Massendemo pro Putin Für eine Hand voll Rubel

Zehntausende Russen demonstrieren gegen Wladimir Putin - doch fast ebenso viele gehen für den starken Mann des Landes auf die Straße. Sie wettern gegen die USA und fürchten eine "orange Revolution" wie in der Ukraine. Manche allerdings kommen nur, weil es bares Geld gibt.

DPA

Von und Anastasia Offenberg, Moskau


Poklonnaja Gora, der Berg der Verneigung, liegt ein wenig außerhalb des Moskauer Stadtzentrums. Am monumentalen "Park des Sieges" erinnert Russland an seine Opfer im Zweiten Weltkrieg, dem Großen Vaterländischen Krieg gegen Hitlers Wehrmacht. Die Demonstranten, die am Samstag trotz frostiger Temperaturen den Weg zu dem Gedenkort gefunden haben, wähnen ihr Land wieder bedroht, nur diesmal komme der Feind nicht wie die Deutschen von außen, sondern von innen.

"Gegen Russland wird ein Informationskrieg geführt," sagt Anatolij, er ist Mitte fünfzig. Der Unternehmer kam mit Freunden aus Studienzeiten zu der Kundgebung, mit der Russlands Pro-Putin-Fraktion Stärke demonstrieren will. Zeitgleich marschieren nur wenige Kilometer entfernt Zehntausende Putin-Gegner in der Nähe des Kremls, wie zuvor schon zweimal im Dezember.

Moskaus Demo-Duell ist eine Kraftprobe, vier Wochen vor den Präsidentschaftswahlen am 4. März, bei denen sich Wladimir Putin zum dritten Mal zum Staatschef wählen lassen will.

Zehntausende trotzen General Frost

Doch auch am Poklonnaja Gora beweisen Zehntausende wie Anatolij bei Minus 20 Grad Celsius: Nicht nur die Gegner der russischen Führung sind zäh, sondern auch ihre Anhänger. Die Polizei spricht sogar von 140.000 Putin-Fans, allerdings stehen Moskaus Sicherheitskräfte seit langem im Ruf, bei Aktionen der Kreml-Jugend "Naschi" jeden Aktivisten drei bis viermal zu zählen.

Anatolij und seine Freunde haben ein Plakat im Gepäck. "Wir sind gegen Agent Orange" steht darauf, eine Anspielung auf das Entlaubungsmittel, dass die USA im Vietnamkrieg massenhaft einsetzten - und auf die vom Kreml verhasste "Orange Revolution" in der Ukraine.

Anatolij hält die Moskauer Oppositionellen für von den USA bezahlte Berufsrevolutionäre, die einen Umsturz planten wie 2004/2005 in der Ukraine. Während der "Orange Revolution" gingen damals Hunderttausende in Kiew auf die Straße. Sie protestierten gegen Wahlfälschungen, mit denen der Kandidat Wiktor Janukowitsch damals Präsident werden wollte - der Favorit des Kremls.

Warnung vor der "Orangen Pest"

Einen Monat vor der Präsidentschaftswahl geht der Kreml mit einer Doppelstrategie in die Offensive: In Moskau sollen Putin-treue Demonstranten die Deutungshoheit zurückerobern, während der Premier und sein Wahlstab die Unterstützung der Provinzen zu sichern suchen.

Am Poklonnaja Gora marschieren mehrere Zehntausend Menschen auf, angeführt von Vertretern der einflussreichen konservativen Elite Russlands. Da ist der Publizist Maxim Schewtschenko, der verkündet, dass die Oppositionsdemonstration von "Leuten geführt wird, die ich für Feinde meines Landes halte". Da ist der Regisseur und Kreml-nahe Politologe Sergej Kurginjan. Er warnt vor der "Orangen Pest". In der Menge stehen Vertreter von Putins Allrussischer Volksfront, Patrioten des "Kongresses russischer Gemeinden" und Kosaken.

Wladimir Putin selbst tritt nicht vor seine Fans: Der Favorit für das Präsidentenamt ist auf Wahlkampftour im Riesenreich. Putins Wahlstab setzt auf dessen Beliebtheit in den Provinzen - und die Ressentiments der ländlichen Bevölkerung gegen die rebellischen Hauptstädter. Die Strategie könnte aufgehen. Laut Umfragen liegt Putin klar in Führung. Bei der Wahl Anfang März darf er sogar auf einen Sieg im ersten Wahlgang hoffen.

"Wir sehen uns auf der nächsten Demo"

Am Poklonnaja Gora steht der Politologe Sergej Kurginjan auf der Bühne. "Nein den Amerikanern und jenen, die mit ihnen sind", ruft er. "Hier sind Bürger, die ihnen "Nein" sagen." Der Publizist Maxim Schewtschenko geht auch auf die Gerüchte ein, die seit Tagen in Moskau umlaufen: Man munkelt, dass Lehrer, Uni-Angestellte und Staatsbedienstete dazu verpflichtet wurden, zu der Pro-Putin-Demo zu gehen. Für den Unternehmer Anatolij und seine Freunde gilt das nicht: Sie halten, wie viele Russen, Putin für den besten zur Wahl stehenden Kandidaten. "Unsere Feinde verleumden uns jeden Tag und jede Stunde", sagt er. "Sie erzählen, dass man euch gezwungen hat, herzukommen", ruft er.

Nach dem Ende der Kundgebung aber zeigt sich: Nicht jeder Teilnehmer ist allein seinem eigenen Antrieb gefolgt. In einem Hinterhof steht eine stämmige Frau im warmen Pelz. Sie trägt eine schwarze Pelzmütze und hält ein Bündel Geldscheine in der Hand. Junge Männer in dunklen, schwarzen Ski-Hosen umringen sie. Die Frau im Pelz hakt Namen auf einer Liste ab. Dann verteilt sie das Geld an die Männer. "Wir sehen uns auf der nächsten Demo", sagt sie.

