Mandela-Feiern Südafrika schämt sich für Präsident Zuma

Sex-Affären ohne Ende, eine katastrophale Regierungsbilanz, gewalttätige Proteste: Südafrikas Präsident Jacob Zuma steht mit dem Rücken zur Wand. Selbst von den Feierlichkeiten zu Ehren Nelsons Mandelas, der vor 20 Jahren aus der Haft entlassen wurde, kann er im WM-Jahr nicht profitieren.

Von Karl-Ludwig Günsche, Kapstadt


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Jacob Zuma: Der Skandal-Präsident
Der massige Mann am Rednerpult versucht sich an Pathos und Beschwörungen. Er will ein glanzvolles Bild der Vergangenheit malen und einen hoffnungsvollen Weg in die Zukunft zeichnen. Doch seine Rede, in die das Land so viele Erwartungen gesetzt hat, gerät ihm eigenartig blutleer. Er ist nervös, verhaspelt sich, flüchtet sich in Aufzählungen und Versprechungen. Eigentlich müsste er an diesem Abend um sein Ansehen, seine Glaubwürdigkeit, vielleicht sogar um seine politische Zukunft kämpfen. Denn Jacob Zuma steht mit dem Rücken zur Wand - wieder einmal. Doch trotz vieler Worte wirkt er sprachlos.

Dieser 11. Februar 2010 - so war es lange geplant - sollte zu seinem Fest werden. Zu dem Tag, an dem sich Zuma endgültig in die Nachfolge Nelson Mandelas stellen wollte, für den sich vor genau zwei Dekaden die Gefängnistore nach 27 Jahren Haft öffneten, damit er ein neues, demokratisches Südafrika bauen konnte. Die greise Ikone des südafrikanischen Befreiungskampfes war zur Parlamentseröffnung und Zumas traditioneller Rede zur Lage der Nation eigens nach Kapstadt gereist. Auf Zumas Drängen war die Rede zur Lage der Nation zum ersten Mal auf den Abend verlegt worden, zur besten TV-Sendezeit, damit möglichst viele Südafrikaner Augen- und Ohrenzeuge der Zuma/Mandela-Feier werden könnten. Der Staat bot alles auf, was er an Prunk und Zeremoniell zu bieten hat: Hymne, rote Teppiche, Salutschüsse, Reiter, Ehrengarden, Kampfjets, Tänzer.

"Schande der Nation"

Aber statt Jubelfest war die Inszenierung für Zuma vor allem ein verzweifelter Versuch der Schadensbegrenzung. Denn seit vor zwei Wochen bekannt wurde, dass die Tochter des Fußball-Bosses Irvin Khoza dem Präsidenten im Oktober vergangenen Jahres ein Kind geboren hat, geht ein Sturm der Entrüstung durch die Kap-Republik. 20 Kinder hat der bekennende Polygamist offiziell, 34 seien es wirklich, wird getuschelt. Das Sexleben des Präsidenten hat sich unversehens zur Staatsaffäre ausgewachsen. "Schande der Nation" nannte der "Sowetan" den Mann, dem noch im November bei einer Repräsentativumfrage 77 Prozent bescheinigt hatten, er mache einen guten Job. Die Wochenzeitung "Mail&Guardian" schrieb: "Jetzt reicht's, Mr. Präsident", und der "Cape Argus" fragte sogar: "Ist es Zeit für Zuma zurückzutreten?" Seine eigene Partei soll ihm inzwischen die gelbe Karte gezeigt haben: Einen weiteren Skandal werde er nicht überleben.

Alles kocht wieder hoch: Der Vergewaltigungsprozess, in dem Zuma 2006 in einem spektakulären Verfahren mit Ach und Krach freigesprochen worden war, genauso wie die Korruptionsvorwürfe, deretwegen er vor Gericht gestellt werden sollte.

Zuma hat die Tragweite der Entdeckung seines "Lovechild" zunächst geradezu fahrlässig unterschätzt. Auch ein Präsident habe das Recht auf seine Privatsphäre, versuchte er die Affäre kleinzureden. Erst auf massiven öffentlichen Druck der Öffentlichkeit und der eigenen Partei entschuldigte er sich bei seiner Familie, seiner Partei, seinem Volk. Doch er erntete nur noch Hohn und Spott. Sein alter, vom ANC abgefallener Kampfgefährte Mosiuoa Lekota sagte, die Südafrikaner müssten Zuma klarmachen, "dass er sich endlich wie ein Präsident und nicht wie ein Gigolo" benehmen müsse. Und die Jugendliga des "Pan African Congress" empfahl süffisant, dem Präsidenten künftig eine Art Aufpasser-Truppe zur Seite zu stellen, wenn er irgendwo Hausbesuche mache, da er seinen Sex-Trieb offenbar nicht unter Kontrolle habe. Andere rieten zu einer Sex-Therapie. Und am Tag der Zuma-Rede im Parlament kam die "Cape Times" mit der Schlagzeile heraus: "Weitere Zuma-Kinder entdeckt".

