Marineeinsatz Deutsches Schiff mit Atom-Ausrüstung für Libyen gestoppt

Libyens Staatschef Gaddafi hat bis zuletzt versucht, ein Atomwaffenprogramm aufzubauen: US-Dienste haben mit deutscher und italienischer Hilfe den deutschen Frachter "BBC China" aufgebracht, der Tausende von Bauteilen für die Urananreicherung nach Tripolis bringen sollte - kurz bevor Gaddafi offiziell auf den Besitz von Massenvernichtungswaffen verzichtete.


Libyens Staatschef Muammar al-Gaddafi: Hat der Atomwaffen-Entwicklung abgeschworen
REUTERS

Libyens Staatschef Muammar al-Gaddafi: Hat der Atomwaffen-Entwicklung abgeschworen

Washington - Adam Ereli, Sprecher des US-Außenministeriums, bestätigte mit diesen Angaben einen entsprechenden Bericht des "Wall Street Journal" vom Mittwoch. Das Material sei auf dem deutschen Frachter von einem Hafen in den Golf-Staaten aus nach Libyen unterwegs gewesen, als es im Oktober aufgebracht worden sei, hieß es in dem Blatt unter Berufung auf Regierungskreise.

"Auf der Basis von Geheimdienstinformationen wurde ein Schiff gestoppt, das Teile für Zentrifugen (zur Urananreicherung) transportierte", sagte Ereli. Weder er noch die Regierungskreise machten Angaben dazu, wer die Ausrüstung an Libyen verkauft hat.

Auf dem Schiff sollen sich Tausende von Zentrifugenteilen befunden haben. Amerikanische und britische Geheimdienste hätten im September erfahren, so das "Wall Street Journal", dass der Frachter mit dem Namen "BBC China" die brisante Ladung im persischen Golf an Bord genommen hätte und sie nach Libyen bringen sollte.

Daraufhin kontaktierten sie die deutschen Behörden, die wiederum den Schiffseigner verständigten. Die Reederei BBC Charter and Logistics mit Sitz in Leer befahl dem Kapitän, der gerade den Suez-Kanal passiert hatte, einen italienischen Hafen anzulaufen. Dort wurde das 121 Meter lange Schiff, das 2000 gebaut wurde und unter der Flagge von Antigua fährt, von einem US-Kriegsschiff beschattet und die Ladung durchsucht. Die Reederei sei sehr kooperativ gewesen, hieß es.

Das nordafrikanische Land hatte vor kurzem überraschend bekannt gegeben, sein Programm zur Entwicklung von Atomwaffen beenden und weitgehende internationale Kontrollen zulassen zu wollen. Angereichertes Uran kann zur Herstellung von Atomwaffen benutzt werden.

Der Regierungssprecher zog keine direkte Verbindung zwischen dem Stopp und der späteren Erklärung des Landes, bezeichnete das Aufhalten der Lieferung an Libyen als "bedeutende und wichtige Entwicklung" auf dem Weg zum Rückzug des Landes aus der Atomwaffenentwicklung. Zwischen Libyen und den USA sowie Großbritannien seien zuvor bereits monatelang Verhandlungen über das Atomprogramm des Landes geführt worden, sagte er. Die Zeitung hatte unter Berufung auf die Regierungskreise berichtet, Libyen habe seine Atomanlagen erst nach der Aufdeckung der Lieferung den USA und Großbritannien geöffnet.



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