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Massendemos: Job-Misere treibt Spaniens Jugend auf die Straße

Lernt die "Generation Facebook" nun auch in Europa den politischen Protest? In Spanien machen Zehntausende Jugendliche gegen Jobnot und Sparkurs mobil, per Web verabreden sie sich zu Sitzstreiks und Zeltlagern. Bis Sonntag wollen sie weiter demonstrieren - und Einfluss auf die Kommunalwahlen nehmen.

Demos in Spanien: In Schleier und Hotpants gegen das System Fotos
AP

Madrid - Die Verärgerung über die hohe Arbeitslosigkeit hat vor der Kommunalwahl am Sonntag Tausende junge Spanier auf die Straßen getrieben. Sie rufen zum Boykott der Volksparteien auf. In rund 40 Städten kam es auch am Mittwoch zu koordinierten Protesten gegen die stagnierende Wirtschaftsentwicklung und Ausgabenkürzungen der Regierung. In Madrid kamen nach Angaben der Stadt rund 15.000 Demonstranten zusammen. "Wir wollen Politiker, die sich um uns und nicht um ihre politischen und wirtschaftlichen Interessen kümmern", sagte ein Sprecher.

Organisiert werden die Kundgebungen über soziale Netzwerke im Internet wie Facebook, Twitter oder das spanische tuenti. Der Protest richtet sich gleichermaßen gegen die sozialistische Regierung und ihren Sparkurs wie gegen andere etablierte Parteien.

Der Ton in den sozialen Netzwerken ist deutlich:

  • "Mich hat keiner gefragt, ob ich bereit bin, mit meinem Geld die Banken zu sanieren. Mit anderen Worten, man hat mich bestohlen", klagt ein User bei Facebook.

  • "Es ist an der Zeit, aufzuwachen. Zu viele Jahre haben wir geschlafen. Es muss wieder eine Öffentlichkeit geben, die sich einmischt", so ein anderer Regierungskritiker.

  • "Ich will nicht die Zukunft meiner Kinder aufs Spiel setzen, die am Ende alles bezahlen müssen", stimmt ein dritter User zu.

Einträge dieser Art finden sich tausendfach. Dem Online-Ansturm war eine der zentralen Internetseiten der Protestbewegung offenbar nicht gewachsen. Die Website democraciarealya.es, nach einem der Schlachtrufe "Echte Demokratie- Jetzt!", war am Nachmittag teilweise nicht mehr abrufbar.

In Madrid benannten Demonstranten den Platz Puerta del Sol in "Platz der Lösung" um. Einige harren dort bereits seit Tagen aus und schlafen unter Zeltplanen. Ihr Motto: "Yes, We Camp." Bis zur Wahl am Sonntag wollen sie bleiben - spanische Zeitungen vergleichen die friedliche Stimmung in den meisten Protestlagern mit einem Musikfestival.

Gewalttätige Ausschreitungen blieben die Ausnahme. Im südspanischen Granada kam es zu Zwischenfällen, als die Polizei den zentralen Carmen-Platz räumte. Drei Demonstranten wurden festgenommen, wie die Behörden mitteilten. Ansonsten blieben die Proteste auch hier weitgehend friedlich.

Die Demonstranten riefen dazu auf, bei den Wahlen in über 8000 Gemeinden und 13 Regionen nicht für die Sozialisten oder die konservative Partido Popular zu stimmen. Politiker beider Parteien sind in Korruptionsskandale verstrickt.

Die Lage in dem südeuropäischen Land ist ernst, besonders für junge Menschen: Der Internationale Währungsfonds (IWF) spricht angesichts der Jugendarbeitslosigkeit von mehr als 40 Prozent bereits von einer "verlorenen Generation" - Spanien hat die höchste Arbeitslosenquote in der Europäischen Union. Jeder fünfte Erwerbsfähige ist derzeit ohne Job.

