man sich das so anguckt, dann ist es so dass die radikalen Zäuselbärte (copyright by Prantl) inzwischen gehasst werden in Europa, Nord-, Mittel- und Südamerika, Fernost inkl. China und Südostasien, Japan, Russland, grossen Teilen Afrikas, Australien, Neuseeland und was es sonst noch so alles gibt. Man könnte sagen, dass die ganz, ganz, ganz grosse Mehrheit unseres Planeten diese mittelalterlichen A.-Löcher zum Kotzen findet. Es ist jetzt an der Zeit, dass sich alle zusammentun, ihre kleinen, dummen Differenzen beiseitelegen und diesen radikalen Idioten endlich mal so richtig in den Hintern treten.
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Bevölkerung: 16,259 Mio.

Fläche: 1.240.194 km²

Hauptstadt: Bamako

Staatsoberhaupt:
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Regierungschef: Mobido Keïta

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