Griechenlands Streit mit Russland Machtkampf um Mazedonien

Einst galten Moskau und Athen als enge Partner, doch das ist vorbei: Griechenlands Premier Tsipras hat Moskauer Diplomaten ausgewiesen. Sie sollen den Streit mit Mazedonien angeheizt haben.

Alexis Tsipras
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Alexis Tsipras

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Kaum war Alexis Tsipras als griechischer Premier im Amt, da traf er Moskaus Botschafter in Athen. Eine "Brücke zwischen Russland und Europa" wolle Griechenland sein, sagte der Links-Politiker damals - und brach bald darauf zu einer Moskaureise auf. Es schien, als hätte der Kreml den perfekten Verbündeten in der EU gefunden. Drei Jahre ist das her.

Doch ausgerechnet dieser Verbündete ist nun offenbar verärgert über Moskau - so sehr, dass Athen zwei russische Diplomaten des Landes verwiesen und zwei weiteren Russen die Einreise verweigert hat.

Moskaus Vertreter hätten versucht, Beamte zu bestechen, berichtete die griechische Zeitung "Kathimerini". Sie hätten versucht, mit Geldgeschenken Einfluss auf Lokalpolitiker, Bischöfe und auf die Mönchsrepublik Athos zu nehmen. Vor allem aber: Russland habe Griechenlands Konflikt mit seinem Nachbarn Mazedonien befeuert.

Dieser Vorwurf ist besonders brisant - auch für Europa. Denn auf ihrem Gipfel diese Woche hat die Nato Mazedonien zu Beitrittsgesprächen eingeladen, zum Ärger Moskaus, das die Erweiterung der Militärallianz nach Osten ablehnt. Den Weg für einen Beitritt hatten Tsipras und sein Außenminister Nikos Kotzias freigemacht.

Bis vor Kurzem hatte Athen das blockiert, weil die Regierung sich am Namen des Nachbarn störte: "Makedonien" sei schließlich eine Region in Griechenland. Erst im Juni hatten beide Länder sich auf die Umbenennung in "Nord-Mazedonien" geeinigt. Es ist ein in Griechenland umstrittener Kompromiss, 70 Prozent der Bevölkerung lehnen ihn derzeit laut Umfragen ab, auch Tsipras' Koalitionspartner.

Warnungen ignoriert

Diesen Konflikt wollte Moskau nun offenbar verstärken, indem es Proteste gegen die Einigung mit Mazedonien anstachelt, um den Nato-Beitritt zu verhindern. Darauffolgende vertrauliche Warnungen der griechischen Regierung, Moskau möge die störenden Diplomaten abziehen, wurden ignoriert. So kam es nun zum Eklat.

Dabei geht es offenbar vor allem um die "Kaiserliche Orthodoxe Palästina-Gesellschaft" (Ippo), die vom russischen Ex-Premier und Ex-Geheimdienstchef Sergej Stepaschin geleitet wird. Gegründet 1882 zur Unterstützung von Pilgern im Heiligen Land, ist der Verein heute ein Mittel, mit dem Russland seinen Einfluss in der christlich-orthodoxen Welt ausbaut. Enge Kontakte bestehen zur Mönchsrepublik Athos, einem beliebten russischen Pilgerort. 2016 reiste Stepaschin nach Griechenland, um die erste Filiale der Ippo zu eröffnen. Der russische Staat müsse in Griechenland "eine ernsthafte Propaganda-Arbeit betreiben, ich fürchte dieses Wort nicht", sagte er damals.

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Vizechef der Filiale in Thessaloniki wurde Alexej Popow, damals Russlands Generalkonsul in der Stadt. Er zählt offenbar zu den vier Russen, die Athen des Landes verweist. Das erfuhr die Öffentlichkeit aus dem Mund von Kyriakos Velopoulos, dem Chef der prorussischen Partei "Griechische Lösung", der die Ausweisung kritisierte.

Spekulationen über Einfluss der USA

Chef der Ippo-Filiale ist Simos Panagiotidis, ein einflussreicher Bauunternehmer mit Kontakten nach Russland. Gefeiert wurde die Eröffnung in einem Kloster mit dem Erzbischof von Veria Panteleimon, der ebenfalls gute Beziehungen zu Russland pflegt - und der für Ende Juli zu einer Demonstration gegen den Mazedonien-Kompromiss aufgerufen hat. Dem SPIEGEL sagte Panteleimon, sein Widerstand gegen Tsipras' Kompromiss sei nichts als patriotische Pflicht. "Ich habe nie finanzielle Hilfe von Russland erhalten oder Anweisungen entgegengenommen."

In Athen wird über den Einfluss der USA auf die Entscheidung der Regierung Tsipras zur Ausweisung spekuliert. US-Botschafter Geoffrey Pyatt warnte mehrfach vor wachsendem russischem Einfluss im Land.

Griechisch-mazedonische Einigung

Zwar ist Russlands Engagement in Griechenland bisher geringer ausgefallen als es die Vereinigten Staaten bei Tsipras' Amtsantritt befürchtet hatten. Russland hat Athen Kredite verweigert, es hat kaum in privatisiertes Staatseigentum investiert und nicht einmal sein Embargo gegen griechisches Obst und Gemüse gelockert.