Die Demonstranten fordern, keine Stimme abzugegeben oder für kleinere Parteien zu stimmen. Das würde nach Einschätzung von Beobachtern vor allem die Sozialisten treffen. Es wird erwartet, dass die Partei von Ministerpräsident José Luis Rodriguez Zapatero die Mehrheit in einigen Hochburgen verliert. Der konservativen Partido Popular werden dagegen deutliche Gewinne zugetraut.

Kommunalwahl als Stimmungsbarometer

Die Abstimmung gilt als Stimmungstest vor den landesweiten Wahlen, die bis zum kommenden März abgehalten werden müssen. Mit milliardenschweren Ausgabenkürzungen will die Regierung des hoch verschuldeten Landes, das immer noch unter den Folgen der geplatzten Immobilienblase leidet, eine Finanzkrise vermeiden.

An den Finanzmärkten gibt es Befürchtungen, Spanien wäre in dem Fall ein weiterer Kandidat für Hilfen von EU und IWF. Stark steigende Exporte nach Deutschland und Frankreich haben die spanische Wirtschaft im ersten Quartal aber auf einem leichten Wachstumskurs gehalten. Das Bruttoinlandsprodukt legte von Januar bis März um 0,3 Prozent zum Vorquartal zu. Wegen der hohen Verschuldung setzte die Regierung einen strengen Sparplan durch: Beamtengehälter wurden gekürzt, Renten eingefroren und Kündigungen erleichtert.

