Todkranker Nationalheld: Mandelas Tochter schimpft auf ausländische Medien

Tochter Makaziwe Mandela (l.), Enkelin Ndileka Mandela: "Sie überschreiten Grenzen" Zur Großansicht
AP/dpa

Tochter Makaziwe Mandela (l.), Enkelin Ndileka Mandela: "Sie überschreiten Grenzen"

Die Familie des schwerkranken Nelson Mandela beschwert sich massiv über das Verhalten ausländischer Medien. "Sie übertreiben es", sagt die älteste Tochter Makaziwe - und bittet um mehr Respekt.

Pretoria - Südafrikas Ex-Präsident Nelson Mandela ringt mit dem Tod - sein Zustand, so heißt es, ist "sehr kritisch". Das Krankenhaus, in dem der schwerkranke Nobelpreisträger in Pretoria liegt, wird von seinen Anhängern und Reportern belagert. Jetzt hat sich Mandelas älteste Tochter Makaziwe über das Verhalten der ausländischen Medien massiv beschwert: "Sie überschreiten Grenzen", sagte sie dem südafrikanischen Sender SABC laut einem Bericht des "Guardian".

Es sei verständlich, dass sich Journalisten für den Gesundheitszustand ihres Vaters interessieren, "aber sie übertreiben es", sagte Makaziwe Mandela. Es sei kaum möglich für die Familie, ins Krankenhaus zu gelangen. "Es ist wirklich so, als ob Geier auf die letzten Überreste warten, nachdem ein Löwe einen Büffel gefressen hat."

Die Tochter bezeichnete die derzeitige Situation als "krass". "Wenn sich die Menschen wirklich für Nelson Mandela interessieren würden, sollten sie ihn respektieren", sagte sie. Nicht alles von dem Nobelpreisträger solle in der Öffentlichkeit gezeigt werden, so ihr Appell.

Unzählige Gerüchte und Tweets

Ndileka Mandela, Enkelin des Anti-Apartheid-Kämpfers, ergänzte: "Ich habe ein solches Verhalten nicht bei Margaret Thatcher gesehen oder als George Bush im Krankenhaus war." Die Art und Weise, wie die Medien sich nun im Falle ihres Großvaters benehmen würden, mache die Familie "wütend".

Seit Tagen gibt es unzählige Gerüchte und Tweets über den Zustand des ehemaligen Präsidenten, darunter auch viele Falschmeldungen. Der "Guardian" hatte am Donnerstag über den Kurznachrichtendienst verbreitet, Mandela sei tot. Wenig später äußerte sich dann Tochter Makaziwe Mandela. Der Gesundheitszustand ihres Vaters sei "sehr kritisch". "Von einem Augenblick zum nächsten kann alles passieren." Allerdings reagiere ihr Vater auf Berührungen.

Obama in Südafrika

Am Freitag wird US-Präsident Barack Obama am Kap erwartet - er beginnt seinen dreitägigen Besuch. US-Diplomaten sind in großer Sorge, dass das minutiös geplante Besuchsprogramm durcheinandergeraten könnte, sollte der 94-jährige Friedensnobelpreisträger sterben.

Mandela befindet sich seit 8. Juni wegen einer schweren Lungenentzündung im Krankenhaus. Inzwischen wird er beatmetund alle drei Stunden an ein Dialysegerät angeschlossen.

Seine Lungenprobleme reichen in die Zeit als politischer Gefangener zurück, als er an Tuberkulose erkrankte. Er war 27 Jahre lang inhaftiert, den Großteil davon im berüchtigten Gefängnis auf Robben Island. Erst 1990 kam er frei und wurde vier Jahre später nach den ersten freien Wahlen erster schwarzer Präsident Südafrikas. Damit war das Ende des Apartheid-Regimes besiegelt.

Mandela ebnete den Weg zur Aussöhnung von Schwarzen und Weißen in seinem Heimatland. Als Staatschef trat Mandela 1999 zurück. Sein letzter öffentlicher Auftritt fand im Jahr 2010 während der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika statt.

heb

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insgesamt 20 Beiträge
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1. wirklich traurig
lebenslang 28.06.2013
Zitat von sysopAP/dpaDie Familie des schwer kranken Nelson Mandela beschwert sich massiv über das Verhalten ausländischer Medien. "Sie übertreiben es", sagt die älteste Tochter Makaziwe - und bittet um mehr Respekt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/mandelas-tochter-vergleicht-auslaendische-medien-mit-geiern-a-908293.html
traurig, dass man schwerkranke alte menschen mit über 90 jahren nicht ruhig sterben lassen kann, sondern sie mit allen mitteln versucht daran zu hindern, obwohl die chancen, dass der alte mensch jemals wieder das bett verlassen und ohne schläuche auskommen kann gegen null tendiert. der egoismus der angehörigen ist manchmal grenzenlos.
2. Ach deshalb ...
svanha 28.06.2013
... lassen sie ihn noch am Stecker. Der minutiös geplante US Besuch darf natürlich nicht durch den Tod Mandelas durcheinander gebracht werden. Ordnung muss sein. Es hat sich gefälligst alles auf Obama zu konzentrieren, wenn er schon mal da ist, und Millionen zum Schutz seiner Person ausgegeben worden sind, die man, gerade in Südafrika, nicht sinnvoller hätte einsetzen können...
3. ....
janne2109 28.06.2013
Zitat von sysopAP/dpaDie Familie des schwer kranken Nelson Mandela beschwert sich massiv über das Verhalten ausländischer Medien. "Sie übertreiben es", sagt die älteste Tochter Makaziwe - und bittet um mehr Respekt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/mandelas-tochter-vergleicht-auslaendische-medien-mit-geiern-a-908293.html
sollte man nicht ernst nehmen, die Familie ist sich ja selbst nicht grün und jeder von ihnen hat etwas den Medien zu sagen, schlimm.
4. Willkommen...
irgendwer_bln 28.06.2013
Zitat von sysopAP/dpaDie Familie des schwer kranken Nelson Mandela beschwert sich massiv über das Verhalten ausländischer Medien. "Sie übertreiben es", sagt die älteste Tochter Makaziwe - und bittet um mehr Respekt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/mandelas-tochter-vergleicht-auslaendische-medien-mit-geiern-a-908293.html
...im Kapitalismus. Wo Menschenleben in Auflagen und finanz. Potential gemessen werden. Der Vergleich mit den Geiern war ja schon fast sprichwörtlich - in jedem Fall zutreffend. Sobald eine dicke Headline in Sicht ist, wird die Würde über Bord geschmissen. Leider kann sich die Familie Mandela nicht auf GG §1 berufen. Die Ausbeutung (diesmal: des kulturellen Erbe) Afrikas geht in die nächste Runde.
5. auch traurig
lebenslang 28.06.2013
Zitat von irgendwer_bln...im Kapitalismus. Wo Menschenleben in Auflagen und finanz. Potential gemessen werden. Der Vergleich mit den Geiern war ja schon fast sprichwörtlich - in jedem Fall zutreffend. Sobald eine dicke Headline in Sicht ist, wird die Würde über Bord geschmissen. Leider kann sich die Familie Mandela nicht auf GG §1 berufen. Die Ausbeutung (diesmal: des kulturellen Erbe) Afrikas geht in die nächste Runde.
und noch trauriger ist es, dass es einige nicht lassen können selbst aus einem solch traurigen schicksal glauben noch erbärmliche kapitalismuskritik ableiten zu müssen.
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Fläche: 1.219.000 km²

Bevölkerung: 50,492 Mio.

Hauptstadt: Pretoria

Staats- und Regierungschef: Jacob Zuma

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