McCain gegen Steinmeier "Er hat keine Glaubwürdigkeit"

Kaum hat Frank-Walter Steinmeier den umstrittenen Brief von US-Senatoren im Atomstreit mit Iran kritisiert, kommt die Antwort: Der einflussreiche Republikaner John McCain wirft dem Außenminister vor, Beschwichtigungspolitik zu betreiben.

US-Senator John McCain: "Er hat für mich in keiner Weise Glaubwürdigkeit"
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US-Senator John McCain: "Er hat für mich in keiner Weise Glaubwürdigkeit"


Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier hat mit seiner Kritik an dem Iran-Brief von 47 US-Senatoren den Zorn des republikanischen Senators John McCain auf sich gezogen. Steinmeier "hat für mich in keiner Weise Glaubwürdigkeit", sagte McCain am Donnerstag vor Journalisten. "Der deutsche Außenminister ist der gleiche Typ, der sich mit seiner Regierung weigert, das Verhalten von Wladimir Putin einzuschränken, der gerade in diesem Moment Ukrainer abschlachtet."

Steinmeier hatte am Donnerstag in Washington sein Unverständnis über die 47 republikanischen Senatoren geäußert, die Anfang der Woche in einem Brief an die Führung in Teheran das angestrebte Abkommen über das iranische Atomprogramm unter Vorbehalt des US-Kongresses gestellt hatten. US-Präsident Barack Obama und seine Demokraten prangerten das Schreiben als beispiellose Einmischung in die außenpolitischen Geschäfte der Regierung an.

Steinmeier befürchtete, dass der Vorgang das Vertrauen Teherans in die Atomgespräche untergraben könnte. "Die Verhandlungen sind schwierig genug. Und deshalb brauchten wir eigentlich keine zusätzlichen Irritationen", sagte er.

Senator McCain sagte dagegen, er sei froh, seine Unterschrift unter den umstrittenen Brief gesetzt zu haben. Der frühere republikanische Präsidentschaftskandidat warf Steinmeier vor, der "Neville-Chamberlain-Denkschule der Diplomatie" anzugehören - und nahm damit Bezug auf den früheren britischen Premierminister, der in den Dreißigerjahren Beschwichtigungspolitik gegenüber Nazi-Deutschland betrieb.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel wurde scharf kritisiert. Sie habe bei der Münchner Sicherheitskonferenz Unsinn erzählt, sagte McCain. "Sie haben die Krim inzwischen stillschweigend aufgegeben, sie haben die Ostukraine stillschweigend aufgegeben", sagte er.

Der russische Präsident Wladimir Putin werde weiter auf Mariupol vorrücken. Merkel habe alles abgelehnt, "was man sinnvoll tun könnte, um seine Aggression zu stoppen". Und McCain verglich die Situation erneut mit der Nazi-Zeit. "Es ist ein schändliches Kapitel der Geschichte, und es ist eine Wiederholung der Dreißigerjahre."

mia/AFP/Reuters



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insgesamt 85 Beiträge
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Seite 1
sevastianos68 12.03.2015
1. Sehr geehrter Herr McCain,
sie und ihres Gleichen, bekamen die Antwort die ihnen gebührt bereits aus dem Iran. Die Welt, Herr Senator, braucht ganz gewiss keine Ratschläge und Lehrstunde weder von Ihnen noch von Ihresgleichen. Bisher sind sie nur negativ aufgefallen, entweder dadurch dass die Presidentenwahl nicht gewonnen haben, und des öfteren mit Beleidigungen und leeren Phrasen. Es sollte jetzt genug sein...
vergo 12.03.2015
2. Die Republikaner vor dem Aus
Anders kann man sich so etwas doch nicht mehr erklären. Da werden von oberster Stelle öffentlich Vergleiche zwischen Deutschland und dem Nazi-Regime gezogen weil versucht wird Deeskalation zu betreiben. Und gerade die USA sollte sich vollkommen ruhig verhalten was einen offenen Konflikt mit Russland angeht. Dieser Krieg findet vor unserer Haustür statt und diese schießwütigen Cowboys sitzen auf der anderen Seite der Erde und hauen Macho-Sprüche raus. Ach ja, und was ist unglaubwürdiger als eine Regierung die sich gegenseitig selbst untergräbt. Die USA wird immer mehr zur Witzfigur der Weltpolitik
arrache-coeur 13.03.2015
3.
Schändlich ist vor Allem das Verhalten von McCain. Der lavierende Steinmeier ist auch nicht so mein Ding, aber McCain gehört eindeutig zu den Ewiggestrigen, obwohl er es als sog. "Held" eigentlich besser wissen müsste. Gut für alle, dass der Welt ein Präsident McCain erspart blieb.
stefan.martens.75 13.03.2015
4. Geschichte ist was für den Rest der Welt
Auf keinen Fall etwas für die Amerikaner! Wie man es wagen kann nach Irak/Afghanistan/AbuDhabi/Guantanomo und Drohnenterror überhaupt noch moralische Urteile zu fällen ist an Lächerlichkeit nicht zu überbieten. Jedenfalls solange es die selben Politiker sind die sich das ernsthaft trauen......
torstenschäfer 13.03.2015
5. Ein Kriegstreiber
John McCain konnte gar nicht genug Soldaten in den Irak schicken. Das Völkerrecht war ihm damals egal und ist es heute noch.
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