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Seite 1
tauroggen1812 04.02.2012
1. Die einen für...
Zitat von sysopZehntausende Russen demonstrieren gegen Wladimir Putin - doch fast ebenso viele gehen für den starken Mann des Landes auf die Straße. Sie wettern gegen die USA und fürchten eine "orange Revolution" wie in der Ukraine. Manche allerdings kommen nur, weil es*bares Geld gibt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,813401,00.html
eine "Handvoll Rubel", die anderen für "Ein Bündel Dollar" und Versprechungen, dass sie noch REICHER werden, als sie sind....? Steht ja auch in den SPON-Artikeln, dass "..Unternehmer im guten Zwirn für Demokratie, Freiheit, Menschenrechte usw. zum demonstrieren" gehen... Also, bei den Russischen Revolutionen vor 100 Jahren, (Februar, Juni und Oktoberrevolution) gingen die Hungernden, die Soldaten, die Verlierer des damaligen Systems auf die Strasse... Heute ist der "Revolutionsführer" ein Milliardär, (völlig uneigennützig), vorher war es ein ehemaliger Schachweltmeister usw... Geht jetzt wieder der "Muschik" in Strohlatschen für den Zaren Putin demonstrieren ? WARUM haben die Russen auch so ein grosses Land und diese Bodenschätze ? Die WELT, ist ungerecht....
juerler 04.02.2012
2. Für eine Hand voll Rubel
Zitat von tauroggen1812eine "Handvoll Rubel", die anderen für "Ein Bündel Dollar" und Versprechungen, dass sie noch REICHER werden, als sie sind....? Steht ja auch in den SPON-Artikeln, dass "..Unternehmer im guten Zwirn für Demokratie, Freiheit, Menschenrechte usw. zum demonstrieren" gehen... Also, bei den Russischen Revolutionen vor 100 Jahren, (Februar, Juni und Oktoberrevolution) gingen die Hungernden, die Soldaten, die Verlierer des damaligen Systems auf die Strasse... Heute ist der "Revolutionsführer" ein Milliardär, (völlig uneigennützig), vorher war es ein ehemaliger Schachweltmeister usw... Geht jetzt wieder der "Muschik" in Strohlatschen für den Zaren Putin demonstrieren ? WARUM haben die Russen auch so ein grosses Land und diese Bodenschätze ? Die WELT, ist ungerecht....
Ich habe noch nie so einen Schwachsinn gelesen. Für wie Dumm hält uns der Autor. So durchsichtig waren nicht mal die Beiträge in der DDR-Presse. Weiter so. Übrigens müßte die beschriebene Frau nicht mit Pelzmantel sondern mit einem Schubkarren (fürs Geld)zur Erklärung; Vor Ort gewesen sein.
laudato 04.02.2012
3. Die Wahrheit hat mindestens 2 seiten
Zitat von sysopZehntausende Russen demonstrieren gegen Wladimir Putin - doch fast ebenso viele gehen für den starken Mann des Landes auf die Straße. Sie wettern gegen die USA und fürchten eine "orange Revolution" wie in der Ukraine. Manche allerdings kommen nur, weil es*bares Geld gibt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,813401,00.html
"Manche allerdings kommen nur, weil es*bares Geld gibt." Wer sagt daß die anderen nicht wegen "Anreize"auf die Strasse gegangen sind ?
snickerman 05.02.2012
4. Jaja...
Zitat von tauroggen1812eine "Handvoll Rubel", die anderen für "Ein Bündel Dollar" und Versprechungen, dass sie noch REICHER werden, als sie sind....? Steht ja auch in den SPON-Artikeln, dass "..Unternehmer im guten Zwirn für Demokratie, Freiheit, Menschenrechte usw. zum demonstrieren" gehen... Also, bei den Russischen Revolutionen vor 100 Jahren, (Februar, Juni und Oktoberrevolution) gingen die Hungernden, die Soldaten, die Verlierer des damaligen Systems auf die Strasse... Heute ist der "Revolutionsführer" ein Milliardär, (völlig uneigennützig), vorher war es ein ehemaliger Schachweltmeister usw... Geht jetzt wieder der "Muschik" in Strohlatschen für den Zaren Putin demonstrieren ? WARUM haben die Russen auch so ein grosses Land und diese Bodenschätze ? Die WELT, ist ungerecht....
Selbst die notorischen Putinisten geben es also schon zu, dass man die herangekarrten Demonstranten bezahlt... Also bleiben nur die üblichen Verleumdungen gegen alle, die nicht der offiziellen Staatsdoktrin folgen wollen.
seine-et-marnais 05.02.2012
5. Auch'n Job
Zitat von sysopZehntausende Russen demonstrieren gegen Wladimir Putin - doch fast ebenso viele gehen für den starken Mann des Landes auf die Straße. Sie wettern gegen die USA und fürchten eine "orange Revolution" wie in der Ukraine. Manche allerdings kommen nur, weil es*bares Geld gibt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,813401,00.html
Ich habe bei manchen Themen hier im Forum zuweilen den sehr starken Verdacht, dass gewisse Teilnehmer, sagen wir nicht ganz uneigennuetzig, Beitraege verfassen. Auch der Spon bietet zwar noch eine 'mediatisierte Plattform' fuer Mecker-Deutsche, aber ansonsten hat er mit dem kritischen Spiegel der frueheren Jahre wenig gemeinsam. Wie koemmt's?
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