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Flüchtlinge: Frankreichs Forderung nach Aufnahmestopp womöglich Übersetzungsfehler

Premier Valls: Falsch verstanden? Zur Großansicht
AFP

Premier Valls: Falsch verstanden?

Es klang nach einer harten Forderung in der Flüchtlingspolitik: Europa solle keine Nahost-Flüchtlinge mehr aufnehmen - so hat es Frankreichs Premier Valls angeblich gesagt. Doch laut Medienberichten wurde das Zitat falsch übersetzt.

Es wäre eine schwerwiegende Forderung gewesen: Frankreichs Premier Manuel Valls soll einen EU-Aufnahmestopp für Flüchtlinge aus Nahost erwogen haben. So meldeten es am Mittwoch mehrere Medien - darunter auch SPIEGEL ONLINE. Die "Süddeutsche Zeitung" hatte Valls mit den Worten zitiert: "Wir können nicht noch mehr Flüchtlinge in Europa aufnehmen - das ist nicht möglich." Doch offenbar handelte es sich um einen Übersetzungsfehler.

Laut französischen und deutschen Medien soll Valls nämlich gegenüber Journalisten erklärt haben: "L'Europe doit dire qu'elle ne peut plus accueillir autant de migrants, ce n'est pas possible" - Europa müsse sagen, "dass es nicht mehr so viele Migranten aufnehmen kann, das ist nicht möglich". Ein deutlicher Unterschied in der Aussage.

Laut der Nachrichtenagentur AFP hat das Büro von Valls das Zitat in der "Süddeutschen Zeitung" mittlerweile entsprechend dementiert. Es habe sich zudem bei dem Treffen um ein Hintergrundgespräch gehandelt.

Die "SZ" hält aber trotzdem an ihrem Zitat fest und erklärt, Valls habe den Ausdruck "so viele" nicht verwendet. Das von der "SZ" notierte französische Valls-Zitat, das die Zeitung an AFP übermittelte, lässt sich in etwa so übersetzen, dass Europa nicht "mehr" oder "weitere" Flüchtlinge aufnehmen könne.

Am Mittwochabend wollen sich Kanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident François Hollande in Paris treffen. In Frankreich kritisieren fast alle Parteien, dass Berlin mit seiner Grenzöffnung noch mehr Flüchtlinge nach Europa gelockt habe.

kev

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