Massive Kritik von Irlands Premier: Papst ruft Botschafter aus Dublin zurück

Der Skandal um sexuellen Kindesmissbrauch in Irland führt zu diplomatischen Verwerfungen: Der Papst hat seinen Botschafter aus Dublin zurückbeordert. Zuvor hatte Regierungschef Kenny dem Vatikan vorgehalten, Vergewaltigungen durch Priester verharmlost zu haben.

Papst Benedikt XVI.: Schwere Vorwürfe aus Dublin Zur Großansicht
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Papst Benedikt XVI.: Schwere Vorwürfe aus Dublin

Dublin - Mit scharfen Worten hat Irlands Regierungschef Enda Kenny den Vatikan vergangene Woche angegriffen. Jetzt hat der Kirchenstaat reagiert und seinen Botschafter in Dublin, Giuseppe Leanza, nach Rom zurückbefohlen. Er solle an einer Reaktion auf die irischen Vorwürfe mitarbeiten, berichtete Radio Vatikan am Montag.

In einer Rede vor dem Parlament hatte Regierungschef Kenny dem Vatikan vorgehalten, das Vergewaltigen und Foltern von Kindern durch Priester heruntergespielt zu haben - nur um dem Ruf der Kirche nicht zu schaden. Anstatt gegen das Unrecht vorzugehen, sei der Vorrang der Institution Kirche hochgehalten, ihre Macht und ihr Ruf betont worden. Der Vatikan sei "abgehoben", sagte der Premierminister. Am Sonntag bekräftigte er seine Haltung: Er habe Tausende Reaktionen, auch von Klerikern, erhalten. Viele hätten gesagt, es sei an der Zeit gewesen, dass jemand die Stimme erhebe.

Die Abgeordneten in Dublin hatten vor Kennys Rede im Parlament eine Resolution verabschiedet, in der die Rolle des Vatikans m Missbrauchsskandal kritisch bewertet wird. Unter anderem hieß es, der Kirchenstaat habe mit dazu beigetragen, Regelungen zum Kinderschutz auszuhöhlen. Einem neuen Untersuchungsbericht zufolge vertuschte die Kirche noch bis 2009 Fälle sexuellen Kindesmissbrauchs durch katholische Geistliche in Irland. So soll die Kirche in Rom den irischen Bischöfen in einem Schreiben 1997 davon abgeraten haben, pädophile Priester der Polizei zu melden.

Konkret ging es um einen Bericht aus der Diözese Cloyne. Dies war die vierte größere Veröffentlichung innerhalb von sechs Jahren zu diesem Thema. In Cloyne war Bischof John Magee tätig, dessen Rücktritt Papst Benedikt XVI. im vergangenen Jahr akzeptiert hatte. Ihm war nachgewiesen worden, die Untersuchungen in die Irre geleitet zu haben. Außerdem wurden ihm "Fehler beim Schutz von Kindern" vorgeworfen.

Der irische Außenminister Eamon Gilmore bestellte den päpstlichen Botschafter Leanza vor zwei Wochen ein und forderte eine offizielle Stellungnahme des Vatikans. Aus Rom verlautete, man werde sich zu "gegebener Zeit" äußern.

kgp/dpa/Reuters

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insgesamt 129 Beiträge
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1. .
Rainer Helmbrecht 25.07.2011
Zitat von sysopDer Skandal um sexuellen Kindesmissbrauch in Irland führt zu diplomatischen Verwerfungen: Der Papst hat seinen Botschafter aus Dublin zurückbeordert. Zuvor hatte Regierungschef Kenny dem Vatikan vorgehalten, Vergewaltigungen durch Priester verharmlost zu haben......
Eine weise Entscheidung, wenn der Papst das auch noch in den übrigen ca. 200 Staaten machen würde, wäre das mal ein Anfang, der Demokratie mehr Freiheit zu verschaffen. MfG. Rainer
2. eigene Haustüre
spiegel-hai 25.07.2011
Zitat von sysopDer Skandal um sexuellen Kindesmissbrauch in Irland führt zu diplomatischen Verwerfungen: Der Papst hat seinen Botschafter aus Dublin zurückbeordert. Zuvor hatte Regierungschef Kenny dem Vatikan vorgehalten, Vergewaltigungen durch Priester verharmlost zu haben. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,776500,00.html
dieser aufgeblasene Wicht soll erst einmal vor der eigenen Haustüre kehren. So traurig und beschämend das Verhalten der betroffenen Kleriker ist, so unumgänglich die Erkenntnis, daß diese irische KK fest in der traditionellen irischen Gesellschaft verwurzelt ist, die das Problem Kindesmißbrauch erst "kürzlich" entdeckt hat, und selbst ein erhebliches Problem mit der diesbezüglichen Aufarbeitung der Vergangenheit hat.
3. Man
chico 76 25.07.2011
Zitat von sysopDer Skandal um sexuellen Kindesmissbrauch in Irland führt zu diplomatischen Verwerfungen: Der Papst hat seinen Botschafter aus Dublin zurückbeordert. Zuvor hatte Regierungschef Kenny dem Vatikan vorgehalten, Vergewaltigungen durch Priester verharmlost zu haben. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,776500,00.html
mag garnicht an die Dunkelziffern in den Staaten denken (Süd-Mittelamerika, Phillippinen etc.), bei denen die polizeiliche Verfolgung der Schandtaten noch lascher gehandhabt wird. Wer jetzt noch die kath. Kirche unterstützt (z.B.durch Kirchensteuer )muss sich fragen lassen, wieweit er damit auch Kriminalität unterstützt. Denn von Einzelfällen kann nicht mehr die Rede sein. USA, Irland, Deutschland u.s.w. sprechen eindeutig für systembedingte (Zölibat?) Verfehlungen.
4. Katholische Kirche abschaffen
Nina Sa. 25.07.2011
Leute, schafft doch endlich die katholische Kirche ab!! Religion (und nicht nur die Katholiken) hat schon immer nur Ärger gemacht. Gerade die Katholiken, die sogar im heutigen 21. Jhrd. ausschließlich von Männern geleitet wird, verzampfen nur Schwachsinn. Hat einer von den Bischöfen, Päpsten und was weiß ich in den letzen Jahren irgendeine vernünftige Aussage getätigt? Von den Gewalttaten, die die Männer untereinander immer schön verheimlichen und damit gutheißen ganz zu schweigen!!! Die ganz Propaganda (und es ist nichts anderes) der Katholiken trübt das klare Denken bestimmter, leicht zu beeinflussender oder weltfremder Menschengruppen.
5. Der Ruf der RKK war dem Vatikan
Gandhi 25.07.2011
schon immer wichtiger als die Umsetzung der Werte, die von der Kanzel gepredigt werden. Der Ire hat gut daran getan, die Heuchler zu entlarven, denn allzu lange hat man die Priester geschuetzt, deren Opfer als Luegner hingestellt. Der Erzbischof von Philadelphia, Rigali, hat sich gerade pensionieren lassen, weil er sich den Vorwuerfen, er habe nicht richtig auf Missbrauch reagiert, nicht stellen wollte. Statt die Missetaeter den Behoerden zu ueberstellen, hat man sie einfach an andere Orte versetzt (und die Glaeubigen sind immer entgeistert ueber die Vorwuerfe gegen ihren lieben Seelsorger).
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Fläche: 70.182 km²

Bevölkerung: 4,588 Mio.

Hauptstadt: Dublin

Staatsoberhaupt:
Michael D. Higgins

Regierungschef: Enda Kenny

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