Fall Daphne Caruana Galizia Russische Whistleblowerin stellt sich griechischen Behörden

Die Enthüllungsjournalistin Daphne Caruana Galizia recherchierte zu Korruption und krimineller Unterwanderung auf Malta - und wurde ermordet. Nun hat auch eine ihrer Informantinnen Angst um ihr Leben.

Griechischer Polizist
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Griechischer Polizist


Der Fall um die ermordete maltesische Journalistin Daphne Caruana Galizia ist noch immer nicht aufgeklärt. Im Oktober war sie von einer Autobombe getötet worden. Nun sind auch griechische Behörden in die Affäre involviert. Eine russische Bankangestellte, die bis August noch auf Malta gelebt hatte, stellte sich dort der Polizei. Sie soll Galizia wichtige Informationen weitergegeben haben.

Maria Efimova, die Whistleblowerin, kannte demnach Details zu einem Bankkonto der Frau des maltesischen Premierministers, Michelle Muscat. Aus den Unterlagen von Efimova ging offenbar hervor, dass Muscat geheime Firmen besaß und darüber Finanzgeschäfte abwickelte. Der Premier und seine Frau weisen die Vorwürfe von sich.

Es wird spekuliert, dass Galizias Ermordung im Zusammenhang mit ihren Enthüllungen steht. Efimova sagte den griechischen Polizisten, auch sie habe Angst um ihr Leben.

Sowohl Malta als auch Zypern hatten aus unterschiedlichen Gründen Haftbefehle gegen sie erlassen. Eine Bank in Malta wirft ihr vor, Geld veruntreut zu haben. Efimova bestreitet das. Außerdem soll sie der Polizei gegenüber falsche Angaben gemacht haben. Vor ihrem Aufenthalt auf Malta hatte sie in Zypern gelebt. Auch dort gibt es Vorwürfe ihres ehemaligen Arbeitgebers.

Der Europapolitiker Stelios Kouloglou veröffentlichte laut dem britischen "Guardian" eine Stellungnahme zu dem Fall. Darin heißt es: "Eine Auslieferung nach Malta würde ihr Leben bedrohen. Die griechischen Behörden, welche die Vorwürfe jetzt untersuchen, sollten den Mord an Daphne Caruana Galizia bedenken. Ihr hatte Maria Efimova viele belastende Informationen zu Finanzskandalen weitergegeben."

Daphne Caruana Galizia (April 2011)
REUTERS

Daphne Caruana Galizia (April 2011)

Der Mord an der Journalistin hatte international für Schlagzeilen gesorgt. Die 53-Jährige hatte unter anderem von Korruption und krimineller Unterwanderung auf Malta berichtet. Zuletzt beschäftigte sich Galizia mit den sogenannten Panama Papers. Dabei war sie möglichen Verbindungen zwischen Mitarbeitern der maltesischen Regierung, ausländischen Banken und Firmen in Steuerparadiesen nachgegangen.

Zehn Verdächtige waren im Dezember vergangenen Jahres im Zusammenhang mit dem Verbrechen festgenommen worden. Drei Angeklagte kamen in Untersuchungshaft, die sieben weiteren Männer wurden wieder freigelassen.

vks



insgesamt 2 Beiträge
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conrath 22.03.2018
1. Endlich erfahren wir wieder etwas.
Wo bleibt die Nachricht über den Stand der Ermittlungen in Malta? Bitte weiter berichten und aufklären. Auch über die Ermittlungen zum Mord an Jan und seiner Verlobten. Das darf nicht vergessen werden. Und die Mörder müssen gefunden, die Zusammenhänge ohne Schonung und vollständig aufgeklärt werden und alle Beteiligten ohne Ansehen der Person vor Gericht gebracht werden. Es geht um den Nachweis, dass es noch so etwas wie Rechtsstaatlichkeit in Europa gibt.
freddygrant 22.03.2018
2. Es ist schon verwunderlich, ...
... daß niemand in der EU bzw. in GB sich mit diesem Mord und den Hintergünden dazu deutlich befasst und untersucht hat. Das Eisen scheint den zuständigen Behörden doch zu heiß zu sein - ein fataler Zustand für die Zukunft Europas!
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