Von Karl-Ludwig Günsche, Kapstadt
Dieser 11. Februar 2010 - so war es lange geplant - sollte zu seinem Fest werden. Zu dem Tag, an dem sich Zuma endgültig in die Nachfolge Nelson Mandelas stellen wollte, für den sich vor genau zwei Dekaden die Gefängnistore nach 27 Jahren Haft öffneten, damit er ein neues, demokratisches Südafrika bauen konnte. Die greise Ikone des südafrikanischen Befreiungskampfes war zur Parlamentseröffnung und Zumas traditioneller Rede zur Lage der Nation eigens nach Kapstadt gereist. Auf Zumas Drängen war die Rede zur Lage der Nation zum ersten Mal auf den Abend verlegt worden, zur besten TV-Sendezeit, damit möglichst viele Südafrikaner Augen- und Ohrenzeuge der Zuma/Mandela-Feier werden könnten. Der Staat bot alles auf, was er an Prunk und Zeremoniell zu bieten hat: Hymne, rote Teppiche, Salutschüsse, Reiter, Ehrengarden, Kampfjets, Tänzer.
"Schande der Nation"
Aber statt Jubelfest war die Inszenierung für Zuma vor allem ein verzweifelter Versuch der Schadensbegrenzung. Denn seit vor zwei Wochen bekannt wurde, dass die Tochter des Fußball-Bosses Irvin Khoza dem Präsidenten im Oktober vergangenen Jahres ein Kind geboren hat, geht ein Sturm der Entrüstung durch die Kap-Republik. 20 Kinder hat der bekennende Polygamist offiziell, 34 seien es wirklich, wird getuschelt. Das Sexleben des Präsidenten hat sich unversehens zur Staatsaffäre ausgewachsen. "Schande der Nation" nannte der "Sowetan" den Mann, dem noch im November bei einer Repräsentativumfrage 77 Prozent bescheinigt hatten, er mache einen guten Job. Die Wochenzeitung "Mail&Guardian" schrieb: "Jetzt reicht's, Mr. Präsident", und der "Cape Argus" fragte sogar: "Ist es Zeit für Zuma zurückzutreten?" Seine eigene Partei soll ihm inzwischen die gelbe Karte gezeigt haben: Einen weiteren Skandal werde er nicht überleben.
Alles kocht wieder hoch: Der Vergewaltigungsprozess, in dem Zuma 2006 in einem spektakulären Verfahren mit Ach und Krach freigesprochen worden war, genauso wie die Korruptionsvorwürfe, deretwegen er vor Gericht gestellt werden sollte.
Zuma hat die Tragweite der Entdeckung seines "Lovechild" zunächst geradezu fahrlässig unterschätzt. Auch ein Präsident habe das Recht auf seine Privatsphäre, versuchte er die Affäre kleinzureden. Erst auf massiven öffentlichen Druck der Öffentlichkeit und der eigenen Partei entschuldigte er sich bei seiner Familie, seiner Partei, seinem Volk. Doch er erntete nur noch Hohn und Spott. Sein alter, vom ANC abgefallener Kampfgefährte Mosiuoa Lekota sagte, die Südafrikaner müssten Zuma klarmachen, "dass er sich endlich wie ein Präsident und nicht wie ein Gigolo" benehmen müsse. Und die Jugendliga des "Pan African Congress" empfahl süffisant, dem Präsidenten künftig eine Art Aufpasser-Truppe zur Seite zu stellen, wenn er irgendwo Hausbesuche mache, da er seinen Sex-Trieb offenbar nicht unter Kontrolle habe. Andere rieten zu einer Sex-Therapie. Und am Tag der Zuma-Rede im Parlament kam die "Cape Times" mit der Schlagzeile heraus: "Weitere Zuma-Kinder entdeckt".
Seit Monaten hatten Zuma und die Regierungspartei ANC die Weichen gestellt, Südafrika aus den Schlagzeilen zu bringen, das Image des Landes aufzupolieren und das Jahr der Fußball-WM zum historischen Durchbruch für den ganzen schwarzen Kontinent werden zu lassen. Zwei Milliarden Rand (knapp 200 Millionen Euro) lässt die Regierung sich nach Angaben des "Mail&Guardian" eine Werbe-Kampagne kosten, die das Bild Südafrikas in der Welt positiv verändern soll. Doch durch die "Lovechild"-Affäre scheint alles wieder in Frage gestellt zu sein. Die Zeitungen Südafrikas sind voll mit Würdigungen der Leistung Mandelas, mit Erinnerungen an den historischen 11. Februar 1990 - und Anklagen gegen Mandelas Nachfolger, die es versäumt hätten, in dem Wirtschaftswunderland Südafrika die Kluft zwischen Arm und Reich zu schließen.
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