Festnahme von Dogan Akhanli "Ungeheuerlicher Vorgang"

SPD-Kanzlerkandidat Schulz zeigt sich schockiert angesichts der Festnahme des deutschen Schriftstellers Akhanli. Grünen-Chef Özdemir fordert von der EU, ihre polizeiliche Zusammenarbeit mit der Türkei auf den Prüfstand zu stellen.

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz
DPA

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz


Die deutsch-türkischen Beziehungen sind seit Monaten angespannt, unter anderem wegen der Verhaftung des deutsch-türkischen Journalisten Deniz Yücel und des deutschen Menschenrechtsaktivisten Peter Steudtner. Nun kommt ein neuer Fall hinzu: Der deutsche Schriftsteller Dogan Akhanli wurde in Spanien aufgrund eines internationalen türkischen Haftbefehls festgenommen.

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz sprach in der "Bild am Sonntag" ("BamS") von einem "ungeheuerlichen Vorgang". "Das Verhalten von Präsident Erdogan trägt inzwischen paranoide Züge", sagte er der Zeitung. "Es muss mit aller Vehemenz darauf gedrungen werden, dass Herr Akhanli nicht in die Türkei ausgeliefert wird und stattdessen schnellstmöglich freigelassen wird."

Aus dem Auswärtigen Amt hieß es, man werde in dem Fall auf die spanischen Behörden zugehen. Der türkischstämmige Deutsche, der alleinig die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, war am Samstagmorgen auf Betreiben der Türkei im Urlaub in Granada festgenommen worden. Was ihm vorgeworfen wird, war zunächst unklar.

Schriftsteller Dogan Akhanli
imago/ Horst Galuschka

Schriftsteller Dogan Akhanli

Es sei schon ein Skandal, wenn Erdogan in der Türkei unschuldige Menschenrechtsaktivisten und Journalisten verhaften lasse, sagte Schulz der "BamS" weiter. "Wenn er dies nun auch außerhalb des Territoriums der Türkei versucht, müssen wir uns als Europäer dem entschlossen entgegenstellen und sagen: So nicht!"

Grünen-Chef Cem Özdemir fordert von der EU, ihre polizeiliche Zusammenarbeit mit der Türkei auf den Prüfstand zu stellen. "Es gilt jetzt, jeden Hinweis, der vom Erdogan-Regime kommt, genauestens zu prüfen, denn offensichtlich arbeitet die türkische Justiz nicht nach rechtsstaatlichen Prinzipien", sagte Özdemir dem "Tagesspiegel".

Vor rund zehn Tagen war spanischen Medienberichten zufolge bereits der schwedische Schriftsteller Hamza Yalcin wegen eines türkischen Haftbefehls in Barcelona festgenommen worden. Nach einem Bericht von "El Periódico" wird ihm Beleidigung Erdogans vorgeworfen. Zudem soll er Mitglied einer linksradikalen, terroristischen Vereinigung sein. Über seine Auslieferung muss die spanische Justiz erst noch entscheiden.

"Die jetzige Festnahme zeigt den Versuch Erdogans, seine Macht über die Grenzen seines Landes hinaus auszudehnen und weltweit gegen unliebsame und kritische Stimmen vorzugehen", teilte der deutsche Anwalt von Akhanli, Ilias Uyar, auf seiner Facebook-Seite mit. Er forderte die sofortige Freilassung seines Mandanten. Akhanli sei Mitglied in der internationalen Schriftstellervereinigung PEN. In seinen Werken setze er sich unter anderem für das Gedenken und die Aufarbeitung des Völkermords an den Armeniern ein.

vks/dpa/Reuters

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musorki 19.08.2017
1. recht hat er der martin schulz!
wenn erdogan instrumente wie den int. haftbefehl für seinen terror gegenüber freiheitsliebenden menschen mißbraucht, ist dies schon anlaß genug sich zu empören. wenn aber ein deutscher staatsbürger in einem land der EU daraufhin in haft genommen wird, dann erwarte ich von der bundesregierung ein sofortiges und unnachgiebiges handeln. frau merkel sollte ihr fedidingsbumsgugl geschwafel ernst nehmen und handeln.
KingTut 19.08.2017
2. Politprofis
Gegen diese skandalösen Vorgänge, nach denen jetzt sogar Deutsche im Ausland von Erdogan verfolgt werden, müssen wir uns entschieden zur Wehr setzen. Hatte nicht Herr Gabriel noch vor wenigen Tagen geäußert, die härter Gangart der Bundesregierung zeige bei der Türkei Wirkung? Erneut war dies eine eklatante Fehleinschätzung. Die Kritik von Herrn Schulz ist deutlich und richtig, wobei man sich immer fragen muss, ob das jetzt wegen dem Wahlkampf geschieht oder ehrlich gemeint ist. Denn auch Herr Schulz hat als EU-Kommissionspräsident immer nur kleinlaut auf die türkischen Provokationen und Beschimpfungen gegen Europa (Europa sei am Verfaulen sagte Erdigan z.B. wörtlich vor seinen Anhängern). Das alles hat man sich bieten lassen ohne nennenswerte Konsequenzen zu ziehen. Das rächt sich jetzt, meine Damen und Herren Politprofis.
fazil57guenes 19.08.2017
3.
Wenn man nach den Kriterien dieser Türkischen Regierung geht, dann sind mehr als 60% der Türken inzwischen "Terroristen". Die gesamte "EU" ist angehalten dem treiben dieser Regierung endlich ein Ende zu setzen. Jeder Türke türkischer Herkunft, sollte inzwischen Merken, wie verkehrt die Politik dieser Regierung ist. Ferner sollte ein jeder überlegen, ob er nicht besser den deutschen Pass wieder zurück gibt, wenn er der Aufforderung dieses Mannes nachkommt; schließlich haben Die einen Eid auf unsere Verfassung und die freiheitlich, rechtliche Grundordnung geleistet. Meineid ist strafbar und zieht weitere Dinge nach sich, bis hin zur Ausbürgerung
bigroyaleddi 19.08.2017
4. Jawoll, jetzt muss richtig gekeilt werden!
Das furchtbare Lavieren aus der Vergangenheit ist damit - hoffentlich - beendet.Der Sultan und seine Stiefellecker verstehen nur eine massive, von Wirtschaftssaktionen und anderen Pieksereien versehene Sprache. Botschfter einbestellen ist sicher ganz lustig, aber noch besser wäre eine massive Reisewarnung. Aber vielleicht kann der Siggi ihn ja auch gleich aus Spanien mitbringen.
fottesfott 19.08.2017
5. Mi mi mi mi
Eventuell sollte ihm mal jemand sagen, dass die SPD Teil der aktuellen Bundesregierung ist, und ihm die Mobiltelefonnummern der SPD-Minister im Kabinett geben. Dieses weinerliche Rumgejammer samt Skandalisierung bei jeder neuerlichen (erwartbaren) Grenzüberschreitung von Erdogan, Trump, Orbán, Kasczinski... nervt langsam und macht ihn jedenfalls nicht "satisfaktionsfähiger" als Bundeskanzler.
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