Massenprotest in London Briten wehren sich gegen Camerons Sparkurs

Für den britischen Premierminister David Cameron wird es ungemütlich: Hunderttausende Menschen haben in London gegen die Sparpläne seiner Regierung protestiert. Dabei kam es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen einer Gruppe Demonstranten und der Polizei.

DPA

London - Aus Protest gegen den drastischen Sparkurs der britischen Regierung sind in London Hunderttausende Studenten, Lehrer, Krankenschwestern und Angestellte des Öffentlichen Dienstes auf die Straße gegangen. Sie wandten sich am Samstag gegen schmerzhafte Einschnitte in die Haushalte als Folge der Wirtschaftskrise. Es war die bisher größte Protestveranstaltung gegen die Regierung von Premier David Cameron.

Dabei kam es auch zu Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften. Wie die Polizei mitteilte, bewarf eine Gruppe schwarzgekleideter Demonstranten Einsatzkräfte sowie Geschäfte und Banken in den belebten Einkaufsmeilen Oxford Street und New Bond Street mit Farbbeuteln und Glühbirnen. Die Gruppe hatte sich von einem größeren Protestmarsch gelöst, der aus Unmut über staatliche Kürzungen vom Gewerkschaftsverband organisiert worden war. Auch ein Polizeiaufgebot von rund 4500 Beamten konnte die Krawalle nicht verhindern. Ähnliche Randale hatte es zuletzt bei Studentenprotesten gegen höhere Studiengebühren Ende des vergangenen Jahres gegeben.

"Sie zerstören den Sozialstaat"

Ansonsten blieb es bei der Kundgebung weitgehend ruhig. An der Demonstration nahmen nach Angaben der Organisatoren bis zu 200.000 Menschen teil. Die Regierung aus Konservativen und Liberalen setzt derzeit im Kampf gegen das hohe Haushaltsdefizit ein striktes Sparprogramm um. Sie will das Haushaltsdefizit drastisch reduzieren, um die Kreditwürdigkeit des Landes zu schützen.

Den Gewerkschaften und der oppositionellen Labour Party gehen die Sparpläne zu weit. Sie befürchten, dass Millionen Briten deshalb vom sozialen Abstieg bedroht sind. Der Labour-Spitzenpolitiker Ed Miliband sagte bei einer Kundgebung im Hyde Park, man kämpfe darum, soziale Dienste "zu bewahren, beschützen und zu verteidigen". Ein Demonstrant sagte: "Sie zerstören den Sozialstaat - es ist politisch, nicht ökonomisch gewollt."

Die Regierung verteidigt ihre Pläne mit dem Hinweis, sie beseitige nur das finanzielle Erbe, das die Labour-Regierung von Gordon Brown hinterlassen habe.

Es war die größte Demonstration in London seit den Protesten gegen den Irak-Krieg im Jahr 2003. Damals waren etwa eine Millionen Demonstranten auf die Straße gegangen.

ulz/dapd/Reuters



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