Srebrenica-Massaker Lebenslange Haft für Mladic-Stellvertreter

Er ist verantwortlich für den Tod von mehr als 8000 Menschen in Srebrenica: Das Uno-Kriegsverbrechertribunal hat den ehemaligen bosnisch-serbischen General Tolimir mit lebenslanger Haft bestraft. Ein Urteil, das bei den Serben für heftige Proteste sorgen könnte.

Ex-Tolimir: Srebrenica-Massaker geplant und überwacht
REUTERS

Ex-Tolimir: Srebrenica-Massaker geplant und überwacht


Den Haag - Das Uno-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag hat den bosnisch-serbischen Ex-General Zdravko Tolimir zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Er sei maßgeblich an der Planung und Umsetzung des Massakers von Srebrenica 1995 beteiligt gewesen. Mit seinem Urteil folgte das Tribunal dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die den heute 64-Jährigen wegen Völkermordes und Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt hatte.

Tolimir leitete während des Bosnienkrieges den Geheim- und Sicherheitsdienst der bosnisch-serbischen Armee. Außerdem war er einer der sieben Stellvertreter des ehemaligen Armeechefs Ratko Mladic, der sich ebenfalls in Den Haag vor Gericht verantworten muss. Tolimir sei Teil eines "gemeinsamen kriminellen Unternehmens" zur Ermordung tausender muslimischer Männer und Jungen sowie der Vertreibung von Frauen und Mädchen gewesen, um einen "mono-ethischen serbischen Staat" zu schaffen, urteilten die Richter. Er habe das Verbrechen als rechte Hand von Mladic geplant und überwacht.

Das Massaker von Srebrenica gilt als das schwerste Kriegsverbrechen in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg. Im Juli 1995 hatten bosnisch-serbische Milizen bei der Eroberung der Uno-Schutzzone tausende Muslime umgebracht. Im Mai 2007 war Tolimir in Bosnien gefasst worden. Zu Beginn des Verfahrens Anfang 2010 hatte er auf unschuldig plädiert. Der Ex-General rechtfertigte die Ereignisse als "Kampf gegen terroristische Gruppen". Er habe weder Befehle gegeben, noch sei er vor Ort gewesen.

Die Vereinigung der Mütter von Srebrenica zeigte sich mit dem Urteil gegen Tolimir zufrieden. "Ich habe mein Vertrauen in das Haager Tribunal wiedergewonnen", sagte Fahira Fejzic, die mit mehreren Mitgliedern der Organisation die Fernsehübertragung des Urteils in Sarajevo verfolgte.

In Serbien hingegen dürfte die Entscheidung des Tribunals für Ärger sorgen. Zuletzt war mit Radislav Krstic 2004 ein hochrangiger bosnisch-serbischer Offizier für seine Rolle beim Massaker von Srebrenica verurteilt worden. Er erhielt 35 Jahre Haft. Auch Mladic wurde wegen des Massakers in Den Haag angeklagt, hinzu kommen zehn weitere Anklagepunkte. Er war im vergangenen Jahr in Serbien festgenommen worden.

rit/dpa/AFP/Reuters



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