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TV-Debatte der Republikaner: Rubio düpiert seinen Mentor Bush

Von , Washington

AFP

Bruderkrieg unter Republikanern: Bei der dritten TV-Debatte will Jeb Bush seinen Zögling Marco Rubio bloßstellen - der pariert glänzend. Donald Trump überrascht mit einem Bekenntnis.

Wenn sich Republikaner gemeinsam in einem Saal befinden, wird es gerade häufig laut. Sie beleidigen sich, sie giften sich an, und am Ende marschieren sie mit hängenden Köpfen nach draußen, nur um ihre Fehde vor den Kameras fortzuführen. Gemessen daran, so viel lässt sich nach 120 Minuten Diskussion sagen, war die TV-Debatte an der Universität von Colorado in Boulder so etwas wie ein atmosphärischer Neuanfang.

Sicher, es gab die üblichen Sticheleien. Aber insgesamt ging es doch verhältnismäßig zivilisiert zu, selbst Donald Trump verzichtete einmal auf seine Lieblingsbeschäftigung, Parteifreunde zu erniedrigen. Ein bisschen Friede ist aus Sicht der Republikaner ja auch keine ganz schlechte Idee. Die Demokraten sammeln sich hinter Hillary Clinton, da ist es vielleicht hilfreich, selbst nicht den zerstrittensten Eindruck zu machen.

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TV-Debatte in Colorado: Bruderkrieg der Republikaner

Inhaltlich war wenig wirklich Neues dabei. Die Steuerpolitik war in der Zehnerrunde ein großes Thema, was bei den Republikanern nur bedingt unterhaltsam ist, da sie sich - wenn überhaupt - nur in den Prozenten unterschieden, um die sie die aktuellen Sätze senken wollen. Wenn es um Wirtschaft ging, konzentrierten sich die Kandidaten darauf, Hymnen auf ihre eigenen Errungenschaften zu singen. Und die Außenpolitik? Ja, die Außenpolitik. Die fand überhaupt nicht statt.

Rubios Punktsieg

Trotzdem war es eine interessante Debatte, und Marco Rubio hatte daran besonderen Anteil. Der 44-jährige Senator aus Florida hatte einen aus seiner Sicht glänzenden Abend. Kritische Fragen parierte er mit Leichtigkeit, sein konservatives Programm schmückte er mit Details über seinen kubanischen Familienhintergrund, und nebenbei beschwor er die Lieblingsfeindbilder der Parteibasis: Hillary Clinton und den vermeintlich parteiischen Journalismus im Land. "Die Demokraten haben den besten Super-Pac", rief er in Anspielung auf die umstrittenen Unterstützerplattformen: "Die Mainstream-Medien." Das Publikum in Colorado frohlockte.

Nur leider ging sein guter Auftritt ausgerechnet auf Kosten seines Förderers Jeb Bush. Bush, der seit Wochen in der Krise steckt, hatte sich viel vorgenommen für diese Debatte, er wollte mal einen kernigen Auftritt hinlegen. Also knöpfte er sich, wie seine Leute ihm das geraten hatten, gleich zu Anfang Rubio vor, der zuletzt zugunsten des Wahlkampfs einige Abstimmungen im Senat geschwänzt hatte. "Dein Amt ist auf sechs Jahre ausgelegt", fauchte Bush. "Du solltest zur Arbeit gehen. Oder dein Amt zurückgeben."

Es war ein sehr persönlicher Frontalangriff, der Versuch, Rubio vor nationalem Publikum bloßzustellen. Rubio blickte nur kurz erstaunt auf und konterte. Er habe gehört, dass Bush seinen Wahlkampf an John McCain orientieren wolle. Auch der habe während seiner Kampagne 2008 Abstimmungen im Senat verpasst. "Ich kann mich nicht daran erinnern, dass du dich jemals über McCain beschwert hast", sagte Rubio zu Bush. "Und der einzige Grund, warum du dich über mich beschwerst, ist, dass irgendjemand dich davon überzeugt hat, dass es dir hilft, wenn du mich angreifst." Es war wie beim Boxen. Bush erinnerte an einen Kämpfer, der zum entscheidenden Schlag ansetzt, dabei aber die eigene Deckung vergisst. Und am Ende selbst auf den Brettern landet.

