Besserer Grenzschutz Ukrainischer Premier will Schutzmauer gegen Russland

Um Kämpfer aus Russland abzuwehren, hat der ukrainische Premier Jazenjuk einen abenteuerlichen Plan: eine 2000 Kilometer lange Mauer an der Ostgrenze des Landes - samt Stacheldraht und Minen.

Ukrainische Straßensperre bei Mariupol: 2000 Kilometer langer Elektrozaun?
AFP

Ukrainische Straßensperre bei Mariupol: 2000 Kilometer langer Elektrozaun?


Kiew - Ungewöhnliche Maßnahmen schweben der ukrainischen Regierung zur Sicherung ihrer Ostgrenzen vor: Kiew erwägt entlang der 2000 Kilometer langen Staatsgrenze zu Russland angeblich den Bau einer Mauer. "Wir wollen einen echten Schutz", sagte Ministerpräsident Arsenij Jazenjuk. Für seine Idee einer "echten Staatsgrenze" sei auch ein Elektrozaun mit Minen und Stacheldraht denkbar, sagte er.

Das Projekt soll Jazenjuk zufolge etwa hundert Millionen Euro kosten und innerhalb von sechs Monaten realisiert werden. Die tatsächlichen Kosten für ein solches Unterfangen lägen aber wohl eher im Milliarden-Bereich. Zudem ist völlig offen, ob und wie ein solches Bauprojekt umgesetzt werden könnte: Im Kampf gegen prorussische Separatisten hat die ukrainische Regierung die Kontrolle über einen Teil der Grenze in der Ostukraine verloren. Kiew wirft Moskau vor, über diese Lücken im Grenzschutz Nachschub für die Aufständischen einzuschleusen.

"Ein Betonsarkophag über Russland"

Aus Moskau kam scharfe Kritik an dem Vorstoß: "Das ist antirussische Rhetorik vor der ukrainischen Parlamentswahl am 26. Oktober", sagte der kommunistische Parlamentsabgeordnete Leonid Kalaschnikow laut der Agentur Interfax: "Als nächstes beschließt die Regierung in Kiew vermutlich, über Russland einen Betonsarkophag zu errichten."

Vor dem Hintergrund des Konflikts sprach sich Jazenjuk auch dafür aus, Russland offiziell als Aggressor zu bezeichnen. "Es ist das einzige Land, das unsere territoriale Integrität bedroht", so Jazenjuk. Die Ukraine erwarte vom Nato-Gipfel in Wales in dieser Woche deutlichen Beistand. "Unser Ziel ist ein Sonderstatus in den Beziehungen zur Nato", sagte Jazenjuk.

Zuletzt hatte es Verwirrung um einen angeblichen Waffenstillstand zwischen der Ukraine und Russland gegeben: Nachdem die ukrainische Seite erklärt hatte, die Staatschefs Wladimir Putin und Petro Poroschenko hätten eine dauerhafte Feuerpause ausgehandelt, dementierte Moskau diese Meldung wenig später. Russland könne solche Vereinbarungen nicht treffen, weil es keine Konfliktpartei sei, sagte ein Kreml-Sprecher. Zugleich erklärte er aber, die Präsidenten beider Seiten hätten telefoniert und seien sich über die möglichen Auswege aus der Krise "weitgehend einig".

mxw/dpa/Reuters

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insgesamt 62 Beiträge
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Al.Ba. 03.09.2014
1. Damit ist
doch klar das diese mauer nicht da verlaufen wird wo die jetzige grenze ist. Die menschen werden sich doch nciht von ihren verwandten eine mauer ziehen lassen. Es gibt dörfer da geht die grenze über eine straße. Wer einen Ukrainischen pass hat und wer einen russishcen ist fast willkürlich. Und da soll eine mauer hin? Wie sollen die leute im osten so eine entscheidung bitte azpetieren?
charlie18 03.09.2014
2. Endlich
hat jemand wieder die Absicht eine Mauer zu bauen. Für die marode Ukraine eine tolle ABM-Maßnahme.
kimba_2014 03.09.2014
3.
Ist doch Geldverschwendung. Eine Mauer kann im Zeitalter moderner Waffen nicht mal für ein paar Minuten einen Gegner wie Russland aufhalten. Dazu kommen noch die immensen Bau- und Instandhaltungskosten. Fragt mal Erich Honecker.
1willi 03.09.2014
4. Mit welchen Leuten haben wir es da zu tun?
Ein "antifaschistischer Schutzwall" (da war doch schon mal was!) für 100 Mio, das Land ist platt, die Bevölkerung friert im Winter, weil man das Gas nicht bezahlen kann und dann eine Mauer! Soll wohl vom Westen noch bezahlt werden??!!! Wann stellt der Westen endlich fest, daß man mit derartigen "Partnern" aber auch rein gar nichts anfangen kann!
Aegir 03.09.2014
5. .
Der Plan kursiert schon monatelang. Er wird aber wohl an mindestens 2 Faktoren scheitern: Die Regierung kontrolliert große Teile der Grenze gar nicht mehr, und die Ukraine kann sich so ein Mammutprojekt nie im Leben leisten.
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