Angriff auf Tremseh Westerwelle gibt Assad-Regime Schuld an Tötungen

Mehr als 200 Menschen sollen im syrischen Tremseh ermordet worden sein, laut Uno galt der Angriff gezielt Oppositionellen und Überläufern. Deutschlands Außenminister weist Machthaber Assad die Schuld zu. Der führe Krieg gegen das eigene Volk, der Sicherheitsrat müsse ihm nun endlich Grenzen aufzeigen.


Damaskus - Der Angriff auf das syrische Tremseh galt nach Angaben von Uno-Beobachtern desertierten Soldaten und Regierungsgegnern. Dabei seien Artillerie und Mörser zum Einsatz gekommen, erklärte ein Sprecher, nachdem sich die Beobachter vor Ort ein Bild der Lage gemacht hatten.

Es seien zerstörte Häuser und eine abgebrannte Schule zu sehen gewesen. Die Zahl der Toten, von Oppositionellen zwischen 100 und 220 angeben, sei unklar. Die Beobachter wollen am Sonntag in den Ort zurückkehren.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) macht das Regime des Präsidenten Baschar al-Assad für das mutmaßliche Massaker in Tremseh verantwortlich. "Das Assad-Regime setzt schwere Waffen wie Hubschrauber, Geschütze und Panzer für grausame Gewalt, für einen regelrechten Krieg gegen das eigene Volk ein. Das ist unsere klare Erkenntnis aus den Berichten über die Geschehnisse von Tremseh", sagte er der "Bild am Sonntag".

Nun sei der Moment gekommen, an dem der Sicherheitsrat dem Assad-Regime endlich seine Grenzen aufzeigen müsse und Sanktionen verhängen solle, wenn Assad sich weiter weigere, seine schweren Waffen aus den Städten und Dörfern Syriens abzuziehen, sagte Westerwelle dem Blatt.

Die Regierung in Damaskus bestreitet die Darstellung der Opposition, ein Massaker in dem Dorf verübt zu haben. Bei dem Angriff habe es sich um einen Sondereinsatz bewaffneter Streitkräfte gehandelt, der sich gegen Mitglieder einer terroristischen Gruppe gerichtet habe, berichtete die staatliche Agentur Sana.

Blutgetränkte Kleidung, Überreste von Granaten

Die Uno-Beobachter berichteten, in Tremseh seien viele der Opfer hingerichtet und 17 Menschen auf der Flucht getötet worden, darunter Frauen und Kinder. Die Aufständischen seien mit Artillerie, Mörsern und leichten Waffen beschossen worden. Vor Ort fanden die Beobachter Blutlachen und Patronenhülsen. Bislang wurde festgestellt, dass es in einer Schule und in fünf Häusern gebrannt habe.

Auf Bildern und in Videos im Internet waren zuvor Uno-Fahrzeuge nahe Tremseh zu sehen, die von Menschen umringt wurden. Diese zeigten den Beobachtern blutgetränkte Kleidung und Überreste von Granaten.

Das mutmaßliche Massaker in Tremseh, bei dem nach Angaben von Aktivisten bis zu 200 Menschen getötet worden sein sollen, hat weltweit Entsetzen ausgelöst und die Diskussion über ein Eingreifen der internationalen Staatengemeinschaft angeheizt. Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon warnte, sollte die Staatengemeinschaft jetzt nicht handeln, käme dies einer "Lizenz für weitere Massaker" gleich.

Nach Angaben syrischer Aktivisten beschoss die Armee Tremseh erst mit Artillerie und schickte dann Truppen in den Ort. Die Soldaten hätten Kämpfer der Opposition erschossen und Zivilisten ermordet. Die meisten der 7000 Einwohner des nun zerstörten Dorfes hätten mit der Opposition sympathisiert. Wenn die Angaben der syrischen Regimegegner stimmen, ist das Massaker von Tremseh das schlimmste seit Beginn des Aufstands gegen das Regime von Machthaber Baschar al-Assad im März 2011.

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat Assads Regierung scharf angegriffen und das mutmaßliche Massaker in Tremseh mit versuchtem "Völkermord" gleichgesetzt. Derartige Gewalttaten seien "die Spuren eines Regimes, das vor dem Ende steht", sagte Erdogan am Samstag.

Neue Gefechte in Homs und Hama

Trotz der internationalen Proteste ging die Gewalt in Syrien auch am Wochenende unvermindert weiter. In der Rebellenhochburg Homs töteten Regierungstruppen am Samstag nach Angaben von Aktivisten mindestens 19 Menschen, darunter eine schwangere Frau. In der Unruheprovinz Daraa hätten Hunderte Soldaten, begleitet von Kampfhubschraubern und gepanzerten Fahrzeugen, die Rebellenhochburg Khirbet Ghasaleh angegriffen.

