Marseille Jüdischer Lehrer soll sich Islamisten-Angriff ausgedacht haben

Wenige Tage nach den Pariser Anschlägen berichtete ein jüdischer Lehrer in Marseille von einem islamistischen Angriff auf ihn. Doch das war offenbar erfunden - der Mann kommt deshalb jetzt vor Gericht.


Ein jüdischer Lehrer aus Marseille muss nach einer angeblichen Messerattacke wegen "Falschanzeige einer ausgedachten Straftat" vor Gericht. Der Mann hatte kurz nach den Pariser Anschlägen vom 13. November behauptet, er sei von drei Männern attackiert und verletzt worden, die sich als Unterstützer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ausgegeben hätten. Die Ermittler fanden aber keine Belege für diese Angaben.

Es sei wahrscheinlicher, dass der Mann sich seine Verletzungen selbst zugefügt habe, erklärte Staatsanwalt Brice Robin am Donnerstag der französischen Agentur AFP. Der Mann bleibt nach Angaben seiner Anwältin jedoch bei seiner Version. Der Prozess wurde für den 13. April angesetzt.

Der Fall hatte wenige Tage nach den Anschlägen in Paris und Saint-Denis viel Aufmerksamkeit bekommen, auch Staatschef François Hollande verurteilte damals den angeblichen Angriff. Der Vorgang erinnert an den eines Lehrers in der Pariser Vorstadt Aubervilliers. Er hatte im Dezember einen islamistischen Angriff auf ihn im Klassenzimmer vor Unterrichtsbeginn nur erfunden.

Keine Zweifel haben die Behörden dagegen an der Attacke auf einen anderen jüdischen Lehrer, ebenfalls in Marseille im Januar. Die Polizei hatte danach einen Jugendlichen festgenommen, der sich auf den IS berief.

als/dpa/AFP



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