Mauretanien Darum graben Zehntausende die Wüste um

Mit Spaten und Suchgeräten in die Wüste: Mauretanien erlebt einen Goldrausch. Detektorenhändler Ahmed Maham erklärt das lukrative Geschäft.

Tiguend

Ein Interview von


Die Islamische Republik Mauretanien ist eines der ärmsten Länder der Welt, das Staatsgebiet besteht größtenteils aus Wüste. Neben der Fischerei ist der einzige bedeutende Wirtschaftszweig der Erzbergbau, denn unter dem steinigen Wüstenboden der westlichen Sahara finden sich Eisen, Phosphat - und eine beträchtliche Menge Gold.

Das Sagen haben in Mauretanien traditionell die sogenannten "Weißmauren", eine hellhäutige, arabischstämmige Elite. Sie behält die Macht und die wenigen Reichtümer des Landes für sich, Schwarzafrikaner und nomadische Wüstenbewohner gehen meist leer aus.

Um der Armut zu entfliehen, greifen die Menschen in Mauretanien nach jedem Strohhalm - und sei es die vage Aussicht auf Gold, das in einem uralten, trockenen Flusslauf in der Wüste liegen soll und nach dem derzeit Zehntausende schürfen.

Ahmed Maham verkauft deshalb Goldsuchgeräte. Im Interview mit SPIEGEL ONLINE berichtet er von den - meist enttäuschten - Hoffnungen seiner Kunden und seiner eigenen Preispolitik.

Zur Person
  • SPIEGEL ONLINE
    Ahmed Maham, 26, ist Unternehmer in Mauretaniens Hauptstadt Nouakschott. Zur Zeit handelt er mit Goldsuchgeräten - aber auch mit Teppichböden und Waschpulver aus China, mit Makkaroni aus Tunesien, mit Reis und Öl.

SPIEGEL ONLINE: Herr Maham, zwischen der Hauptstadt Nouakschott und Nouadhibou soll Gold im Wüstensand liegen. Stimmt das? Oder ist es nur ein Gerücht, das sich Geschäftemacher zunutze machen?

Maham: Es gibt dort Gold, ich war selbst dort und habe es gefunden. Die kanadische Minenfirma Kinross betreibt nördlich von den aktuellen Schürfstätten sogar eine sehr profitable Goldmine.

SPIEGEL ONLINE: Hier in der Hauptstadt ist von einem Goldrausch die Rede. Wie viele Menschen graben derzeit die steinige Wüste um?

Maham : Es sind viele - ich schätze, vielleicht 50.000 Menschen. Es gibt bislang sechs Fundstellen entlang einer Strecke von etwa 50 Kilometern. Die Lizenz zum Goldsuchen von der Regierung bekommen nur Mauretanier - aber es sind dort auch Sudanesen unterwegs, die sich mit der Goldsuche auskennen.

SPIEGEL ONLINE: Haben die Leute für die Suche Bagger, spezielle Fahrzeuge, schweres Gerät?

Maham : Nein, das hat die Regierung verboten. Deshalb ist alles Handarbeit. Drei Leute buddeln, dann suchen sie. Manchmal geht es bis zu zwei bis drei Meter tief nach unten - immer in fünf-Zentimeter-Schritten, denn weiter reicht der Detektor bei den kleinen Goldstückchen dort nicht.

SPIEGEL ONLINE: Wofür braucht man dann eine Lizenz, und was kostet die?

Maham : Sie kostet 100.000 Ouguiya, als rund 250 Euro, im Vierteljahr. Die Lizenz braucht jeder, der dort mit einem Golddetektor suchen will.

SPIEGEL ONLINE: Das sind genau die Geräte, die Sie verkaufen. Wie läuft das Geschäft?

Maham : Als der Goldrausch begann, waren die Leute verrückt nach den Geräten. Sie mussten sich in meinen Laden hineindrängen, so voll war es hier. Die ersten Geräte gingen sofort weg, trotz des Stückpreises von 3200 Euro.

SPIEGEL ONLINE: In den USA kosten die Suchgeräte nur rund 800 Dollar, also weniger als ein Viertel. Ist das nicht Wucher?

Maham : Was soll ich sagen? Die ersten 60 Stück habe ich schnell verkauft, doch jetzt läuft es eher schleppend. Ich musste mit dem Preis auf die Hälfte runtergehen. Derzeit verkaufe ich nur etwa ein Gerät pro Tag.

SPIEGEL ONLINE: Sie waren selbst im Goldsuchgebiet, in der Steinwüste ungefähr 250 Kilometer nördlich der Hauptstadt. Wie viel haben sie gefunden?

Maham : Für mich waren zwei vierköpfige Teams dort, drei Wochen lang. Anfangs war ich dabei und habe die Geräte erklärt. Meist findet man nur kleinste Stückchen von 0,3 oder 0,5 Gramm. Meine Leute haben im Schnitt ein Gramm am Tag gefunden, so kamen ungefähr 40 Gramm zusammen.

SPIEGEL ONLINE: Haben sie das Gold zu Geld gemacht?

Maham : Der einzige legale Weg ist es, das Gold an die Regierung zu verkaufen. Die Zentralbank zahlt rund 34 Euro pro Gramm, also haben wir rund 1350 Euro gemacht.

SPIEGEL ONLINE: Das heißt: Nachdem acht Leute drei Wochen gebuddelt haben, hat sich nicht einmal der Kauf eines Geräts gelohnt. Da müssen sich doch Kunden beschwert haben?

Maham : Wer nichts findet, wird natürlich müde und frustriert. Die Leute werden wütend, auf die Regierung und auf Händler wie mich.

SPIEGEL ONLINE: Verständlich.

Maham : Die Käufer erwarten zu viel. Sie glauben, dass man meterweit in den Boden schauen kann. Sie beschwerten sich, dass die Geräte nicht funktionieren. Aber: Das Gerät ist keine Garantie, dass man Kilos Gold mit nach Hause bringt. Ich versichere nur: Wenn da Metall ist, findet es das Gerät.

SPIEGEL ONLINE: Es heißt, manche Mauretanier hätten ihr ganzes Hab und Gut verkauft, um in der Wüste nach Gold zu buddeln. Tun Ihnen die Menschen nicht leid?

Maham : Natürlich tun sie mir leid. Aber das ist kein Betrug hier. Wenn ich wüsste, dass dort Kilos Gold liegen, würde ich sie mir doch selber holen. Ich sage immer: Wenn du hingehst, wirst du etwas finden. An einem Tag ein Gramm, am nächsten Tag schon können es 50 sein. Wenn du härter arbeitest, findest du mehr. Und Glück gehört natürlich auch dazu.

SPIEGEL ONLINE: Sie beschreiben das, als wären es Hobbysucher, die es sich aussuchen können. Aber sind diese Leute nicht vielmehr verzweifelt?

Maham : In Mauretanien haben die Menschen keine Hobbys. Die fahren natürlich mit großen Erwartungen los. Das ist sehr harte Arbeit, es ist sehr heiß dort. Es gibt Zeltstädte und Märkte, auf denen man alles kaufen kann, aber alles da draußen ist teurer. Trotzdem kann es sich lohnen: Wer gräbt, wird etwas finden - auch wenn es sehr wenig sein kann.



insgesamt 7 Beiträge
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Seite 1
Hartmut Schwensen 13.08.2016
1.
Investiere bei einem Goldrausch nicht in die Goldgräber, sondern in Schaufeln! André Kostolany
dampfschiff 13.08.2016
2.
Lasst den Mann doch seine Geschäfte machen. Der Artikel hat wieder den typisch deutschen Unterton des fiesen Raubtierkapitalisten. Die Nachfrage reguliert den Preis und er macht niemandem falsche Versprechen. Wenn sich nun Leute finden die zu derart hohen Preisen diese Geräte kaufen dann lasst ihn doch in Ruhe verkaufen!
Hamberliner 13.08.2016
3. Kostolany
Zitat von Hartmut SchwensenInvestiere bei einem Goldrausch nicht in die Goldgräber, sondern in Schaufeln! André Kostolany
Das ist zwar richtig, aber da kann jeder Esel drauf kommen, sogar ich. Mir ist schon längst aufgefallen, dass jetzt, wo die Leute Schiss haben und der Goldpreis steigt, unter den am beständigsten steigenden Aktienkursen solche von Goldmining-Untermehmen sind. Offenbar solche, die mit schwerem Gerät, mit Baumaschinen, Tagebau im großen Stil betreiben. Außerdem hat Kostolany die Häfte vergessen. Dazu gehören auch Goldwaschpfannen, Eimer, Kiespumpen, Gummistiefel und ein Hut. Zumindest in der Schweiz, da geht man niemals ohne Hut zum Goldwaschen in den Fluss, das gehört sich nicht.
Dr.W.Drews 13.08.2016
4. Oder in Goldsucherhosen bzw. Jeans
Zitat von Hartmut SchwensenInvestiere bei einem Goldrausch nicht in die Goldgräber, sondern in Schaufeln! André Kostolany
Levi Strauss hat so sein Geld verdient indem er den Goldsuchern stabile Hosen verkauft hat.
jotha58 14.08.2016
5. ja, in der Tat
die Equipmenthändler werden reich, die Goldschürfer haben das Nachsehen. Allerdings werden die nicht zu dem Tun gezwungen. Sie könnten ja auch Gemüse anbauen und das verkaufen.
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