McCains Orbán-Schelte "Neofaschisten"-Zitat - Ungarn bestellt US-Gesandten ein

Es besteht eiliger Gesprächsbedarf: Die Regierung in Budapest hat den höchsten Repräsentanten der USA einbestellt. Senator McCain hatte Ungarns Präsidenten Orbán zuvor als "neofaschistischen Diktator" beschimpft.

US-Senator McCain: "Diktator, der sich mit Putin ins Bett legt"
AFP

US-Senator McCain: "Diktator, der sich mit Putin ins Bett legt"


Washington/Budapest - Das Verhältnis zwischen Ungarn und den USA durfte zuletzt durchaus als frostig bezeichnet werden. Nun gibt es neue Verwerfungen auf höchster diplomatischer Ebene. Die ungarische Regierung hat auf drastische Aussagen von US-Senator John McCain reagiert - und den Gesandten der USA einbestellt.

Der amerikanische Geschäftsträger in Budapest, André Goodfriend, wurde am Mittwoch zum Gespräch gebeten, wie die Nachrichtenagentur Reuters meldet. Der Geschäftsträger ist der diplomatische Vertreter eines Landes, angesiedelt unterhalb des Botschafters.

McCain hatte den rechtskonservativen Ministerpräsidenten Viktor Orbán zuvor als "neofaschistischen Diktator" bezeichnet. Die verbale Entgleisung leistete sich der US-Senator bereits am Vortag in einer Anhörung des US-Senats zu Botschafterernennungen. Dabei hatte er die Entsendung der TV-Produzentin Colleen Bell nach Budapest scharf kritisiert. Diese sei "völlig unqualifiziert", um die US-Interessen in dem strategisch wichtigen mitteleuropäischen Land zu vertreten. Bell hatte US-Präsident Barack Obama im Wahlkampf finanziell unterstützt.

"Ich bin nicht gegen politische Ernennungen", führte McCain aus. "Aber hier haben wir ein Land (Ungarn), das an der Schwelle dazu steht, seine Souveränität an einen neofaschistischen Diktator abzutreten, der sich mit Wladimir Putin ins Bett legt, und wir schicken die Produzentin von 'Reich und schön' als Botschafterin dahin." Damit spielte er auf eine bekannte TV-Serie an.

Die EU und die USA werfen Orbán einen autoritären Regierungsstil vor. Auch wegen der Anlehnung an Putins Russland nahm Orbán Konflikte mit seinen westlichen Verbündeten in Kauf. Die USA hatten zuletzt gegen sechs hohe ungarische Regierungsoffizielle, unter ihnen die Leiterin der Steuerbehörde, wegen mutmaßlicher Korruption Einreiseverbote verhängt.

jok/Reuters/dpa



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insgesamt 29 Beiträge
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abrweber 03.12.2014
1. Mc. Cain einer der größten
US Heuchler, der im Mai 2013 noch die IS Führer hofierte. Ungarn sollte die US Vertreter nach Haus schicken.
spon-facebook-1049022215 03.12.2014
2. Wenn er recht hat, hat er recht
McCain hat ja recht mit seiner Aussage, und es ist für mich verwunderlich, wie uninteressiert Europa an Orbáns Treiben ist. Einst bei dem im Verhältnis zu Orbán gerade zu linken Jörg Haider hat halb Europa die diplomatischen Beziehungen zu Österreich abgebrochen, und dabei war damals die Demokratie in Österreich weit weniger gefährdet, als sie das in Ungarn derzeit ist.
plang 03.12.2014
3.
Es ist möglich, dass Orban nicht in die EU paßt und dass er nicht den Wünschen der derzeitigen USA entspricht. Aber ist man wirlich ein Neofaschist, ein Diktator, wenn man sein Land vor unsinnigen Bevormundungen zu schützen sucht?
bepekiel 03.12.2014
4. recht hat er
nur die EU sehen dem rechten Treiben und nicht nur in Ungarn zu, tatenlos und gleichgültig. Da frage ich mich, ist das noch die gleiche Wertegemeinschaft?
damalswarallesbesser 03.12.2014
5. Ich mag zwar McCain absolut nicht, aber
Zitat von abrweberUS Heuchler, der im Mai 2013 noch die IS Führer hofierte. Ungarn sollte die US Vertreter nach Haus schicken.
wenn Sie auf die im Netz kursierenden Fotos Bezug nehmen, so handelte es sich dabei offensichtlich um eine Fälschung, die von der iranischen Nachrichtenagentur Irna in die Welt gesetzt wurde. Falls Sie noch andere echte Beweise haben, bitte her damit, die Welt wäre Ihnen dankbar.
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