London - Oliver August, Korrespondent der Londoner "Times", schrieb in einem Beitrag für die renommierte Zeitung, dass ein CIA-Mann einen nicht-afghanischen Taliban-Kämpfer aggressiv befragt habe. Unter anderem habe er wissen wollen, warum der Mann überhaupt nach Afghanistan gekommen sei. Der Angesprochene habe geantwortet: "Wir sind hier, um euch zu töten."
Der Gefangene sei in Richtung des CIA-Mannes gesprungen, "der ihn und drei andere mit seiner Pistole erschoss, bevor er zu Boden gerissen wurde", so August in seinem Bericht. Dann zitiert er einen Augenzeugen mit den Worten: "Die Taliban schlugen, traten und bissen ihn zu Tode." Ein weiterer CIA-Agent habe ebenfalls mindestens einen Mann erschossen und sei dann ins Hauptgebäude der Festung geflohen, um Hilfe zu holen.
August berichtet, die CIA-Leute seien mit den Vornamen Michael und David angeredet worden. Michael könnte Johnny Mike Spann sein, dessen Tod bei der Gefangenenrevolte sein Arbeitgeber, die CIA, inzwischen bestätigt hat und der in den USA als erstes Opfer des Afghanistan-Feldzugs betrauert wird.
In einem Interview mit dem indischen BBC-Fernsehen soll Oliver August denn auch Spann als Auslöser der Revolte benannt haben, berichtet die "Times of India". Und August steht nicht allein da mit seinem Bericht. Der britische "Guardian" bezieht sich ebenfalls auf "eine Version, nach der die Kämpfe begannen, als zwei CIA-Männer eine Gruppe von möglichen al-Qaida-Mitgliedern befragten." Allerdings besage "eine andere" Version, dass die Gefangenen den Aufstand geplant hätten.
Die Londoner "Times" stellt die CIA-Schuld als Tatsache dar. Ihr Korrespondent August kommentiert: "Ob es Inkompetenz, übersteigertes Selbstvertrauen oder Pflichtgefühl war, das zwei CIA-Männer dazu brachte, Dutzende Taliban auf eigene Faust zu befragen, wird ein Rätsel bleiben."
Der Aufstand der Gefangenen in der Festung dauerte vier Tage. Am Ende waren nach BBC-Informationen 600 Menschen tot. Es halten sich Spekulationen, nach denen es ein Massaker gegeben haben soll, was die Nordallianz bestreitet.
Amnesty International (AI) hatte als erste Organisation eine Untersuchung der Vorfälle gefordert, die das US-Pentagon inzwischen zugesichert hat. Zuvor hatten sich die Vereinten Nationen der Forderung angeschlossen. Auch amerikanische und englische Soldaten werden beschuldigt, die Genfer Konvention missachtet zu haben. AI hat erklärt, man sei bereit, für die Untersuchung einen eigenen Beobachter nach Afghanistan zu entsenden.
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