Grenzzaun in Mazedonien Steinwürfe und Blendgranaten

Mazedonien errichtet einen meterhohen Zaun an der Grenze zu Griechenland, um Flüchtlinge zurückzuhalten. Am Samstag gab es einen tragischen Unfall, im Anschluss daran eskalierte die Situation. Es flogen Steine und Blendgranaten.


Die Spannungen zwischen mazedonischen Sicherheitskräften und Flüchtlingen an der griechisch-mazedonischen Grenze drohten am Samstag vorübergehend zu eskalieren. Mazedonische Soldaten bauen dort derzeit einen Grenzzaun mit drei Meter hoch aufragenden Metallpfosten, die in den Boden entlang der Grenze zwischen den beiden Staaten gerammt werden.

Die Armee setzte schweres Gerät ein, um die hohe Absperrung bei Gevgelija schrittweise aufzustellen. Ein Unfall führte dann möglicherweise dazu, dass es zwischen den wartenden Flüchtlingen auf der griechischen Seite und mazedonischen Polizisten zu Gewalttaten kam. Ein Mann war der Agentur AP zufolge auf einen Zug geklettert und hatte die Oberleitung angefasst. Er zog sich schwere Verbrennungen zu, die auch auf Agenturfotos vom Unfallort zu sehen sind.

Der Mann wurde in ein griechisches Krankenhaus gebracht, sein Zustand sei kritisch, berichtete die griechische Polizei. Der Unfall führte offenbar dazu, dass einige der wartenden Flüchtlinge damit begannen, die Polizeibeamten auf der anderen Seite mit Steinen zu bewerfen. Die habe die etwa 250 Steinewerfer anschließend mit Blendgranaten und Tränengas zurückgedrängt, berichten AP und Reuters.

Dem Bericht zufolge positionierten sich griechische Polizisten schließlich zwischen Steinewerfern und mazedonischen Beamten, um letztere zu schützen. Die Flüchtlinge hätten die griechischen Beamten nicht angreifen wollen.

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Mazedonisch-griechische Grenze: Gewalt am Zaun
Mazedonien, Serbien und Kroatien liegen auf der sogenannten Balkanroute, über die Hunderttausende Menschen in EU-Länder fliehen. Ein Großteil von ihnen will nach Deutschland weiterreisen. Die Sicherheitsvorkehrungen wurden nach den Anschlägen vom 13. November in Paris verstärkt.

Vor rund einer Woche erließ die mazedonische Regierung eine Neuregelung, nach der nur noch Syrer, Afghanen und Iraker durchgelassen werden. Alle anderen Flüchtlinge werden von Mazedonien als Wirtschaftsmigranten eingestuft. Ähnliche Regelungen bestehen in Serbien und Kroatien.

Ein Sprecher der mazedonischen Regierung hatte erklärt, der neue Zaun diene lediglich dazu, "den Zufluss der Menschen zu den Kontrollpunkten für die Registrierung und humanitäre Behandlung zu leiten". Die Grenze bleibe offen für all jene, die "aus vom Krieg betroffenen Regionen kommen".

cis/AFP/AP/Reuters



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