Malis Regierungschef: Erst festgenommen, dann zurückgetreten

In Mali überschlagen sich die Ereignisse. In der Nacht haben Soldaten Regierungschef Diarra festgenommen, der kurz darauf von seinem Posten zurücktrat. Der international renommierte Wissenschaftler hatte sich für einen Militäreinsatz gegen die Islamisten im Norden seines Landes stark gemacht.

Scheich Modibo Diarra: Gegner der Islamisten Zur Großansicht
REUTERS

Scheich Modibo Diarra: Gegner der Islamisten

Bamako - Malis Regierungschef Scheich Modibo Diarra ist am Dienstagmorgen zurückgetreten. Er gab seinen Rücktritt sowie den Rücktritt seiner gesamten Regierung im nationalen Fernsehen bekannt, berichtete der britische Sender BBC. Diarra war zuvor in der Nacht unter noch nicht geklärten Umständen festgenommen worden. Der Trupp von Soldaten habe die Eingangstür von Diarras Haus "demoliert" und den Regierungschef "ziemlich brutal" behandelt, sagten seine Mitarbeiter.

Diarra hatte seinen Mitarbeitern zufolge in der Nacht nach Frankreich reisen wollen, um sich in Paris einem Gesundheits-Check zu unterziehen. Er habe zuvor eine kurze Fernsehansprache aufgenommen. Die Aufnahme sei jedoch vom Militär beschlagnahmt worden. Wie die afrikanische Agentur apanews aus Bamako berichtete, handelten die Soldaten auf Befehl von Hauptmann Amadou Sanogo, der bereits vor einigen Monaten in den Militärputsch verwickelt war. In dem Machtvakuum nach dem Putsch im März gelang es Tuareg-Rebellen und mit ihnen verbündeten Islamisten innerhalb weniger Tage, den gesamten Norden des Landes unter ihre Kontrolle zu bringen. Diarra sprach sich wiederholt dafür aus, eine internationale Militärtruppe solle gegen die Islamisten einschreiten. Offiziell übergab Hauptmann Sanogo zwei Wochen nach dem Putsch vom März die Macht wieder an eine zivile Regierung, faktisch aber behielt er in Bamako erheblichen Einfluss.

Einen offiziellen Grund für die Festnahme Diarras gibt es bisher nicht. Er gilt als Befürworter eines militärischen Einsatzes gegen die Islamisten, während Hauptmann Sanogo dies nach Angaben von apanews ablehnt.

Auf Bitten der Regierung in Bamako bereitet die westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas einen Militäreinsatz mit bis zu 5000 Soldaten vor, die die Islamisten aus dem Norden des Landes vertreiben sollen. Auch die EU will Mali militärisch unterstützen. Sie will zwischen 200 und 250 Militärausbilder in die Hauptstadt Bamako schicken.

Der 60-jährige Astrophysiker Diarra wurde weit über die Landesgrenzen hinaus als Wissenschaftler bekannt. Er arbeitete früher an Weltraumprojekten der US-Raumfahrtbehörde NASA mit. Später vertrat er den Internetriesen Microsoft in Afrika.

ler/dpa/AFP

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 1 Beitrag
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Afrika
brenfan 11.12.2012
Völlig normal, afrikanische "Männer", das Ergebnis wird immer das gleiche sein.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Ausland
RSS
alles zum Thema Mali
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 1 Kommentar

Bevölkerung: 15,370 Mio. Einwohner

Fläche: 1.240.194 km²

Hauptstadt: Bamako

Staatsoberhaupt:
Ibrahim Boubacar Keita

Regierungschef: Moussa Mara

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Afrika-Reiseseite