Massenvergewaltigungen Kongos geschändete Frauen machen mobil

Vergewaltigungen als Kriegstaktik - im Kongo wurden allein im vergangenen Jahr 15.000 Frauen missbraucht. Viele Opfer demonstrierten nun gegen sexuelle Gewalt. Der Protestzug wurde von der First Lady des Landes angeführt.


Kinshasa - "Stoppt die Vergewaltigungen": Mit Schildern und Transparenten zogen rund 20.000 Frauen am Sonntag durch die Straßen von Bukavu im Osten der Demokratischen Republik Kongo.

Unter den Teilnehmerinnen waren alte und junge Frauen, angeführt wurde die Demonstration von First Lady Olive Lembe Kabila. Nach Angaben von CNN waren viele der Demonstrantinnen selbst Opfer brutaler Vergewaltiger, einige von ihnen haben extra für den Marsch das Krankenhaus verlassen. Sie riefen: "Mein Herz ist voller Schmerz. Warum vergewaltigst du mich?"

Die Frauen hätten genug von dem Krieg, von den Vergewaltigungen, davon, dass es niemanden interessiere, was mit ihnen passiere, zitiert CNN eine kongolesische Frauenrechtlerin, die an dem Protestzug teilnahm.

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Kongo: Protestmarsch der Frauen
Aufgerufen hatte die internationale Organisation World March for Women zusammen mit lokalen Frauengruppen. Die Veranstalter wollten gegen die Stigmatisierung von Vergewaltigungsopfern kämpfen und darauf aufmerksam machen, dass sexuelle Gewalt gegen Frauen und Kinder in dem Land eine Kriegstaktik ist.

Die letzte Gewaltorgie gegen Frauen und Kinder liegt erst zehn Wochen zurück:

Die Vereinten Nationen hatten erklärt, dass in 13 Dörfern in der Nähe vom 30. Juli bis 2. August 303 Zivilpersonen vergewaltigt worden seien - manche von ihnen sechsmal hintereinander.

Uno-Soldaten waren nur 20 Kilometer entfernt

Der leitende Uno-Gesandte im Kongo sagte, im Osten des Landes seien im vergangenen Jahr mehr als 15.000 Menschen vergewaltigt worden. Für die 18.000 Mitglieder zählende Uno-Friedenstruppe sei es aber unmöglich, jeden in dem riesigen Gebiet zu schützen, in dem bewaffnete Gruppen agieren. Ein weiterer Uno-Mitarbeiter sagte, die meisten Übergriffe würden von "Männern in Uniform" verübt.

Vor knapp zwei Wochen hatten Uno-Soldaten im Kongo den ersten mutmaßlichen Verantwortlichen für die Massenvergewaltigungen, einen Milizenführer, gefasst. Der Mann nennt sich selbst "Oberstleutnant Mayele" und gehört zu den wegen ihrer Gewaltexzesse berüchtigten Mai-Mai-Milizen.

Die Uno zeigte sich erleichtert über die Festnahme. "Das sind sehr gute Nachrichten für die Menschen in der Demokratischen Republik Kongo", sagte die Uno-Sonderbeauftragte gegen sexuelle Gewalt in bewaffneten Konflikten, Margot Wallström. "Es ist ein Sieg der Gerechtigkeit, insbesondere für die vergewaltigten Frauen." Wallström ist derzeit im Ostkongo unterwegs und trifft dort auch Opfer sexueller Gewalt.

In den Kivu-Provinzen im Ostkongo setzen alle Konfliktparteien Vergewaltigungen gezielt zur Terrorisierung der Zivilbevölkerung ein. Die Mai-Mai-Milizen sind dabei nur eine von mehreren Rebellengruppen.

Die unter Mayele begangenen Verbrechen könnten nicht ungeschehen gemacht, aber zumindest bestraft werden, sagte Wallström. Die Festnahme sei zugleich ein Zeichen, dass solche Gewalttaten nicht toleriert, sondern verfolgt würden. Der unabhängige Rundfunksender Radio Okapi berichtete, Mayele sei mit einem Hubschrauber der Uno-Friedenstruppen in die Provinzhauptstadt von Nord-Kivu, Goma, geflogen worden. Ein Militärgericht habe bereits eine Anklageschrift vorbereitet.

Nur 20 Kilometer von den überfallenen Dörfern entfernt befand sich ein Posten von Uno-Blauhelmsoldaten. Die Dorfbewohner fürchteten aber anscheinend Racheakte und alarmierten die indischen Soldaten nicht. Auch die Uno hatte später aber eingeräumt, dass sie mehr tun müsste, um solche Vorfälle zu verhindern, und schneller hätte reagieren müssen. Denn kurz zuvor war bekannt geworden, dass es in einer anderen Region des Ostkongo zu weiteren 267 Vergewaltigungen gekommen war.

anr/dapd

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