Massenvernichtungswaffen im Irak Nun will auch Bush die Wahrheit wissen

Colin Powell, Dick Cheney, Condoleezza Rice: Die höchsten Mitglieder der US-Regierung haben neuerdings Zweifel daran, dass der Irak Massenvernichtungswaffen besaß. Da will auch der Präsident nicht zurück stehen: Auch er wolle alle Fakten kennen, verkündete Bush. Ein unabhängiges Gutachten möchte er trotzdem nicht in Auftrag geben.


 Präsident Bush: Von neuer Wissbegier befallen
AP

Präsident Bush: Von neuer Wissbegier befallen

Washington - Nach den öffentlich geäußerten Zweifeln hochrangiger Regierungsmitglieder hat US-Präsident George W. Bush erklärt, auch er wolle zur Existenz von Massenvernichtungswaffen im Irak alle Fakten kennen. Auf die Forderung nach einer unabhängigen Prüfung des Kenntnisstandes vor dem Einmarsch in den Irak ging er nicht ein.

"Ich möchte, dass das amerikanische Volk weiß, dass auch ich die Fakten kennen will", sagte Bush am Freitag in Washington. Nach US-Außenminister Colin Powell und Vize-Präsident Dick Cheney hatte am Vortag auch die Nationale Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice eingeräumt, dass die Geheimdienstinformationen zu den Massenvernichtungswaffen fehlerhaft gewesen sein können.

Bushs einflussreicher Parteikollege, der Senator des US-Bundesstaates Arizona, John McCain, schloss sich als erster Republikaner der Forderung der demokratischen Opposition nach einer unabhängigen Prüfung der Informationen zu den Massenvernichtungswaffen an.

Die Bedrohung durch das irakische Waffenpotenzial war einer der Hauptgründe der USA und Großbritanniens für den Krieg im Irak. Seit Ende des Krieges wurden aber keine Belege für Massenvernichtungswaffen gefunden. Der ehemalige US-Waffeninspektor David Kay sagte dazu kürzlich bei seinem Rücktritt und seither wiederholt, "wir lagen alle in fast jeder Hinsicht falsch". Die britische Regierung hat wegen des Vorwurfs, die irakische Bedrohung zur Rechtfertigung des Krieges übertrieben zu haben, stark an Popularität verloren.

Bush erteilte einer unabhängigen Prüfung zwar keine ausdrückliche Absage, wiederholte aber seine Forderung nach einer internen Untersuchung der Geheimdienste, in der die Informationen aus der Zeit vor dem Irak-Krieg mit den Funden der Waffeninspektoren verglichen werden sollen. "Ich möchte das, was die Waffeninspektoren gefunden haben mit dem, was wir vor dem Einmarsch in den Irak wussten, vergleichen können", sagte er auf die Frage, ob er eine unabhängige Prüfung unterstütze.

In Parteikreisen hieß es, nach McCains Forderung werde die Regierung ihre Haltung in dieser Frage möglicherweise noch ändern. In einem Wahljahr sei eine unabhängige Prüfung jedoch riskant für die Regierung und werde das Thema ständig in den Schlagzeilen halten. Im November wählen die USA ihren Präsidenten neu und die Demokraten haben den Irak-Krieg zu einem Thema ihres Wahlkampfes gemacht.



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