Manuel Noriegas Tod in Panama Der Kalte Krieger der Karibik

Manuel Noriega war der Darling der CIA, Wachposten gegen Koks und Kommunisten. Dann lief er aus dem Ruder und musste weg. Nun ist in Panamas Ex-Machthaber gestorben, von seinem Volk verachtet.

DPA

Von , Mexiko-Stadt


Manuel Antonio Noriega war so etwas wie ein Weltreisender in Sachen Freiheitsentzug. Rund ein Drittel seines Lebens verbrachte der einst mächtigste Mann Panamas im Gefängnis oder unter Hausarrest in den USA, Frankreich und seiner Heimat.

Die meiste Zeit davon saß er in den USA ein, ausgerechnet dem Land, das ihn einst als Horch- und Vorposten gegen Kommunismus und Kokainmafias in Mittelamerika installierte. Washington baute Noriega auf, instrumentalisierte ihn für die eigenen schmutzigen Geschäfte wie die "Iran-Contra-Affäre" um Waffenlieferungen an die Rechtsrebellen in Nicaragua. Aber als er aus dem Ruder lief, wurde er kurzerhand gestürzt, entführt und wegen Drogendelikten zu einer langen Haftstrafe verurteilt. So machte Washington noch gegen Ende des vergangenen Jahrhunderts in seinem "Hinterhof" wie selbstverständlich Politik.

Nun ist Noriega, eines der letzten Symbole des Kalten Kriegs in der Karibik, im Alter von 83 Jahren in einem Krankenhaus in Panama-Stadt verstorben. Und so ereilte ihn ein Schicksal, das kaum einem Gewaltherrscher in Lateinamerika zuteil wurde: Er wurde für seiner Taten zur Verantwortung gezogen und starb, verachtet von der Bevölkerung, in seiner Heimat.

Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte der Mann, der das kleine mittelamerikanische Land von 1983 bis 1989 als Gewaltherrscher und De-facto-Präsident regierte, nach Operation an einem gutartigen Hirntumor im März 2017 in der Obhut zweier seiner drei Töchter in Panama-Stadt.

Geboren wurde Noriega am 11. Februar 1934 im Darién, einer unwirtlichen Gegend an der Grenze zu Kolumbien, von wo auch seine Familie stammte. Er wuchs in Armut auf und schlug früh eine Karriere beim Militär ein. Seine Kontakte mit den USA sollen bereits in den Fünfzigerjahren entstanden sein, als er auf einer Militärakademie in Peru vom Geheimdienst CIA angeworben wurde.

Arbeit für die CIA - aber auch Kanäle zu Castro

Als er dann, viele Jahr später, mithilfe Washingtons in Panama an der Macht war, trieb der gelernte Geheimdienstler ein doppeltes Spiel. Er arbeitete für die CIA, aber hielt zeitweise auch enge Kontakte zu Kubas Revolutionsführer Fidel Castro. Er verriet die kolumbianischen Kokainkönige und half ihnen zugleich, dealte auch mit dem damals mächtigsten Rauschgiftboss der Welt: dem Kolumbianer Pablo Escobar. Nach innen regierte er brutal, ließ Oppositionelle foltern und ermorden.

Als er in den USA nur noch als Belastung wahrgenommen wurde, befahl US-Präsident George Bush Sr. kurz vor Weihnachten 1989 einen denkwürdigen Schritt: Er schickte am 20. Dezember Invasionstruppen nach Panama, wo die USA ja noch den Kanal betrieben und verwalteten, und stürzte Noriega unter dem Vorwurf der Verteidigung der nationalen Interessen der Vereinigten Staaten. Ein Ausschuss des US-Senats bezeichnete die Beziehung Washingtons zu Noriega Jahre später als einen der größten Fehler der Außenpolitik der Vereinigten Staaten.

"Cara de Piña", das "Ananasgesicht", wie Noriega in seiner Heimat verächtlich wegen der narbigen Gesichtshaut genannt wurde, verbrachte seine letzten Weihnachten in Freiheit in Panama-Stadt. Am 3. Januar 1990 ergab er sich schließlich und wurde wenig später in einer Jacke der US-Antidrogenbehörde DEA nach Miami ausgeflogen. Dort verurteilte ihn ein Gericht wegen Drogenhandels und Geldwäsche zu 40 Jahren Haft. Nach gut zwei verbüßten Jahrzehnten lieferten ihn die USA im Juli 2010 an Frankreich aus.

