Massaker bei Homs Assads Soldaten sollen über 60 Zivilisten getötet haben

Menschenrechtler sprechen von einem Massaker. Nahe der syrischen Widerstandshochburg Homs wurden demnach 68 Zivilisten getötet. Bei den Opfern handelt es sich möglicherweise um Flüchtlinge aus der Stadt, die seit Wochen von den Schergen des Diktators Assad unter Feuer genommen wird.

Zerstörte Gebäude in Homs: Seit Wochen täglich Gewalt gegen die Opposition
REUTERS

Zerstörte Gebäude in Homs: Seit Wochen täglich Gewalt gegen die Opposition


Beirut - Die Leichen der Opfer wurden in ein Krankenhaus von Homs gebracht, sie wiesen Schusswunden und Verletzungen von Stichwaffen auf. Nach Angaben des Syrischen Observatoriums für Menschenrechte kamen am Montag 68 Zivilisten auf einem Feld nahe der Rebellenhochburg ums Leben. Die in London ansässige Organisation sprach von einem "Massaker".

Bewaffnete Männer hätten die Menschen zwischen den Orten Ram al-Ans und al-Ghadscharije getötet, teilten die Menschenrechtler mit. Möglicherweise handele es sich bei den Opfern um Vertriebene aus der seit Wochen unter Beschuss der Armee stehenden Stadt Homs, die von Milizen der Regierung getötet worden seien, erklärte der Chef der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman. Dies sei aber noch nicht bestätigt. Er forderte die Einrichtung einer unabhängigen Untersuchungskommission.

Insgesamt wurden allein am Montag 135 Menschen in Syrien nach Angaben von Aktivisten getötet. Die Gesamtzahl der Opfer seit Beginn der Aufstände gegen das Regime von Diktator Baschar al-Assad vor elf Monaten liegt nach Angeben des Syrischen Observatoriums für Menschenrechte inzwischen bei über 8000. Mehr als 5800 der Getöteten seien Zivilpersonen gewesen, bei den übrigen Opfern habe es sich um Mitglieder der Sicherheitskräfte oder um Deserteure gehandelt, teilte die Gruppe am Montag mit.

Ungeachtet der Gewalt veröffentlichte das syrische Staatsfernsehen am Montag das Ergebnis der Volksabstimmung über die neue Verfassung. 89 Prozent sprachen sich demnach für eine Reform aus. Die Opposition und westliche Politiker bezeichneten die Abstimmung am Wochenende als Farce, weil sie Assad zu noch mehr Macht verhilft.

Russland sieht in dem Ergebnis allerdings einen Beweis für den Rückhalt ihres Verbündeten Assad in der Bevölkerung. "Es ist offensichtlich, dass der Einfluss der Oppositionsgruppen, die zu einem Boykott aufgerufen hatten, gering ist und ihnen kein exklusives Recht gibt, im Namen des syrischen Volkes zu handeln", teilte das Außenministerium in Moskau am Montag mit. In einigen Gegenden hätten bewaffnete Gruppen die "freie Willensäußerung des Volkes" verhindert. Die Abstimmung sei ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Demokratisierung Syriens sowie bei der Ausweitung der Rechte und Freiheiten der Bürger, hieß es.

Syrien warf dem Westen vor, er versuche das Land aus geopolitischen Erwägungen heraus zu destabilisieren und warnt vor einer Bewaffnung der Oppositionskräfte. Das sei ein Fehler, der nach hinten losgehen werde, sagte der Sprecher des Außenministeriums Dschihad Makdissi am Montag in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP in Damaskus. Der einzige Weg aus der aktuellen Krise heraus sei, dass sich alle Parteien an einen Verhandlungstisch setzen und einen Dialog aufnehmen.

Die Europäische Union setzt in dem Konflikt auf ein Anziehen der Sanktionsschraube: Die Außenminister froren am Montag alle europäischen Konten der syrischen Zentralbank ein und verhängten ein Embargo gegen Diamanten, Gold und andere Edelmetalle. Sämtliche syrische Frachtflüge nach und aus Europa wurden untersagt und sieben weitere Minister von Staatschef Assad mit Kontensperrungen und Reiseverboten bestraft.

In einer scharfen Erklärung machten die EU-Chefdiplomaten klar, dass Assads Regime "für die Taten zur Verantwortung gezogen wird". Der Druck auf das Regime von Präsident Assad müsse aufrechterhalten werden, sagte die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton. "Wir müssen das Assad-Regime dazu bringen, mit der Ermordung der Bevölkerung aufzuhören." Um das zu erreichen, müsse die internationale Gemeinschaft zusammenstehen.

als/dapd/dpa

insgesamt 22 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
batmanmk 27.02.2012
1. Glück
Ja die Brutkästen und die mobilen Massenvernichtungswaffen. Jaja, wir glauben euch ja schon - keine Sorge. Gehrintot zu sein, bedeutet glücklich zu sein, oder?
Thomas-Melber-Stuttgart 27.02.2012
2. Ah, Schergen!
Seit wann werden Soldaten einer reguläre Armee eines souveränen Staates als Schergen" bezeichnet? Davon ab: sollte es dieses Massaker gegeben haben - könnte es nicht vielleicht auch von den sog. "Rebellen" verübt worden sein?
marcor642 27.02.2012
3. ..
Zitat von Thomas-Melber-StuttgartSeit wann werden Soldaten einer reguläre Armee eines souveränen Staates als Schergen" bezeichnet? Davon ab: sollte es dieses Massaker gegeben haben - könnte es nicht vielleicht auch von den sog. "Rebellen" verübt worden sein?
Hier werden nur die Soldaten Gadaffis als Schergen bezeicht, das sagt erstmal garnix aus über die Soldaten anderer Länder. Oder wollten sie sagen, das es niemals nicht Soldaten gab. Die Frage, wer das war, wird ja nun genau untersucht, aber die Vermutung liegt nahe, die spannendere Frage ist mMn aber, wieso schliessen sie aus, das Gadaffis leute das gewesen sein koennen?
zukunft007 27.02.2012
4. ??
Zitat von marcor642Hier werden nur die Soldaten Gadaffis als Schergen bezeicht, das sagt erstmal garnix aus über die Soldaten anderer Länder. Oder wollten sie sagen, das es niemals nicht Soldaten gab. Die Frage, wer das war, wird ja nun genau untersucht, aber die Vermutung liegt nahe, die spannendere Frage ist mMn aber, wieso schliessen sie aus, das Gadaffis leute das gewesen sein koennen?
wie kommen Sie auf Gadaffi? Sind Sie noch im Libyenkonflikt und der neue Kriegsplatz steht noch nicht in Ihren Unterlagen? Stimmig ist allerdings,die Kriegslügen gleichen sich,wie ein Ei dem anderen.Da kann man die Namen durchaus austauschen.
metafa 27.02.2012
5.
Echt beeindruckend.. hier im Forum rumlungern und behaupten wollen, jaa alles eine große Lüge, Assad ist ein guter Mann, aber die bösen Islamisten sind in sein Land gekommen und der Westen wird durch die bösen Medien verleitet, das Gegenteil zu glauben... haha.. zum Schießen, na viel Glück bei Ihren Vorhaben...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.