Aber der Vorwurf russischer Einmischung in die Innenpolitik wird auch von anderen Balkanländern erhoben. In Montenegro, ebenfalls einem Nato-Beitrittskandidaten, wird wegen eines angeblichen prorussischen Umsturzversuchs im Jahr 2016 ermittelt. Und auch Mazedonien hat Moskau im Verdacht, wie aus Geheimdienstdokumenten hervorgeht, die 2017 öffentlich wurden. Agenten des russischen Auslandsgeheimdiensts SWR und des Militärgeheimdiensts GRU hätten - aus den russischen Botschaften Skopje und Sofia heraus - versucht, das Land politisch zu isolieren, heißt es.

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melnibone 13.07.2018
1. Ein Ministerpräsident ...
aus Griechenland muss seinen Amtskollegen aus dem schwarzen Nullbereich aus Mittel-und Nordeuropa ... vormachen, wie man Korruption und Vorteilsnahme einschränkt. Ein Hurra für und an ... sämtliche Bundesdeutschen Großbaustellen ... ist es das, ist es immer wichtiger, dass andere zuerst und bedingungslos verdienen dürfen. Und moralische Instanz darf Griechenland aufbauen. Der politische Einfluss Russlands in Griechenland ist bereits übermässig. Man sehe die diversen Projekte und Jachten der armen russischen ´Invasoren´.
Actionscript 13.07.2018
2. Themen für Putin-Trump Treffen
Das Mazedonien Problem könnte durchaus ein Thema sein, dass Putin mit Trump besprechen will. Er könnte hier durchaus einen Deal mit Trump machen, dass Trump verhindert, dass Nord-Mazedonien in die NATO eintritt. Als Gegenleistung könnte Trump von Putin die Zusicherung bekommen, sich in den Irankonflikt und die Isolierung Irans nicht einzumischen. Alles geschieht genau zum richtigen Zeitpunkt vor dem Treffen.
gunpot 13.07.2018
3. Das muss man nicht so dramatisch sehen
Als ich der zuständige Beamte bei der EU für Mazedonien und Albanien in der zweiten Hälfte der 90iger Jahre war, war ich direkt in den Konflikt um die richtige Namensgebung der Republik Mazedonien involviert. Aufgrund griechischen Drucks durften wir in der EU Mazedonien nur als FYROM (Former Yugoslav Republik of Macedonia) bezeichnen. Im internen Briefverkehr mit Skopje verzichteten wir dennoch auf diese Benennung, Ich selbst richtete meine mails und Briefe an die Republik Mazedonien. Nur so war es möglich, mit den derzeit bestehenden politischen Strukturen Mazedoniens zu einvernehmlichen Lösungen zu kommen. Hauptsächlich im Hinblick auf die Finanzierung der EU im infrastrukturellen Bereich, von der auch Griechenland profitierte, u.a. die Verbesserung der Transitkorridore nach Saloniki. Alles in allem fand ich die Mazedonier bei weitem weniger korrupt als unsere griechischen EU-Partner. Na ja, diejenigen, die damals meinten, man müsse die Griechen in der EU aufnehmen, hatten immer noch das antike Hellas vor Augen, die Wiege unser Demokratie. Ist ja nichts dagegen einzuwenden. Leider hat man sich aber nicht genau die Neugriechen angeschaut.
melnibone 13.07.2018
4. Herzlichen Dank ...
Zitat von gunpotAls ich der zuständige Beamte bei der EU für Mazedonien und Albanien in der zweiten Hälfte der 90iger Jahre war, war ich direkt in den Konflikt um die richtige Namensgebung der Republik Mazedonien involviert. Aufgrund griechischen Drucks durften wir in der EU Mazedonien nur als FYROM (Former Yugoslav Republik of Macedonia) bezeichnen. Im internen Briefverkehr mit Skopje verzichteten wir dennoch auf diese Benennung, Ich selbst richtete meine mails und Briefe an die Republik Mazedonien. Nur so war es möglich, mit den derzeit bestehenden politischen Strukturen Mazedoniens zu einvernehmlichen Lösungen zu kommen. Hauptsächlich im Hinblick auf die Finanzierung der EU im infrastrukturellen Bereich, von der auch Griechenland profitierte, u.a. die Verbesserung der Transitkorridore nach Saloniki. Alles in allem fand ich die Mazedonier bei weitem weniger korrupt als unsere griechischen EU-Partner. Na ja, diejenigen, die damals meinten, man müsse die Griechen in der EU aufnehmen, hatten immer noch das antike Hellas vor Augen, die Wiege unser Demokratie. Ist ja nichts dagegen einzuwenden. Leider hat man sich aber nicht genau die Neugriechen angeschaut.
für ihre Spätanalyse. Leider, leider haben sich die Verhältnisse seit damals etwas verändert. Sicher ist der ´Namensstreit´, der ja offiziell beigelegt ... scheint, nicht der eigentliche Auslöser für die Ausweisung russischer Staatsbürger. Sie dürfen schon von Korruption und gezielter Einflussnahme Russlands ausgehen. Die alten Griechenlandkamellen können sie sich klemmen. Ihr Helmut wollte ... Wenn sich ein Volk die europäische Wohlwollensaufnahme nachträglich erwirkt hat, ist es Griechenland. Man sehe diese sozialen Verwerfungen in diesem Lande ... vermehrt angerichtet von aufrechten deutschen Staatsbürgern.
snof 13.07.2018
5. #5
Griechenland wurde 1981 Vollmitglied der EG und nicht der EU. Ich bezweifle deshalb auch stark, dass Sie jemals bei der EU gearbeitet haben... korrupt sind leider alle auf dem Balkan, eine Art Überbleibsel der Osmanen und der K&K Monarchie ...
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