Trumps Waffenbekenntnis

Der Moment wird noch eine Rolle spielen im Wahlkampf, so viel ist klar. Es war nicht nur deshalb eine so erstaunliche Szene, weil Rubio sie so spielerisch löste, sondern auch, weil es Rubio und Bush waren, die die Hauptrolle spielten.

Sie kennen sich seit 1998, als Bush Rubios Kandidatur zum Stadtrat von West-Miami förderte, sie teilen die gleichen konservativen Werte, wohnen in Floridas Süden zweieinhalb Meilen voneinander entfernt. Sie dürften eigentlich gar nicht gegeneinander antreten, aber Rubio hatte erkannt, dass Bush ein Auslaufmodell sein könnte und er mit seinen jungen Jahren für die Partei ein attraktiverer Kandidat mit gleichem Profil sein könnte. Mit der Ankündigung seiner Kandidatur im April ging Rubio den ersten Schritt der Emanzipation, jetzt hat er sie vollendet.

In den Umfragen liegt Rubio auf vernünftigem Niveau, aber immer noch weit hinter Donald Trump. Der Immobilienmogul verlebte einen recht ruhigen Abend in Boulder, hielt sich aus den Fachdebatten um Steuern, die Zentralbank oder die Gesundheitsversorgung eher raus und durfte stattdessen ein paar seiner Schlager präsentieren, den Mauerbau zu Mexiko zum Beispiel. Man könnte meinen, er entwickele sich thematisch nicht wirklich weiter, aber anscheinend muss er das auch nicht. Fragen wurden ihm praktisch nur zu seinen Lieblingsthemen gestellt, ein außerordentlich freundlicher Zug der Moderatoren.

Einen Moment hatte natürlich auch Trump, es ging um Waffen. Ob er sich denn eigentlich in seinen Unternehmen sicherer fühlen würde, wenn seine Mitarbeiter Waffen mit sich führten, fragte ihn der Moderator.

"Ja, vielleicht schon", antwortete Trump. Er habe übrigens auch eine Erlaubnis, eine Waffe zu tragen. "Und ich trage sie auch manchmal mit mir herum. Oder häufig. Ich mag es, unberechenbar zu sein."

VIDEO: Trump über seinen Waffenschein

REUTERS
Zum Autor
Veit Medick ist seit Februar 2009 Politikredakteur im Berliner Büro von SPIEGEL ONLINE und seit August 2015 Korrespondent in Washington.

E-Mail: Veit_Medick@spiegel.de

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 26 Beiträge
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    Seite 1    
1. Kampf der Familienclans
Velociped 29.10.2015
In einer Demokratie sollte es eigentlich nicht vorkommen, dass Brüder oder Ehefrauen von Expräsidenten eine nennenswerte Chance haben, da dies keine Rolle spielen sollte.
2. Waffen & Trump
Der Bornheimer 29.10.2015
Es ist doch immer wieder schön zu lesen wie stark die Waffenliebhaberei in Amerika geht. Sogar Möchtegernpräsidenten wollen als unberechenbar gelten durch das tragen eines Revolvers. Was bin ich froh das wir das Waffentragen nicht in der Form zur Normalität werden lassen.
3. ....
kloppskalli 29.10.2015
ich hoffe es wird Donald Trump. Dann ist ein fuer alle mal klar wie bescheuert die Reps sind. Leider haben die Demokraten auch nicht viel zu bieten aber sie sind immerhin das kleinere Uebel.
4. Thema der Debatte
The Geek 29.10.2015
Das Thema der heutigen Kandidaten-Debatte in Boulder war "Arbeitsmarkt, Wirtschaft, und Fiskal-Politik". Da muss ein gewissenhafter Spiegel-Reporter natuerlich anmerken, dass es keine Fragen und Antworten zum Thema Aussenpolitik gab.
5. Art
joppop 29.10.2015
Kasperle theater der schlimmsten art!
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