Medienmissbrauch Wenn Berlusconi als Hörer anruft

Italiens Oppositionsführer Romano Prodi hat Silvio Berlusconi vorgeworfen, seine Medienmacht zu missbrauchen, weil er seit Tagen auf allen TV- und Radiokanälen präsent sei. Mehrfach habe sich der Ministerpräsident sogar als einfacher Hörer zu Wort gemeldet.


Rom - In den vergangenen zwei Wochen habe Berlusconi drei Stunden und sechs Minuten Sendezeit in den Nachrichten und anderen TV-Sendungen gehabt, er selbst aber nur acht Minuten, beklagte sich Prodi im öffentlich-rechtlichen Radiosender Radio 1. Berlusconi sei sieben Mal Interview-Gast in Radio und Fernsehen gewesen. In einigen Fällen rief der Ministerpräsident als einfacher Hörer selbst bei den Sendern an, um sich zu Wort zu melden.

Präsident Carlo Azeglio Ciampi hatte gestern an die notwendige Chancengleichheit im Wahlkampf erinnert. Berlusconi besitzt drei private Fernsehsender. Prodi warf seinem Rivalen auch eine "beeindruckende und beschämende Kampagne" gegen die oppositionellen Parteiführer Piero Fassino und Massimo D'Alema vor, die Berlusconi in einem Bankenskandal beschuldigt hatte.

"Letztlich lässt sich sein Leben so zusammenfassen: Von leeren Versprechungen ist er zu falschen Anschuldigungen übergegangen", sagte Prodi. Der Ministerpräsident hatte am vergangenen Freitag vor der Staatsanwaltschaft als Zeuge in dem Bankenskandal ausgesagt. Dabei unterstellte er Fassino und D'Alema, in der Übernahmeschlacht um die Bank BNL Druck auf die Versicherung Generali ausgeübt zu haben. Berlusconi gab an, entsprechende Informationen eines Generali-Aktionärs zu haben. Der betroffene Aktionär dementierte das vor der Staatsanwaltschaft.

In Italien wird am 9. April eine neue Regierung gewählt. Berlusconi will sich um eine weitere Amtszeit bewerben. Morgen soll es die erste Fernsehdebatte zwischen Berlusconi und dem Chef der Partei Margherita, Francesco Rutelli, geben.



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