Massaker in Algerien: Amateurvideo zeigt Rebellen auf dem Gasfeld

Das algerische Fernsehen hat Amateuraufnahmen veröffentlicht, die angeblich während der Geiselnahme in Ain Amenas entstanden sind. Sie sollen die Terroristen und eine getötete Geisel zeigen. Die Islamisten erneuerten inzwischen ihre Drohung, weitere Überfälle zu begehen.

REUTERS/ Kyodo

Hamburg - Die Bilder sind ein bisschen unscharf und leicht verwackelt. Offenbar aus einem Hauseingang aufgenommen, zeigen sie einen Mann von hinten, der auf einem Plastikstuhl im Wüstensand sitzt. Weitere Männer laufen in der Szenerie herum. Sie haben ihre Köpfe mit Tüchern verhüllt - zu erkennen ist niemand. Es sind Bilder, die das algerische Fernsehen veröffentlicht hat. Dem Sender zufolge handelt es sich um Amateuraufnahmen, die während der Geiselnahme in Ain Amenas entstanden sind. Offenbar zeigen sie das Gasfeld und die Terroristen. Das Video soll eine Geisel gedreht haben.

In einer weiteren Sequenz ist ein mit einem Gewehr bewaffneter Mann zu sehen, der offenbar Patrouille läuft. Eine andere Szene zeigt zwei Männer, die einen Gegenstand von einer Mauer oder ähnlichem nehmen und dann weggehen. Auf dem Boden liegt etwas, das man nicht genau erkennen kann. Dem algerischen Fernsehen zufolge soll es eine getötete Geisel sein. Ob die Aufnahmen tatsächlich während der Geiselnahme in Ain Amenas gemacht wurden, kann SPIEGEL ONLINE nicht überprüfen.

Ein islamistisches Kommando hatte am vergangenen Mittwoch die Gasförderanlage von Tiguentourine in der algerischen Wüste bei Ain Amenas gestürmt und Hunderte Geiseln genommen. Nach einem ersten erfolglosen Befreiungsversuch hatten algerische Spezialkräfte am Samstag schließlich das Geiseldrama beendet. Dabei wurden nach Angaben der Regierung in Algier 37 ausländische Geiseln getötet. Gut eine Woche zuvor hatte die französische Armee einen Einsatz im benachbarten Mali begonnen, wo Islamisten große Gebiete unter ihre Kontrolle gebracht hatten.

Der Islamistenführer Mokhtar Belmokhtar drohte inzwischen weitere Angriffe an - vor allem gegen Frankreich. Das Land "der Kreuzfahrer und der zionistischen Juden wird für seine Aggression gegen die Muslime im Norden Malis bezahlen; aber nicht allein, auch seine Knechte", zitiert die französische Wochenzeitschrift "Paris Match" den Sprecher der Gruppierung Katiba al-Mulathamin. Die Geiselnahme in Algerien nannte er dem Bericht zufolge "zu 90 Prozent einen Erfolg, weil wir mit nur 40 Mann einen strategischen Standort, der von 800 Soldaten bewacht wurde, treffen konnten". Dieser "Angriff von Ain Amenas war nur der Anfang", sagte der Sprecher laut "Paris Match".

Bei der Geiselnahme waren mindestens 37 ausländische Geiseln und ein einheimischer Arbeiter ums Leben gekommen. Fünf Ausländer werden noch vermisst. Außerdem starben 29 Geiselnehmer. Überlebende berichten grausame Details über die Stunden in der Gewalt der islamistischen Entführer. Manche Geiseln seien per Kopfschuss hingerichtet worden, andere seien als lebende Schutzschilder missbraucht worden.

ler/AFP

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1. Vorschlag
darthmax 22.01.2013
Als erstes den Sprecher der Gruppe verhaften und befragen, wer Ihm dieses mitteilte und wo dieser Herr/Dame wohnt. Dass ein Misserfolg in einen Erfolg propandagistisch umformuliert wird, na ja, was haben die Terroristen erreicht ? Fast alle tot und die, die gefangen wurde, täten vielleicht besser daran tot zu sein.
2. Präventivschläge erforderlich
bernhard 22.01.2013
Die UN sollte ein weltweites Abkommen veranlassen. Ziel: 1. Alle Regierungen bekämpfen den Terror, der von Personen ausgeübt werden kann. 2. Alle Regierungen stimmen zu, dass eine multinationale Eingreiftruppe auch in jedem Staat der Erde alle Rechte haben wird. 3. Die Regierungen, die nicht einem solchen Abkommen zustimmen, erhalten ein Zulieferungs- und Einfuhrverbot.
3. Professionell geht anders
robert.haube 22.01.2013
Wie ein den Geiselnehmern entkommener Engländer berichtet, hat die algerische Armee bei einem Ausbruchversuch der Geiselnehmer drei Fahrzeuge voller Geiseln von Hubschraubern aus beschossen und zerstört. Alle Geiseln in diesen Fahrzeugen seien tot. Professionell geht anders.
4. Rebellen?
ogniflow 22.01.2013
Ach, sind das jetzt wieder Rebellen? Dann müssen wir ja bald anfangen sie zu unterstützen. Klingt aber auch viel netter. Wahrscheinlich fühlte sich einer der "Rebellen" diskriminiert durch den Begriff "Terrorist", und beschwerte sich bei seiner Gleichstellungsbeauftragten ( bevor er sie enthauptete ).
5. medien
ahmed1996 22.01.2013
bernhard du kanns keine ziele haben solange du nicht weiss warum es terroristen gibt. denkst du durch diese zielen werden keine terroristen mehr geben warum gibt es immer in diesen gebieten terroristen?
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Fläche: 2.381.741 km²

Bevölkerung: 35,468 Mio.

Hauptstadt: Algier

Staatsoberhaupt:
Abdelaziz Bouteflika

Regierungschef: Abdelmalek Sellal

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