Auch aus Hama wurden Explosionen und Feuergefechte gemeldet. Mindestens zwölf Menschen starben, als eine Autobombe im Distrikt al-Karameh detonierte. Insgesamt wurden laut der Opposition am Samstag 56 Menschen getötet.

Neue Berichte über mutmaßliche Transporte von Chemiewaffen in Rebellenhochburgen alarmierten Beobachter. Der britische Sender Sky News meldete unter Berufung auf britische Geheimdienstmitarbeiter, syrische Streitkräfte hätten Chemiewaffen nach Homs transportiert, das zu weiten Teilen von Rebellen kontrolliert wird. Syrien besitze größere Mengen des Nervenkampfstoffs Sarin und Senfgas.

Nach Angaben einer hochrangigen Mitarbeiterin der Menschenrechtsorganisation Amnesty International ist die Regierung in erster Linie verantwortlich für die ausufernde Gewalt. Doch auch für Menschenrechtsverletzungen durch Rebellen lägen Beweise vor, sagte Donatella Rovera, die kürzlich für Amnesty mehrere Wochen in Syrien verbrachte. So hätten einzelne Aufständische Soldaten gefangengenommen, geschlagen und getötet. Im Vergleich zum gewaltsamen Vorgehen der Regierungstruppen verblassten die Verstöße allerdings, betonte Rovera.

Assads Soldaten hätten ganze Dörfer angegriffen, um den sich ausbreitenden Aufstand zu unterdrücken. Berichte deuteten daraufhin, dass Assad-treue Kämpfer in einigen Fällen Kliniken und Häuser in Brand gesetzt hätten, um Rebellen aufzustöbern. Zunehmend griffen sie auch unbewaffnete Zivilisten an, darunter Ärzte und Krankenschwestern, die verletzte Rebellen behandelten, die nicht in Krankenhäusern aufgenommen worden seien. So seien drei medizinische Assistenten kürzlich festgenommen worden. "Nach einer Woche wurden ihre Leichen mit eindeutigen Folterspuren gefunden. Ihre Nägel waren herausgerissen, ihr Zähne fehlten, ... und die Leichen waren angezündet worden. Damit sollte eine klare Botschaft gesendet werden, dass es keine gute Idee ist, bei solchen humanitären Aufgaben mitzumachen."

Die Annahme eines von mehreren westlichen Staaten im Weltsicherheitsrat eingebrachten Resolutionsentwurfs zu Syrien scheitert bislang am Widerstand Russlands. Moskau lehnt eine Resolution nach Kapitel VII der Uno-Charta strikt ab. Dieses sieht für den äußersten Fall auch eine militärische Durchsetzung vor.

