Massenprotest in Spanien: Mehr als eine Million Katalanen fordern mehr Unabhängigkeit

Sie wollen mehr Autonomie von Spanien: Hunderttausende Katalanen gingen deswegen in Barcelona auf die Straße. Ihr Protest richtet sich auch gegen ein Urteil des Verfassungsgerichts. Die Richter hatten Katalonien verboten, ein eigenes Justizsystem aufzubauen.

Millionenprotest in Katalonien: "Adéu Espanya" Fotos
REUTERS

Barcelona - Mehr als eine Million Menschen haben am Samstag in Barcelona für eine größere Autonomie der spanischen Region Katalonien demonstriert. Die Polizei zählte nach Angaben der Stadtverwaltung 1,1 Millionen Demonstranten, die Organisatoren der Kundgebung sprachen gar von 1,5 Millionen Teilnehmern.

Sie protestierten gegen ein Urteil des Verfassungsgerichts, demzufolge Katalonien sich nicht als echte eigenständige Nation verstehen darf. Die Einstufung Kataloniens als eine "Nation" ließen die Richter zwar gelten, sie stuften die Formulierung aber zu einer rhetorischen Formel "ohne rechtliche Bindung" herab.

Der Gerichtshof erklärte damit den Passus eines Statuts für ungültig, die die Katalanen 2006 in einer Volksabstimmung mit breiter Mehrheit angenommen hatten. Die Verfassungsrichter hatten außerdem den in der Landesverfassung vorgesehenen Aufbau eines katalanischen Justizsystems abgelehnt. Sie stuften es auch als verfassungswidrig ein, dass die katalanische Sprache in den Schulen und der Verwaltung einen Vorrang vor der spanischen bekommen soll.

Die meisten anderen Artikel der Charta blieben unberührt, dennoch löste das Urteil in Katalonien Empörung aus. Demonstranten trugen katalonische Flaggen, einige schwenkten Transparente mit der Aufschrift: "Wir sind eine Nation." Katalonien errang bereits 1979 einen Autonomiestatus, die Region hat eine eigene Regierung, ein Parlament und eigene Polizeikräfte. Amts- und Unterrichtssprache der Region ist Katalanisch.

otr/apn/dpa

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insgesamt 30 Beiträge
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    Seite 1    
1. So viel zur europäischen Einheit...
Kaygeebee 10.07.2010
Die EU propagiert den europäischen Zusammenwuchs und gleichzeitig spalten sich Teile der Mitgliedsländer ab. Belgien ist auch ein Wackelkandidat (Flamen und Wallonen). So viel zur europäischen Einheit...
2. der Bürger ist der oberste Souverin
arkor 11.07.2010
Zitat von sysopSie wollen mehr Autonomie von Spanien: Hunderttausende Katalanen gingen deswegen in Barcelona auf die Straße. Ihr Protest richtet sich auch gegen ein Urteil des Obersten Gerichtshofs. Die Richter hatten Katalonien verboten, ein eigenes Justizsystem aufzubauen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,705814,00.html
Wenn die Katalanen die Abspaltung per Volksabstimmung beschließen, dann ist das legitim, und in Ordnung,..dann wird abgespalten. Achja das gilt auch, wenn keine Volksabstimmung im Gesetz vorgesehen wäre, denn der Bürgerwille entscheidet über einen solchen Rechtsrahmen, der Bürger ist der oberste Souverin...
3. In schlechten Zeiten
zeitmax 11.07.2010
...ist einem das Hemd stets näher als der Rock. Katalonien ist nun mal der wirtschaftliche Hauptstandort Spaniens. Wenn die sich jetzt mit der ETA zusammentäten... Was würden wir sagen, wenn Bayern und/oder BaWü separatistische Bestrebungen verfolgten? Und dann noch Bayrisch oder Schwäbisch als Hauptsprache...
4. Andersrum
Achim 11.07.2010
Zitat von KaygeebeeDie EU propagiert den europäischen Zusammenwuchs und gleichzeitig spalten sich Teile der Mitgliedsländer ab. Belgien ist auch ein Wackelkandidat (Flamen und Wallonen). So viel zur europäischen Einheit...
Weder Katalanen noch Flamen haben die Absicht, aus der EU auszutreten. Die Mehrheit der Katalanen hat nicht einmal die Absicht, aus dem "Spanischen Staat" auszuscheiden, sondern es geht um mehr Autonomie. Der "Spanische Staat" ist nun mal aus dem Zusammenschluss von mehreren Staaten und dem Anschluss anderer Gebiete entstanden, wobei sowohl das Baskenland als auch Katalonien historische Regionen sind, die Gebiete des heutigen "Spanischen Staates" als auch des heutigen Frankreich umfassen. Da zu Franco-Zeiten der Gebrauch des Katalanischen verboten war (bis hin zu der Skurrilität, dass bei einem "Grand-Prix"-Beitrag kurzfristig der Sänger ausgetauscht wurde, weil Franco kein Katalanisch beim Eurovisions-Wettbewerb haben wollte), ist es verständlich, dass die Katalanen empfindlich reagieren, wenn es um Sprache und Kultur geht. Bevor sich jemand über "Spanischer Staat" wundert: Spanische Verfassung, Artikel 1, Ziffer 3: "La forma política del Estado español es la Monarquía parlamentaria." In dieser Verfassung geht es munter zwischen "nación española", "pueblo español", "pueblos de España", "nacionalidades" hin und her, und dann heißt es in Artikel 2: "La constitución ... garantiza el derecho a la autonomía de las nacionalidades y regiones que la integran y la solidaridad entre todas ellas."
5. Catalunya und EU
fugas 11.07.2010
Warum wird diesen Bewegungen von der EU kein Riegel vorgeschoben. Catalunya möchte ein eigener Staat werden --- ok, gerne. Aber damit ist auch der Auschluß aus der EU verbunden. Catalunya muss sich dann ebenso um einen Beitritt bemühen wie auch die Türkei. Sofort würde die "Massenbewegung" erstarren
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