Charlotte/Washington - Der amerikanische Präsident Barack Obama hat seine Anhänger auf dem Parteitag der US-Demokraten in Charlotte um mehr Zeit zur Lösung der Wirtschaftskrise gebeten. Es werde länger "als einige wenige Jahre dauern", um die schlechte Wirtschaftslage zu verbessern, sagte er. In den vier Jahren im Weißen Haus habe er nicht alle seine Ziele erreicht. Doch die Probleme könnten gelöst werden.
Überzeugend finden das die Kommentatoren der US-Medien nicht. Lesen Sie hier einige Meinungen:
Chris Cillizza schreibt in der "Washington Post" zur Ansprache des US-Präsidenten:
"Kurz gesagt: Es war nicht die Art von historisch denkwürdiger Rede, die der ehemalige US-Präsident Bill Clinton am Mittwochabend ablieferte. Aber Obamas Rede wird auch nicht als kolossaler Flop in Erinnerung bleiben. Wenn wir eine Kategorie zwischen Sieg und Niederlage hätten (...), dann würde Obamas Rede in diese fallen."
Sein Kollege Matt Miller lobt in der "Washington Post" die großen politischen Projekte Obamas, macht aber auch ein Gefühl der Ernüchterung aus:
"Obamas Rede lässt mich leicht depressiv zurück. 1992 schrieb Paul Krugman das Buch 'Das Zeitalter der kleinen Erwartungen'. An dieses Gefühl habe ich mich erinnert, als Obama seine politischen Ziele für die nächsten vier Jahre skizzierte."
Jonathan Bernstein kommentiert ebenfalls in der "Washington Post", er meint:
"Barack Obamas Rede heute Abend war eine gute - aber keine große, und wenn man bedenkt, dass diese Reden einfach zu halten sind, ist die von Obama eine sehr solide Leistung."
Auf der Webseite "The Daily Beast" titelt Howard Kurtz "Vier Jahre später - Obama nüchtert aus":
"Präsident Obama (...) ersetzte sein Hope-und-Change-Mantra durch eine eher nüchterne Aufforderung für einen 'härteren' Weg zu wirtschaftlichem Wohlstand. (...) Es war nicht Obamas größte Rede, auch nicht seine leidenschaftlichste. Es war vielmehr eine erwachsene Rede, eine substantielle - eine, die die hohen Töne traf, aber nie in die Höhe schnellte. Was auch immer die spätere Euphorie erzeugen wird, könnte schon bald verblassen, wenn die Wähler wieder mit der Wirklichkeit einer instabilen Wirtschaft und neuen Arbeitslosenzahlen (...) konfrontiert werden.
Sein Kollege Michael Tomasky geht bei "The Daily Beast" noch härter mit dem Präsidenten ins Gericht, er ist enttäuscht von Obamas Ansprache - seine Überschrift lautet "Er hat's vermasselt" :
"Lassen Sie uns ehrlich sein. Barack Obama hat eine glanzlose und langweilige Rede heute Abend gehalten - nicht eine interessante Lehre, politische Linie oder Redewendung."
Die "New York Times" vergleicht Obamas Ansprache mit der von Ex-Präsident Bill Clinton:
"Mittwochnacht kämpfte Clinton gegen die Republikaner bei den Themen Medicaid und Medicare - zwei Bereiche, in denen die Obama-Kampagne es nicht vermochte, Zugkraft zu gewinnen. Clinton argumentierte für die Gesundheitsreform, eine finanzielle Re-Regulierung und eine gerechte Besteuerung - und tat dies alles, während er die Menge anfeuerte. Obama schaffte diese Bravourleistung am Donnerstag nicht. Aber er stellte sich in Charlotte den Aufgaben, die auf ihn warten."
Der britische "Telegraph" schreibt zur Rede des US-Präsidenten:
"Ein trauriger, weiser Obama hat sich an seine Fußsoldaten gewandt. Als schlachterprobter Kommandant trägt er die Narben aus vier Jahren politischer Kriegsführung. Die Unschuld vergangener Jahre ist der Erfahrung gewichen, in vier Jahre die Probleme der USA nicht lösen zu können. Für einen Präsidenten, der sonst rhetorische Höhen erklimmt, war es eine bemerkenswert bodenständige Rede."
heb/jok/pad
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