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Häftling Younous Chekkouri: Freigelassen in Guantanamo, inhaftiert in Marokko

Younous Chekkouri saß 13 Jahre ohne Anklage in Guantanamo. Berlin verhandelte zwischenzeitlich über seine Aufnahme. Nun hat der Marokkaner Guantanamo verlassen - sitzt aber schon wieder hinter Gitter.

Häftlinge in Guantanamo (2003): Jahrelang ohne Anklage hinter Gittern Zur Großansicht
AFP/ US NAVY

Häftlinge in Guantanamo (2003): Jahrelang ohne Anklage hinter Gittern

Ein nach mehr als 13 Jahren aus dem US-Gefangenenlager Guantanamo freigelassener Marokkaner ist in seiner Heimat erneut festgenommen worden. Wie die marokkanische Staatsanwaltschaft am Sonntag mitteilte, wurde Younous Chekkouri direkt nach seiner Überstellung von Guantanamo am Mittwoch in Gewahrsam genommen. Gegen ihn werde wegen Terrorismusverdachts ermittelt.

Aus dem US-Verteidigungsministerium hatte es am Donnerstag geheißen, Chekkouri sei am Mittwoch nach Marokko überstellt worden. Demnach stimmten sich die US-Behörden mit der marokkanischen Regierung über die Rückführung ab. Dabei seien sowohl Sicherheitsaspekte berücksichtigt als auch eine "humane Behandlung" des 47-jährigen Gefangenen nach der Rückkehr in sein Heimatland vereinbart worden.

Berlin verhandelte über Aufnahme

Im Frühjahr 2014 hatte die Bundesregierung noch mit Washington über die Übersiedlung des Marokkaners nach Deutschland verhandelt. Die Landesregierung von Baden-Württemberg soll damals bereits grundsätzlich Bereitschaft signalisiert haben, ihn aufzunehmen, da Angehörige Chekkouris in dem Bundesland leben und deutsche Staatsbürger sind.

Chekkouri wurde 2001 in Pakistan festgenommen und dann über Afghanistan nach Guantanamo gebracht. Seit Jahren hatte ihn das US-Militär als ungefährlich eingestuft, eine Ausreise nach Marokko hatte der Häftling jedoch abgelehnt, weil er in seinem Heimatland Gefangenschaft und Folter fürchtete. Im Gefängnis, im afghanischen Kandahar, lernte Chekkouri 2002 Murat Kurnaz kennen. Auch dieser war später nach Guantanamo überstellt und erst 2006 wieder freigelassen worden.

"Netter, fröhlicher Mensch"

Gegenüber dem SPIEGEL beschrieb Kurnaz Chekkouri als "netten, fröhlichen Menschen, der überleben und wieder nach Hause wollte". Er habe ihn durch seine Deutschkenntnisse verblüfft - und sogar die Bremer Stadtmusikanten gekannt.

In Guantanamo auf Kuba sitzen derzeit noch über hundert Gefangene ein. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in den USA hatte der damalige US-Präsident George W. Bush das Lager für Terrorverdächtige und Gefangene aus dem Afghanistan-Krieg einrichten lassen.

Obamas unerfülltes Versprechen

Menschenrechtsgruppen kritisieren, dass die Insassen über Jahre ohne rechtsstaatliche Verfahren festgehalten werden und oft noch in Guantanamo bleiben, nachdem sie als ungefährlich eingestuft wurden. US-Präsident Barack Obama hatte bei seinem Amtsantritt Anfang 2009 die Schließung des Lagers versprochen, scheiterte damit aber bisher.

Nach Ansicht von Pentagon-Chef Ashton Carter soll etwa die Hälfte der Guantanamo-Häftlinge für immer hinter Gittern bleiben. Die US-Behörden erwägen derzeit die Verlegung von Guantanamo-Insassen in die USA, etwa in das Militärgefängnis Fort Leavenworth im Bundesstaat Kansas. Obama hat noch bis Anfang 2017 Zeit, sein Versprechen zu erfüllen. Dann endet seine Präsidentschaft nach zwei Amtszeiten.

hda/AFP

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Forum - Bushs Erbe - wie soll Obama damit umgehen?
insgesamt 1397 Beiträge
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1.
geomik, 13.07.2009
Zitat von sysopVerborgene CIA-Programme, Folterpraktiken, Guantanamo - US-Präsident Obama hat schwer mit dem politischen Erbe seines Vorgängers Bush zu kämpfen. Wie soll er damit umgehen?
Wie es sich für einen ordentlichen demokratischen Rechtsstaat gehört, gehören alle Betroffenen vor ein ordentliches Gericht, egal ob Präsident oder Vize! Nur wird das nie geschehen.
2. Offenheit, oder was macht man mit seinem Vorgänger?
Hubert Rudnick, 13.07.2009
Zitat von sysopVerborgene CIA-Programme, Folterpraktiken, Guantanamo - US-Präsident Obama hat schwer mit dem politischen Erbe seines Vorgängers Bush zu kämpfen. Wie soll er damit umgehen?
--------------------------------------------------------- Wenn der Präsident Obama ein offerener und aufrichtiger Mann sein will, dann müßte er auch die Politik seines Vorgängers und all die widerlichen Dinge mal anpacken die die USA in einem so schlechtem Licht in der Welt gerückt haben. Aber kann er das wirklich, oder ist er nicht auch an vielen Beschlüssen gebunden, die immer die Politiker schützt? Da aber der Präsident auch die gegeneriche Partei für die Durchsetzung seiner Ziele benötigt, so glaube ich nicht, dass er alles aufdecken und die entsprechenden Leute zur Verantwortung ziehen könne. Und vielleicht denkt er ja auch dabei an all die Dinge die er vielleicht mal durchsetzen möchte und die auch nicht immer so ganz moralisch sauber sein könnten. Für die Bürger dser USA und der geamten Welt wäre es schon mal richtig, wenn sich auch Präsidenten und ihre Handlanger für ihre verfehlte Politik und Schandtaten zu verantworten hätten. Hubert Rudnick
3. Aufklärung täte Not, um Legendenbildung und Verschwörungstheorien entgegen zu wirken
dionysia 13.07.2009
Zitat von sysopVerborgene CIA-Programme, Folterpraktiken, Guantanamo - US-Präsident Obama hat schwer mit dem politischen Erbe seines Vorgängers Bush zu kämpfen. Wie soll er damit umgehen?
Es wäre vielleicht wirklich mal ganz vernünftig, eine unabhängige Kommission des Kongresses, Licht in all diese vermeintlichen Dinge bringen zu lassen. Die jüngsten Vorwürfe einschlägiger US-Zeitungen bzgl. eines geheimen Geheimauftrags des CIA scheinen ja eher einem Verschwörungstheorie-Hollywood-Schinken eines Oliver Stone entnommen als irgendwie fundiert. Ich denke aber nicht, dass Obama wirklich an Aufklärung interessiert ist, weil das sein selbstentworfenes Bild von sich als Retter von der pitter pösen Bush-Administration zerstören könnte, wenn sich alle diese Vorwürfe am Ende als völlig haltlos heraus stellen.
4. Menschenrechtsverachtung in höchstem Maße!
Der Forkenhändler 13.07.2009
Cheney und Busch gehören vor ein Militärtribunal.
5. ein Zeichen setzen
RogerT 13.07.2009
Er könnte ein Zeichen setzen und bei beweisbaren Vorwürfen, wo Bush gegen geltendes (Menschen)Recht verstoßen hat, den ehemaligen Präsidenten offiziell anklagen - falls so etwas überhaupt möglich ist.
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