IS-Terrormiliz Hunderte Sunniten in Massengrab verscharrt

Sie sollen im Irak gegen den "Islamischen Staat" gekämpft haben - dann wurden mehr als 200 Mitglieder eines sunnitischen Stammes offenbar umgebracht. Ein Stammesscheich berichtet jetzt von einem Massengrab.

Terroristen des "Islamischen Staats" im irakischen Mossul: Massengrab entdeckt
REUTERS

Terroristen des "Islamischen Staats" im irakischen Mossul: Massengrab entdeckt


Bagdad - Laut einem Stammesscheich wurde im Irak ein Massengrab mit 150 Leichen gefunden. Es sei in einem Flusstal nordwestlich der Stadt Ramadi in der Provinz Anbar entdeckt worden, berichtet die irakische Nachrichtenseite "al-Sumaria" am Donnerstag. Nach Angaben des Scheichs soll die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) im Westen des Irak mehr als 200 Mitglieder eines sunnitischen Stammes umgebracht haben.

Auch ein Sicherheitsbeauftragter und ein Beamter einer Polizeistation bestätigten der Nachrichtenagentur Reuters den Fund. IS-Kämpfer hatten demnach 150 Mitglieder eines sunnitischen Stammes aus ihrem Dorf in die Stadt Ramadi verschleppt, getötet und dann begraben.

Das Portal "al-Mada" meldete zudem, die Extremisten hätten in der nahe gelegenen Stadt Hiet 30 Kämpfer desselben Stammes zusammengetrieben und erschossen. Anwohner und Angehörige seien zum Zuschauen gezwungen worden. Bereits am Mittwoch hätten Berichten zufolge die IS-Extremisten in Hiet mehr als 40 Angehörige des Stammes Bu Nimr erschossen. Die Toten seien Polizisten oder Mitglieder der Sahwa-Einheiten gewesen, die gegen die IS-Miliz kämpfen.

Die genaue Zahl der Opfer ist jedoch unklar: Die Nachrichtenagentur beruft sich auf einen Ratsangehörigen der Provinz Anbar, der berichtet, 48 Leichen seien außerhalb der Stadt Hiet gefunden worden.

Hoher Preis für Kampf gegen IS

"Heute Morgen haben wir die Leichen gefunden. Militante des 'Islamischen Staats' sagten uns, dass diese Menschen aus Sahwa kamen und ihre Brüder gekämpft hätten", sagte ein Augenzeuge. Die IS-Kämpfer hätten gemeint, dies sei die Strafe für jeden, der sich gegen sie wende, zitiert Reuters die Augenzeugen.

Manche Stämme aus der Provinz Anbar im Osten des Irak stellen sich gegen die IS-Miliz. Doch der Preis dafür ist zumeist hoch. Mitte Oktober hatte etwa der sunnitische Schaitat-Stamm gegen die Dschihadisten aufbegehrt. Drei Tage lang zogen IS-Kämpfer durch die Gegend und beschossen, kreuzigten und köpften Hunderte Stammesmitglieder. Etwa 700 Menschen starben, berichtete die "Washington Post" unter Berufung auf Augenzeugen.