Mitarbeit: Ariane Werner

jok/Reuters/dpa-AFX

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1. Die Jugend protestiert schon länger
Michael Giertz, 18.05.2011
Zitat von sysopLernt die "Generation Facebook" nun auch in Europa den politischen Protest? In Spanien machen Zehntausende Jugendliche gegen Jobnot und Sparkurs mobil, per Web verabreden sie sich zu Sitzstreiks und Zeltlagern. Bis Sonntag wollen sie weiter demonstrieren - und Einfluss auf die Kommunalwahlen nehmen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,763385,00.html
Allerdings macht es sich der Journalismus sehr einfach und reduziert die Jugend auf den "schwarzen Block", auf "Krawalltouristen" und "Chaoten", statt deren Demonstrationsform als Ausdruck von Ohnmacht und Hass richtig zu deuten. Wer Autos und Mülltonnen anzündet und mit Steinen nach Polizisten wirft muss ja unreif sein - richtig? Kann schon sein; nachvollziehbar ist so eine Handlung für mich aber schon. Wer nämlich mit friedlichen Protesten nichts erreicht, nicht einmal eine Notiz in der Lokalpresse, der fühlt sich ohnmächtig, der resigniert, wendet sich von der Gesellschaft ab, baut einen Hass auf, der sich irgendwann mal entlädt. PS: Auch ein Joschka Fischer hat mal mit Steinen nach Polizisten geworfen!
2. ...........
DasReptil 18.05.2011
Zitat von sysopLernt die "Generation Facebook" nun auch in Europa den politischen Protest? In Spanien machen Zehntausende Jugendliche gegen Jobnot und Sparkurs mobil, per Web verabreden sie sich zu Sitzstreiks und Zeltlagern. Bis Sonntag wollen sie weiter demonstrieren - und Einfluss auf die Kommunalwahlen nehmen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,763385,00.html
Warum kommen die denn nicht nach Deutschland, hier gibts doch dank Aufschwung XXL Arbeitsplätze ohne Ende.
3. die politiker-kaste ist sich sicher ...
Tabris2011 18.05.2011
... das der langsam,langsam, langsam sich ausbreitende protest in *westeuropa* nicht nach deutschland kommt. die letzten *sozialen proteste* waren in deutschland in den 80er jahren (z.b. stahlarbeiter-streik, arbeitslosen-bewegung). was die hiessige cdu/fdp-regierung sich leistet: euro-rettungsschirm ohne parlamentarische gesetzgebung/haushaltsrecht und jetzt ganz frisch die debatte rente mit 69, als "zuchtmeister" von südeuropa sich aufspielen (der hässliche deutsche) und den deutschen banken die stiefel zu lecken - all das zeugt davon, dass sie in einem gerüttelten mass auf die bürgerInnen geringschätzig herabgucken nach der devise: *der deutsche michel ist esels-gutmütig und lässt sich alles gefallen*. in hamburg gibts den satz: warte, warte noch ein weilchen, dann kommt harmann mit den hackebeil auch zu dir.
4. Demonstrationen in Deutschland
Michael Giertz, 18.05.2011
Zitat von Tabris2011... das der langsam,langsam, langsam sich ausbreitende protest in *westeuropa* nicht nach deutschland kommt. die letzten *sozialen proteste* waren in deutschland in den 80er jahren (z.b. stahlarbeiter-streik, arbeitslosen-bewegung). was die hiessige cdu/fdp-regierung sich leistet: euro-rettungsschirm ohne parlamentarische gesetzgebung/haushaltsrecht und jetzt ganz frisch die debatte rente mit 69, als "zuchtmeister" von südeuropa sich aufspielen (der hässliche deutsche) und den deutschen banken die stiefel zu lecken - all das zeugt davon, dass sie in einem gerüttelten mass auf die bürgerInnen geringschätzig herabgucken nach der devise: *der deutsche michel ist esels-gutmütig und lässt sich alles gefallen*. in hamburg gibts den satz: warte, warte noch ein weilchen, dann kommt harmann mit den hackebeil auch zu dir.
Stimmt so nicht. Für Atomkraft-Ausstiegsdemos werden sicherlich Massen mobilisiert. Das ist ja an sich auch nicht verkehrt. Aber glauben Sie, es wird auch nur ein einziger auf die Straße gehen, wenn uns die Rechnung für den Atomausstieg präsentiert wird? Die Atomkraftwerke kann man schließlich nicht eben abreißen, die müssen fachgerecht abgebaut und die strahlenden Bestandteile sicher endgelagert werden. Das produziert Kosten, und das nicht zu knapp. Wenn der Staat einspringt, zahlts der Steuerzahler. Wenn der Staat nicht einspringt, zahlts der Verbraucher. Demonstrationen, damit die Kosten beim Verursacher, nämlich bei den Stromversorgern bleiben, wird es nicht geben. Sollen die doch die Entsorgung vom Profit bezahlen! Ach, was reg' ich mich auf. Egal, welchen Lebensbereich es trifft, die Deutschen gehen niemals in ausreichender Menge dauerhaft demonstrieren. Zu sehr sitzt die Furcht in den Knochen, den Arbeitsplatz zu verlieren ... *Demonstrationen sollten in Deutschland nur an Samstagen zwischen 10:00 bis 12:00 Uhr und 15:00 bis 17:00 Uhr stattfinden, wenn es bewölkt ist, aber nicht regnet. Wenn es regnet, verlässt keiner das Haus, ist es sonnig, liegt der Bürger lieber am Strand. Und wenn's noch Freibier gibt, dann besteht die Chance, dass vielleicht sogar 1000 Leute auf dem Marktplatz stehen.* Ein frustrierter Bürger ...
5. .
frubi 18.05.2011
Zitat von DasReptilWarum kommen die denn nicht nach Deutschland, hier gibts doch dank Aufschwung XXL Arbeitsplätze ohne Ende.
Und es gibt 1 Millionen offene Stellen. Nur wo es die gibt hat keiner gesagt. Aber es gibt sie.
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Konjunktur: Europas Süden verliert den Anschluss

Bevölkerung: 46,440 Mio.

Fläche: 505.968 km²

Hauptstadt: Madrid

Staatsoberhaupt:
König Felipe VI.

Regierungschef: Mariano Rajoy

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