Panama hat die Vergangenheit nicht aufgearbeitet

Dort saß er weitere eineinhalb Jahre wegen Geldwäsche ein, weil er in den Achtzigerjahren Drogengelder nach Frankreich geschleust und in teure Immobilien investiert hatte. Dafür sollte er eigentlich sieben Jahren büßen. Auf Bitten Panamas stimmte Frankreich jedoch der Überstellung Noriegas in seine Heimat zu, schließlich wollte Panamas Justiz auch noch zu ihrem Recht kommen. Im Dezember 2011 kehrte der einst starke Mann als 77-Jähriger und von Krankheit gezeichnet in seine Heimat zurück, wo er die letzte Strafe für die Ermordung von elf Oppositionellen während seiner Gewaltherrschaft verbüßte. Theoretisch drohten ihm noch einmal 60 Jahre Haft.

Eigentlich hätte er als über 70-Jähriger Anspruch darauf gehabt, seine Haftstrafe als Hausarrest zu verbüßen. Dagegen wehrten sich jedoch Menschenrechtsaktivisten in Panama. Die Figur Noriegas polarisiert noch immer, bisher hat das mittelamerikanische Land die dunklen Achtzigerjahre kaum aufgearbeitet.

Bis zu seinem Tod wies Noriega die Anschuldigungen stets zurück. In einem Auftritt im panamaischen Fernsehen 2015 bat er jedoch die Bevölkerung seiner Heimat um Verzeihung. Er bitte all diejenigen um Entschuldigung, die sich durch "meine Handlungen betroffen, verletzt und erniedrigt" fühlten, sagte Noriega und bezeichnete sich dabei als den "letzten General der Ära der Militärherrschaft".

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thorsten35037 30.05.2017
1.
Typisches Beispiel für die agressive US-amerikanische Außenpolitik (wie auch Pinochet und Reza Pahlevi). Groß von Freiheit schwätzen (die des Kapitals), aber das normale Volk im Stich lassen. Aber in unserer Lesart sind ja immer nur die Russen die Bösen.
egoneiermann 30.05.2017
2.
Zitat von thorsten35037Typisches Beispiel für die agressive US-amerikanische Außenpolitik (wie auch Pinochet und Reza Pahlevi). Groß von Freiheit schwätzen (die des Kapitals), aber das normale Volk im Stich lassen. Aber in unserer Lesart sind ja immer nur die Russen die Bösen.
Unsinn, selbst der Spiegel schreibt über die Verbrechen die damals vom CIA begangen wurden. Aber wir leben 2017 und wir müssen auf die heutigen Verbrechen schauen, und da ist Russland eben mit seinem Imperialismus (Krim etc) eben ganz weit vorne.
golocine 30.05.2017
3. Noriega und die USA
"Er schickte am 20. Dezember Invasionstruppen nach Panama, wo die USA ja noch den Kanal betrieben und verwalteten, und stürzte Noriega unter dem Vorwurf der Verteidigung der nationalen Interessen der Vereinigten Staaten." Ein kleiner Hinweis auf die ca. 4000 Tote bei dieser Aktion könnte einen Streifen Licht auf die wiederholten Methoden der USA Regierungen werfen, die zur Verbreitung der Demokratie verwenden.
msvanessacheng 30.05.2017
4.
Zitat von egoneiermannUnsinn, selbst der Spiegel schreibt über die Verbrechen die damals vom CIA begangen wurden. Aber wir leben 2017 und wir müssen auf die heutigen Verbrechen schauen, und da ist Russland eben mit seinem Imperialismus (Krim etc) eben ganz weit vorne.
Interessante Lesart der Geschichte! Auf jeden Fall sehr einseitige, denn die Krim wäre heute noch ukrainisch, wenn die liebe Frau Nuland keinen Umsturz finanziert und vollzogen hätte. Tja, in letzter Zeit klappt es nicht so "gut" wie in Panama ...
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