Aus Parris Island berichtet Marc Pitzke
Bereit zum Krieg? Hat er keine Angst, in Afghanistan zu sterben? "Nein, Sir", lächelt er. "Ich bin bereit, meinem Land zu dienen."
Diese Floskel hört man überall, von Rekruten, von Offizieren, von Colonel Eric Mellinger, dem kompakt-gedrungenen Kommandeur von Parris Island, der selbst erst im Juli aus Afghanistan zurückgekehrt ist. "Wir nehmen Zivilisten und verwandeln sie in gefechtsfähige Marines", sagt er. "Eine wundersame Transformation."
Man kann es auch Gehirnwäsche nennen. Die beginnt schon in den ersten Minuten, da die Neuzugänge hier ankommen. "Ihr esst, schlaft, atmet als ein Team!", brüllt ein Offizier sie an. "Die Worte 'ich' und 'mein' gibt es nicht mehr!"
"Physisch und psychisch fit, Führungsqualität, keine Vorstrafen", so beschreibt Staff Sergeant Earl Blue die rudimentären Qualifikationen eines Marines. Blue, ein leibhaftiger "Ledernacken", ist Musterungsoffizier - er tingelt durch die High Schools in der Provinz, um die Schüler in den Krieg zu locken. Sind sie unter 18, müssen die Eltern ihre Erlaubnis geben, aber Blue fragt sie auch so: "Selbst Marines brauchen positives Familien-Feedback."
Das brauchen sie vor allem, wenn sie von der Front heimkehren. Über die Gräuel des Krieges sprechen sie in Parris Island nur ungern, zumindest mit Außenstehenden. "Dies ist eine Freiwilligenarmee, damit will ich es mal belassen", wiegelt Lieutenant Colonel Chapin die Frage ab, ob Rekruten auf die psychischen Folgen ihrer Einsätze vorbereitet werden.
Kenntnisse in "Selbstmord-Früherkennung"
Offiziere müssen allerdings, per Korps-Order, neben Erster Hilfe unter anderem auch über Kenntnisse in "Stress-Management" und "Selbstmord-Früherkennung" verfügen. "Wir sind uns darüber bewusst, dass der Auftrag traumatische Folgen haben kann", sagt Kommandeur Mellinger. "Unsere Rekruten wissen, sie müssen sich dafür nicht schämen."
"Yes Sir, wir reden hier über Tod und sowas", sagt Rekrut Fisher. Gemischte Gefühle kenne er aber nicht, ergänzt sein Kamerad John Smith. Töten, getötet werden? "Das ist mein Job", sagt der 18-Jährige aus Atlantic City, der sich an 9/11 entschloss, "für mein Land zu kämpfen". Da war er in der sechsten Klasse.
Die Abschlusszeremonie für die 528 Rekruten, die ihre zwölf Wochen hinter sich gebracht haben, findet auf dem windigen Paradeplatz statt. Es gibt Reden, ein Gebet des Kaplans ("Gott, wir danken dir für die Kraft und Disziplin, ein Marine zu werden"), das Camp-Maskottchen wird vorgeführt, eine Bulldogge namens Hummer in eigener Corporal-Uniform.
Anschließend fallen die neuen Marines ihren angereisten Familienangehörigen in die Arme. Einige verkneifen sich nur mühsam die Tränen. Zehn Tage haben sie nun frei, dann müssen sie sich bei ihren Stammkompanien melden. Von dort geht es später an die Front.
"Ich freue mich", sagt David White und streicht sich die Paradeuniform glatt. "Jetzt sehe ich die Welt." Sein Vater, der sich die Augen wischt, sieht es etwas anders. "Ich habe schon Angst, er ist doch mein Ältester", gibt er leise zu. "Er dient seinem Land. Irgendwer muss es ja tun."
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