SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

25. Januar 2013, 13:22 Uhr

Berichte über Menschenrechtsverstöße

Malische Regierung appelliert an eigene Soldaten

Malis Regierung reagiert auf die Vorwürfe von Menschenrechtlern gegen das Militär des westafrikanischen Landes: Die Soldaten sollten "unbescholten" sein, heißt es in einer Mitteilung. Ein Armeesprecher nannte Berichte über angebliche Hinrichtungen von Islamisten falsch.

Bamako - Die Mitteilung der malischen Regierung liest sich wie ein Appell an die eigene Armee: Das Militär sollte "unbescholten" sein, heißt es in dem Papier, die Menschenrechte seien zu achten.

Damit reagierte Malis Regierung auf schwerwiegende Vorwürfe von Menschenrechtlern: Die in Paris ansässige Internationale Vereinigung für Menschenrechte FIDH hatte die Regierungssoldaten in einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht für mindestens 33 Morde verantwortlich gemacht. Die Gruppe nannte dabei keine konkreten Quellen. Ein Augenzeuge bestätigte der Nachrichtenagentur AP jedoch mehrere Hinrichtungen. Er habe noch vor Beginn der französischen Offensive selbst mit angesehen, wie malische Soldaten mindestens drei Menschen töteten, denen sie vorwarfen, Verbündete der Islamisten zu sein.

Ein Armeesprecher wies die Vorwürfe als "absolut falsch" zurück. Malische Truppen kämpfen derzeit an der Seite des französischen Militärs gegen islamistische Rebellen, die seit dem vergangenen Jahr den Norden des Landes kontrollieren. Menschenrechtler hatten wiederholt vor Vergeltungsaktionen gewarnt.

Bei ihrem Einsatz gegen Islamisten haben malische und französische Truppen bei ihrem Vorrücken in Richtung Norden die Stadt Hombori erobert. Die Regierungstruppen hätten den - rund 160 Kilometer südlich der strategisch wichtigen Stadt Gao liegenden - Ort bereits am Donnerstag von Islamisten befreit, sagte Armeesprecher Diarran Kone am Freitag der Nachrichtenagentur dpa. "Wir sind in Hombori und wir werden weiter voranmarschieren", erklärte der Oberst. Aber von einem Sieg könne erst dann die Rede sein, wenn alle Menschen in Mali wieder frei seien. Diarran hatte vor wenigen Tagen betont, dass die Truppen bei ihrer Offensive in Richtung Nordmali jede Woche hundert Kilometer vorrücken wollten.

Islamistische Kämpfer sprengten in der Nacht zum Freitag im Norden des Landes eine strategisch wichtige Brücke ins Nachbarland Niger. "Niemand kommt mehr durch, um nach Niger oder Richtung Gao zu kommen", sagte Abdou Maiga, Eigentümer eines Transportunternehmens der Nachrichtenagentur AFP. Ein Vertreter der nigrischen Sicherheitskräfte bestätigte die Sprengung.

Vom Niger aus sollen afrikanische Soldaten der Internationalen Unterstützungsmission für Mali (MISMA) demnächst eine neue Front gegen die Islamisten in Mali eröffnen. 2000 Soldaten aus dem Tschad und 500 aus Niger sind deswegen auf dem Weg in die Stadt Ouallam nahe der malischen Grenze.

hen/dpa/dapd/AFP

URL:

Verwandte Artikel:

Mehr im Internet


© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH