Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Geschlossene Balkanroute: Flüchtlinge ertrinken in mazedonischem Grenzfluss

Flüchtlingslager Idomeni Zur Großansicht
Getty Images

Flüchtlingslager Idomeni

Sie wollten unbedingt nach Mazedonien und bezahlten mit ihrem Leben: Für drei Flüchtlinge endete die Flucht über einen Fluss nahe des griechischen Flüchtlingslagers Idomeni tödlich.

Die Lage der rund 12.000 Flüchtlinge in der griechischen Zeltstadt Idomeni an der geschlossenen Grenze nach Mazedonien ist nach wie vor dramatisch: In der Nacht zum Montag starben drei Migranten bei dem Versuch, trotz der Grenzschließung die mazedonische Seite zu erreichen. Sie ertranken, als sie einen durch die heftigen Regenfälle stark angeschwollenen Fluss nahe der Grenze durchqueren wollten.

Die Leichen von zwei Männern und einer Frau seien am frühen Montagmorgen gefunden worden, sagte eine Polizeisprecherin der Nachrichtenagentur Reuters. Die Toten sollen aus Afghanistan stammen, berichtet die staatliche griechische Nachrichtenagentur ANA-MPA. 23 weitere Flüchtlinge, die es von Griechenland nach Mazedonien geschafft hatten, seien in ein Durchgangslager gebracht worden.

Fotostrecke

6  Bilder
Fotograf Pastor im Flüchtlingslager Idomeni: "Es war ein einziges Chaos"
In Idomeni ist die Lage wegen des seit Tagen andauernden Regens für viele Flüchtlinge unerträglich geworden. Dutzende Menschen, darunter viele Kinder, seien krank, berichtet das griechische Staatsfernsehen. Mehrere Hundert Migranten sollen am Montag ihre Sachen gepackt und die völlig verschlammte Zeltstadt verlassen haben, berichten NGO-Vertreter aus dem Camp.

Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL)
Die Behörden riefen die Migranten abermals auf, das improvisierte Camp in Idomeni zu verlassen und in andere organisierte Lager im Landesinneren zu gehen. Bislang sollen nach Schätzungen griechischer Medien etwa 1400 Menschen Idomeni verlassen haben.

Boot in der Ägäis gekentert, acht Menschen vermisst

Auch in der Ägäis ist die Situation weiter angespannt: Vor der griechischen Insel Kos kenterte am Montag ein Flüchtlingsboot. Acht Menschen wurden nach Angaben der griechischen Küstenwache vermisst, fünf konnten aus den Fluten gerettet werden. Das Flüchtlingsboot war aus der Türkei gestartet. Hubschrauber nahmen an der Suchaktion teil. In der Region herrschten starke Winde, wie der Sprecher der Küstenwache, Nikos Langadianos, im Fernsehen mitteilte.

Der Zustrom über die Ägäis ist weiter enorm. Allein am vergangenen Wochenende setzten nach vorläufigen Behördenangaben fast 4000 Migranten von der Türkei nach Griechenland über. Laut griechischem Krisenstab befinden sich aktuell mehr als 44.500 Migranten in Griechenland. Fast 9300 Migranten wurden auf den Inseln der Ostägäis gezählt, gut 11.000 im Großraum Athen. Ein großer Teil harrt im improvisierten Camp von Idomeni an der griechisch-mazedonischen Grenze und in Lagern in Nordgriechenland aus.

cht/gic/Reuters/dpa

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Fotostrecke
Fotograf Pastor im Flüchtlingslager Idomeni: "Es war ein einziges Chaos"

Anzeige
  • Maximilian Popp (Hrsg.):
    Tödliche Grenzen

    Die Krise der europäischen Flüchtlingspolitik.

    SPIEGEL E-Book; 2,99 Euro.

  • Bei Amazon kaufen.

Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: