Moskau - Der russische Regierungschef Dmitrij Medwedew hat die Verurteilung der drei Frauen von der Punkband Pussy Riot zu je zwei Jahren Straflager als "zu hart" kritisiert.
Der Protest der Musikerinnen gegen Kreml-Chef Wladimir Putin in einer Kirche habe ihn zwar "angewidert", sagte Medwedew am Mittwoch vor Parteifreunden. Allerdings wäre eine Bewährungsstrafe unter Anrechnung der seit März verbüßten Haft ausreichend gewesen, meinte der Chef der Kremlpartei Geeintes Russland. Eine weitere Haft sei "unproduktiv". Ein Gericht will am 1. Oktober über den Einspruch der Putin-Gegnerinnen gegen das umstrittene Urteil verhandeln.
Die Musikerinnen Nadeschda Tolokonnikowa, 22 Jahre, Maria Aljochina, 24 Jahre, und Jekaterina Samuzewitsch, 30 Jahre, waren Mitte August wegen "Rowdytums" und "Anstiftung zu religiösem Hass" zu jeweils zwei Jahren Straflager verurteilt worden.
Die Frauen hatten bei einem sogenannten Punkgebet am 21. Februar in einer Moskauer Kathedrale die Muttergottes aufgefordert, den damaligen Regierungschef und heutigen Präsidenten Putin zu vertreiben. Zudem hatten sie die enge Verzahnung von Staat und Kirche in Russland angeprangert. Insgesamt hatten die Ermittler 3000 Seiten Unterlagen zu dem etwa einminütigen Gebet zusammengetragen.
Im Urteil hieß es, durch ihre Protestaktion sei "moralischer Schaden für die Anwesenden Gläubigen" entstanden.
Das Urteil gegen die Musikerinnen hatte international Empörung ausgelöst. Kreml-Kritiker sehen dahinter den Versuch, die Gegner von Präsident Putin einzuschüchtern. Die Künstlerinnen, von denen zwei Mütter sind, werden etwa von Amnesty International als politische Gefangene anerkannt. Ihre Unterstützung für Pussy Riot haben unter anderem auch Pop-Größen wie Paul McCartney, Madonna und Björk bekundet. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel kritisierte "das unverhältnismäßig harte Urteil".
fab/dpa/dapd
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