Nach Termin bei Trump Juncker-Sprecher lobt Sarah Huckabee Sanders - die Kritik ist groß

Der Chefsprecher der EU-Kommission posiert für ein Selfie mit Sarah Huckabee Sanders - und preist die umstrittene Sprecherin von US-Präsident Trump überschwänglich. In Brüssel ist die Irritation erheblich.

Sarah Huckabee Sanders
AP

Sarah Huckabee Sanders


Sarah Huckabee Sanders ist das öffentliche Gesicht der Regierung von US-Präsident Donald Trump. Ihre Kritiker sagen: Sie ist die professionelle Verbreiterin von Trumps Lügen. Mehr noch: Anders als ihr Vorgänger Sean Spicer gebe sie selbst die haarsträubendsten Unwahrheiten mit perfektem Pokerface von sich - und das nicht selten mit einer gewissen Herablassung.

Sanders' tägliches Pressebriefing im Weißen Haus, schrieb "New York Times"-Kolumnist Frank Bruni einmal, laufe in etwa so ab: "Unten ist oben, Lähmung ist Fortschritt, Feindschaft ist Harmonie, dumm ist schlau, Schurke ist Opfer, Schande ist Ehre, Plutokratie ist Populismus und Hillary Clinton steckt mit den Russen unter einer Decke."

Wie anders klang das, was Margaritis Schinas - Chefsprecher der EU-Kommission und damit so etwas wie Sanders' europäischer Gegenpart - jetzt auf Twitter schrieb. Sanders sei "die einzige Sprecherin der Welt, die versteht, was ein tägliches Pressebriefing wirklich bedeutet".

Außerdem dankte Schinas seiner Kollegin für "die Gastfreundschaft und die Zusammenarbeit". Das alles stand unter einem Selfie, auf dem Sanders und Schinas lächelnd die Köpfe zusammenstecken. Das Foto war nach dem Besuch von EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker bei US-Präsident Donald Trump entstanden.

"Haben Sie kein Schamgefühl?"

Das Echo auf Twitter folgte prompt. "Unverzeihlich", zürnte ein User. "Haben Sie kein Schamgefühl?", wollte ein anderer wissen. Auch ein Sprecher der Kommission musste sich dafür am Donnerstag heftige Kritik anhören. Schinas' Tweet sei "zum Kotzen", fand ein Journalist. Man dürfe in den Tweet nicht zu viel hineinlesen, beschwichtigte der Sprecher.

Schinas selbst betont auf Anfrage, dass er lediglich Sanders' organisatorische Arbeit loben wollte. Nur das Weiße Haus und die EU-Kommission hielten tägliche Pressebriefings ab, erklärte Schinas in einer E-Mail an den SPIEGEL. Und Sanders verstehe, was das in Sachen Vorbereitung, Organisation und Ausführung bedeute.

Als Trump und Juncker spontan entschieden hätten, entgegen der Planung doch noch eine Pressekonferenz abzuhalten, habe Sanders dafür gesorgt, dass die europäische Presse schnell wieder ins Weiße Haus habe zurückkehren können.

CNN-Journalisten von Pressekonferenz ausgeschlossen

Allerdings gab es bei der Pressekonferenz einen bemerkenswerten Zwischenfall: Eine Journalistin des Nachrichtensenders CNN wurde ausgeschlossen. Sie hatte Trump kurz zuvor Fragen über das Tonband seines Ex-Anwalts Michael Cohen gestellt, auf dem es um Schweigegeld für das Ex-Playboy-Model Karen McDougal ging.

Sanders und Trumps Kommunikationsdirektor Bill Shine hätten die Journalistin wissen lassen, dass ihre Fragen "unangemessen" gewesen seien und man sie deshalb ausschließe, berichtete CNN. Selbst Trumps Haussender Fox News äußerte scharfe Kritik an der Entscheidung.

Von dieser Art der Pressearbeit jedenfalls distanziert sich Schinas: Sein Tweet "bedeutet keinesfalls, dass ich ihre Methoden oder ihre Arbeit im Einsatz gutheiße", schrieb er über Sanders.



insgesamt 8 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Heinrich52 26.07.2018
1. Verständlich
Erst einmal hätte ich auch diese Journalisten ausgeschlossen die bei der Pressekonferenz mit Junker Herrn Trump nach dem Tonband fragte. Das ist beschämend und umnverschämt, den Präsidenten so zu blamieren. So unverschämt, rücksichtslos und denunzierend die Anhänger der Demokraten sind haben sie seit 2016 bewiesen. Jetzt regt man sich auf weil man jemand aus Trumps Umfeld lobt. Man sollte im Weißen Haus öfters unliebsame Journalisten die kein anstand haben und den Präsidenten schlecht machen boykotieren
hegoat 27.07.2018
2.
War natürlich alles nur privat, mit dem Selfie ist selbstverständlich keine inhaltliche Bewertung verbunden, schon gar kein Gutheißen des Verhaltens des Selfie-Partners. Gündogan und Özil lassen grüßen!
Klaus.Freitag 27.07.2018
3. Peinlich und unprofessionell
Sie hat ihm wohl ein wenig den Kopf verdreht und etwas betört. Damit sollte ein Diplomat allerdings souverän umgehen können.
dereuropaeer 27.07.2018
4.
Hinterher zurückrudern,hat Trump schon abgefärbt? Unerträglich. Sanders ist schlechthin das Dorachrohr Trump‘s
seperatms 27.07.2018
5. unverzüglich...
....muss Twitter als "Regierungsorgan" ausgeschlossen werden. Es ist so etwas von dump, dass die journalistische Welt, und der Rest, akzeptiert was als Trump'sche tägliche Randbemerkungen schleichend hingenommen wurde. Diplomatie ist, hingenommen, zum Computerspiel geworden ! Es darf nur bleiben: Das Geschriebene ist das Verbindliche, und das muss unverzüglich nach Gesprächen vorliegen ! ( ...dies mag für die Diplomatie eine Einschränkung sein: Mit Trump geht es nicht anders. Nur schriftliches zählt, "Selfis" gehören nicht in die Politik ! ).
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.