pad/dapd/AFP/dpa



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insgesamt 36 Beiträge
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Seite 1
Spiegelleserin57 15.07.2012
1. was soll man von unserer Regierung halten?
es ist schon sehr interessant wenn man Verbrechen anprangert und auf der anderen Seite Waffen verkauft. Das widerspricht sich doch sehr und weckt mit Sicherheit nicht das Vertrauen unserer Bürger. Macht man sich da nicht unglaubwürdig?
winni1234 15.07.2012
2. Die gleiche Strategie wie in Tschetschenien
Die Massaker an der syrischen Bevölkerung, die das Assad Regime und seine Schergen zu verantworten haben, ähnelt auffällig der Vorgehensweise des russischen Militärs in Tschetschenien. In den beiden Tschetschenienkriegen wurden unter der Verantwortung von Boris Jelzin und Wladimir Putin völkermordartige Verbrechen an der tschetschenischen Bevölkerung verübt. Diese Verbrechen wurden von der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) ausführlich dokumentiert. Einfach mal mit (GfbV Tschetschenien) googeln. Auch für die Verbrechen in Syrien ist Putin mitverantwortlich, da Russland unter seiner Führung Waffen an Syrien liefert und darüber hinaus wirksame Maßnahmen gegen das Assad Regime im UN-Sicherheitsrat verhindert. Die Parallelen in beiden Konflikten lassen vermuten, dass auch in Syrien das Militär unter der Anleitung russischer Militärberater handelt.
eurowun 15.07.2012
3. Botschafter des Todes-Wahrheit wo ?
Zitat von sysopREUTERSMehr als 200 Menschen sollen im syrischen Tremseh ermordet worden sein, laut Uno galt der Angriff gezielt Oppositionellen und Überläufern. Deutschlands Außenminister weist Machthaber Assad die Schuld zu. Der führe Krieg gegen das eigene Volk, der Sicherheitsrat müsse ihm nun endlich Grenzen aufzeigen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,844443,00.html
Wer derzeit die Versuche bemerkt, dass Berlin die Waffenexporte erleichtern will, versteht weder Merkel noch Westerwelle. Beide werden bei diesem Vorhaben zu Botschaftern des Todes. Wer bereit sein wird, Panzer und andere Waffen in Krisengebiete zu geben, ist auch am Ende bereit, für die deutsche Industrie das Töten zu fördern. Hier muss dann Westerwelle nicht durch die Welt reisen und für die Menschenrechte und für Frieden werben, wenn gleichzeitig die Mittel zur Tötung von Menschen aus Deutschland kommen. Die Berliner Regierung führt seit dem Beschluß der Grünen zum Kriegseintritt in Afghanistan Krieg für Waffenschmieden und gegen die Menschen. Von Deutschen Boden sollte nie mehr Krieg ausgehen. Im Deutschen Interesse sollte niemand mehr ermordet werden. Schon Schröder hat dies nicht beherzigt und unter Merkel und Westerwelle ist das Töten leider noch weiter fortgeschritten. Es ist zeit, sich endlich bewusst zu machen, dass nur Kriege führen kann, wer die Waffen hat. Daher keine Waffen mehr, egal an wen. Nur so kann Berlin endlich beweisen, daß auch Berlin den Weltfrieden will und nicht einen Frieden nach den Wirtschaftsinteressen unseres Landes.
topodoro 15.07.2012
4. Und wieviele Menschen sind von "Oppositionellen" getötet worden ?
Zitat von sysopREUTERSMehr als 200 Menschen sollen im syrischen Tremseh ermordet worden sein, laut Uno galt der Angriff gezielt Oppositionellen und Überläufern. Deutschlands Außenminister weist Machthaber Assad die Schuld zu. Der führe Krieg gegen das eigene Volk, der Sicherheitsrat müsse ihm nun endlich Grenzen aufzeigen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,844443,00.html
Waren die "Oppositionellen" bewaffnet ? Haben die "Überläufer" auf Regierungssoldaten geschossen ? Wie gehen die "desertierten Soldaten" mit Menschen um, die ihre politische oder religiöse Meinung nicht teilen ? Waren alle Menschen, die in Trimseh getötet wurden, Syrer ? etc.etc,..... Es gibt ja auch andere Berichte: So soll sich unter den "zivilen Opfern" auch der "FSA Kommandant" Hussein Al Dabbas befinden. Und war es nicht die "FSA", die das Friedensangebot von Kofi Annan abgelehnt hatten und ihren Angriff verstärken wollten ? “Al Hakika-online” gibt dazu folgende Informationen: Die Opfer sind das Ergebnis eines militärischen Gefechtes zwischen Einheiten der regulären syrischen Armee und bewaffneten Rebellen. Demnach sollen ca. 200-300 Kämpfer der “FSA” (übersetzt aus dem vollständigen Bericht) vor zwei Tagen das Dorf Al Tirimsa nahe Hama eingenommen haben und einige Bewohner, die im Verdacht stünden, Assad-Anhänger zu sein, hingerichtet haben. In den frühen Morgenstunden soll dann die Offensive der syrischen Einheiten begonnen haben. Unterstützt wird diese Nachricht durch Filmaufnahmen, die in überwältigender Mehrheit getötete Männer zeigen, die Bärte tragen und eher kurzgeschorene Haare hätten. Weiterhin werden diese Aussagen dadurch untermauert, dass unter den “zivilen Opfern” der lokale Kommandeur einer “FSA-Einheit”, Hussein Al Dabbas, zu finden ist." Es stellt sich also die Frage, warum die "FSA" nicht auf den Annan Friedens Plan eingehen wollte. Denn das ist ja die einzige Möglichkeit zivile Opfer, und ich meine hier wirklich zivile Opfer, zu vermeiden. Denn zu einem Frieden gehören zwei friedliche Partner. Wann also stimmt die "FSA" dem AnnanPlan zu ?
yabbadabbadooo 15.07.2012
5. Ist es ein SPONniger Zufall?
Oder warum steht der Westerwelle-Artikel gerade direkt unter der Kampfpanzer-Export-Meldung? Ich danke für die hilfreiche Platzierung zur Erkennung von Widersprüchen! Am Sonntagmorgen denkt es sich noch nicht so wirklich gut! Da Waffen einer der wichtigsten weltweiten Wirtschaftszweige sind, regt mich dieser Irrsinn nicht mehr wirklich auf. Zumal die Pänzerchen meisten in Zusammenhang mit den anderen wichtigsten Wirtsschaftsprodukten stehen: Öl, Drogen, Geld. Das Westerwellsche Alibi-Gerede muss man daher nicht soviel Gewicht einräumen (hat dem überhaupt schon mal jemand zugehört???). Von Glaubwürdigkeit der Politik ist doch schon lange keine Rede mehr. Was an Waffen rausgeht, kommt an Menschen über Lampedusa oder sonstwo wieder rein. Und innerhalb der EU verkaufen die Deutschen keine Waffen mehr! Da werden sie ab jetzt "verbracht", weil die sowieso nicht bezahlen können. Tipp des Tages: trinken Sie "Leopard" (das ist ein Cocktail mit Rum), dann lässt es sich besser ertragen!
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