Medienbericht Britischer Experte von ABC-Waffen im Irak überzeugt

Der britische Waffenexperte David Kelly war laut einem BBC-Bericht davon überzeugt, dass Saddam Hussein im Besitz von Massenvernichtungswaffen war. Kelly beging im vergangenen Sommer Selbstmord. Premier Tony Blair wiederholte derweilen seine Überzeugung, dass der irakische Ex-Präsident diese Waffen besaß.


Todesumstände noch immer Gegestand einer Untersuchung: David Kelly
DPA

Todesumstände noch immer Gegestand einer Untersuchung: David Kelly

London - In dem bislang unveröffentlichten Interview, das heute Abend ausgestrahlt wird, soll Kelly gesagt haben, von den vor Beginn des Irak-Kriegs Anfang 2003 in dem Land vermuteten Massenvernichtungswaffen gehe eine unmittelbare Gefahr aus, berichtete der britische Sender heute auf seiner Internet-Seite.

Dem Vorabbericht zufolge bezeichnete der Wissenschaftler Saddam in dem Gespräch als eine "akute Bedrohung". Zu den vermuteten Massenvernichtungswaffen habe Kelly erklärt: "Auch wenn sie nicht heute (die Gefechtsköpfe) gefüllt und einsatzbereit haben, so existieren Ressourcen, die innerhalb von Tagen oder Wochen gefüllt und einsatzfähig gemacht werden können." Tony Blair hatte dagegen gewarnt, Saddams Waffen seien in nur 45 Minuten einsatzfähig.

Kurz vor Kellys Tod wurde er öffentlich als Informant eines kritischen BBC-Berichts zum Irak-Krieg geoutet, der die Regierung Blair in Bedrängnis brachte. In dem Bericht war Blairs Begründung für den Kriegseinsatz an der Seite der USA - die angebliche Existenz bis heute nicht aufgefundener Massenvernichtungswaffen im Irak - als bewusste und politisch motivierte Übertreibung dargestellt worden.

In einer Woche will Lordrichter Hutton einen Untersuchungsbericht zu Kellys Tod vorlegen, dessen Inhalt auch über Blairs politische Zukunft entscheiden könnte.

Blair ohne Zweifel

Auch Blair ist weiterhin von der Existenz von Massenvernichtungswaffen im Irak überzeugt. In der Fragestunde des Unterhauses versicherte er, die Suche nach Massenvernichtungswaffen gehe weiter. "Es gibt keinen Zweifel, dass es all diese Waffen gab. Absolut keinen Zweifel", sagte er.

Charles Kennedy, Vorsitzender der Liberaldemokraten im Unterhaus, hatte von Blair wissen wollen, ob sich die "Rhetorik" von Blair und US-Präsident George W. Bush in der umstrittenen Frage der Waffen in jüngster Zeit verändert habe. So habe Bush in seiner Regierungserklärung lediglich von "Aktivitäten" gesprochen, die in Zusammenhang mit einem Programm für Massenvernichtungswaffen gestanden hätten.



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