Seit Monaten hatten Zuma und die Regierungspartei ANC die Weichen gestellt, Südafrika aus den Schlagzeilen zu bringen, das Image des Landes aufzupolieren und das Jahr der Fußball-WM zum historischen Durchbruch für den ganzen schwarzen Kontinent werden zu lassen. Zwei Milliarden Rand (knapp 200 Millionen Euro) lässt die Regierung sich nach Angaben des "Mail&Guardian" eine Werbe-Kampagne kosten, die das Bild Südafrikas in der Welt positiv verändern soll. Doch durch die "Lovechild"-Affäre scheint alles wieder in Frage gestellt zu sein. Die Zeitungen Südafrikas sind voll mit Würdigungen der Leistung Mandelas, mit Erinnerungen an den historischen 11. Februar 1990 - und Anklagen gegen Mandelas Nachfolger, die es versäumt hätten, in dem Wirtschaftswunderland Südafrika die Kluft zwischen Arm und Reich zu schließen.

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insgesamt 34 Beiträge
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Seite 1
Sintra 12.02.2010
1. Zumasconi
Da kann Berlusconi nur muede drueber laecheln
Haio Forler 12.02.2010
2. .
Zitat von sysopSex-Affären ohne Ende, eine katastrophale Regierungsbilanz, gewalttätige Proteste: Südafrikas Präsident Jacob Zuma steht mit dem Rücken zur Wand. Selbst von den Feierlichkeiten zu Ehren Nelsons Mandelas, der vor 20 Jahren aus der Haft entlassen wurde, kann er im WM-Jahr nicht profitieren. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,677424,00.html
Was können wir tun? Eine Beratungsstelle für sexsüchtige afrikanische Präsidenten einrichten? Komm laßt und diskutieren. Aber erst nach den Hilfsgeldern als Griechenland.
Oskar ist der Beste 12.02.2010
3. tja
Zitat von sysopSex-Affären ohne Ende, eine katastrophale Regierungsbilanz, gewalttätige Proteste: Südafrikas Präsident Jacob Zuma steht mit dem Rücken zur Wand. Selbst von den Feierlichkeiten zu Ehren Nelsons Mandelas, der vor 20 Jahren aus der Haft entlassen wurde, kann er im WM-Jahr nicht profitieren. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,677424,00.html
tja, ob Zuma nun 5 oder 10 Frauen hat, ist eigentlich pappe. Schlimmer ist, dass der ANC und auch alle anderen politschen Alternativen keine Strategie einer wirksamen Armutsbekaempfung. Und an dieser Armutsentwicklung sind vor allem auch Zumas Vorgaenger schuld, die eben zu sehr auf Versoehnung gesetzt haben als darauf, den Reichtum des Landes gerechter zu verteilen. Aber mit einer am Neoliberalismus orientierten Wirtschaftspolitik im Gegensatz zum Aufbau einer sozialen Marktwirtschaft nach Deutschen Vorbild muss selbst ein relativ wohlhabendes Land wie Sued Afrika irgendwann in richtige Schwierigkeiten kommen, insb. wenn nachdem Ende des weissen Herrenmenschenregimes auf einmal die grosse (schwarze und teilweise auch farbige) Mehrheit auch in menschenwuerdigen Verhaeltnissen leben will. Und wenn man sich vor Augen haelt, dass dem Land noch eine nachhaltige Landreform bevorsteht, dessen Details voellig unklar sind und auch das Gemeinschaftsgefuehl in Suedafrika aufgrund der immer noch vorherrschenden Rassentrennung im tgl Leben (so etwas kann man mit Wahrheitskommission, einem Heiligen als 1. Staatspraesident, dem Unangetastsein vieler Privilegien der vormals allein prosperierenden Weissen usw eben nicht begegnen) kaum ausgepraegt ist, werden die Probleme nicht geringer werden. Aber vielleicht bringt ja die WM hier einen Fortschritt, wenn alle Sued Afrikaner der Welt gute Gastgeber sein wollen und es hoffentlich nicht wagen werden, uber die Landsleute anderer Hautfarbe herzuziehen.
horstmann11 12.02.2010
4. Südafrika
Es erscheint an der Zeit, Herrn Hoeneß gegenüber Abbitte zu leisten. Die Durchführung WM ist in Südafrika wohl kaum zu rechtfertigen, weder auch ökonomischen noch aus sicherheitspolitischen Aspekten.
Melwach 12.02.2010
5. Du meine Güte..
Diese Überschrift könnte direkt der Bild entnommen sein. Schon seeehr reißerisch.
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