vek/dpa/Reuters



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 66 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Michael Jürgens 30.10.2014
1. Ethnische Säuberungen- und der Westen schaut zu
Es ist schon erstaunlich, dass die internationale Gemeinschaft nichts unternimmt. Im Kosovo Krieg sah das ganz anders aus. Auch hier haben wir jetzt mindestens so viele Opfer, ethnische Säuberung, ja in Teilen sicher einen Genozid an den Jesiden. Dafür wird die westliche Welt sicher noch einen hohen Preis bezahlen. Denn ISIS wird ein langfristiges Problem in der Region, aber auch in Ländern Westeuropas und damit Deutschlands bleiben. Im Angesicht dessen, was dort im Namen des Islam verbrochen wird, macht sprachlos. Sprachlos auch, weil durch die Zuwanderung in Deutschland das auch mittlerweile auch unser Problem ist. Jetzt haben Neonazis das Thema für sich entdeckt und nutzen die Schwäche der Politik aus. Wir müssen dringend handeln.
joeb1988 30.10.2014
2. Es ist nicht zu ertragen!!
Man laesst diese IS-Perversen einfach gewaehren und Tausende Unschuldiger abschlachten. Ein paar Luftangriffe helfen nicht. Die westliche bzw. zivilisierte Welt, auch wenn Erstere in der Vergangenheit vieles falsch gemacht hat, MUSS endlich intervenieren und dem Spuk ein Ende bereiten!
n0 by 30.10.2014
3. Kapitalisten, Faschisten, Salafisten
Der Dreiklang der Grausamkeit kulminiert mittlerweile in religiotisch, islamistischem Klerikal-Faschismus. Ursache und Wirkung sind im Rahmen geschäfltich-politischer-korrekter Geschäftsbeziehungen im Vorfeld fundamentalisiert. Das Terroristen-Zuchtprogramm zeigt Wirkung. Was Alice Schwarzer heute in der faz schreibt, ist zwar wahr, verlässt aber schon den Konsens von PC: "Doch sollte Assad stürzen, fiele innerhalb von nur zwanzig Jahren zum vierten Mal ein machtpolitisch sozialistisch orientierter, zwar autokratischer, aber immerhin weltlicher Herrscher im arabischen Raum. Und auch diesmal würde das Vakuum zweifellos von den Gottesstaatlern besetzt werden, ganz wie nach dem Sturz von Muammar al Gaddafi in Libyen (2011), Husni Mubarak in Ägypten (2011) und Saddam Hussein im Irak (2003). " Nun die Preisfrage: Wer stürzte die Herren Gaddafi, Mubarak, Hussein? Und warum? Volker Pispers bekommt Beifall, wenn er höhnt: "Dividende und impera!" Der Kapitalismus mit seinem militärisch-medialen Machtkomplex ist längst aus dem Ruder gelaufen. Die Stimmen außerparlamentarischer Opposition und alternativen Web-Kanäle erreichen keine Massen. Klerikal-Faschistischer Massenmord heizt auch hier Menschen auf zu massivem Widerstand - sprich HoGeSa. Aber auch nicht recht...
nurmeinemeinung77 30.10.2014
4. wie die Tiere !?!?!
sprachloser kann man gengenüber eines solchen verhaltens gar nicht mehr sein. Die benehmen sich wie die Tiere und benutzen die Religion als Deckmantel für Ihre barbarischen Taten. Ich bin kein religiöser Mensch, aber ich hoffe wirklich, dass es einen Gott gibt. Denn ich kan mir nicht vorstellen, dass ein Tor fürs Paradies für solche "Menschen" offen steht !
Septic 30.10.2014
5. Der Westen tut nichts weil die anderen nicht besser sind
Hier geht es nicht um Gut vs. Böse. Hier geht es um Machtanspruch vs. Machtanspruch. Die einen wollen ein Kurdistan, die anderen den Islamischen Staat die dritten ein Irak wie es unter Saddam war, wieder andere wollen den Irak in ethnische Gruppen unterteilen und wieder andere wollen sogar eine Demokratie. Jeder dort verfolgt seine Ziele. Die Amerikaner haben ein Machtvakkum hinterlassen und das füllt sich nun auf die blutige Weise wie das immer passiert wenn in einem Land die Regierung fehlt oder handlungsunfähig ist. Egal wie wir da einschreiten oder nicht, es wird weiterhin massenhaft Leid geben. Bei der IS kämpfen Generäle von Saddams Ba'ath Partei mit. Generäle die der Westen noch ausgebildet hat im Umgang mit Giftgas um damit Iranische Soldaten zu vernichten weil die damals "das Böse" waren. In dieser Region gibt es keine Gruppe welche eien westliche, demokratische, rechtstaatliche, pro-westliche, weltoffene Regierung wollen. Selbst die demokratischen Strömungen legen den Demokratiebegriff dort völlig anders aus als wir es tun würden. Manchmal muss man sich raushalten wenn man durch eingreifen alles nur noch schlimmer aber zumindest nicht besser machen kann.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.