Referendum Mehr als 60 Prozent der Iren stimmen für Homo-Ehe

"Yes! - Wir leben in einem neuen Land": In Irland hat das Ja-Lager den Volksentscheid über die Homo-Ehe mit deutlicher Mehrheit gewonnen. Rund 62 Prozent der Wähler haben sich dafür ausgesprochen.

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Die Iren haben in einem Referendum mit großer Mehrheit für die Zulassung gleichgeschlechtlicher Ehen gestimmt. Nach Angaben des staatlichen Fernsehens erreichten die Befürworter eine deutliche Mehrheit von etwa 62 Prozent. Es berief sich auf die Auszählungsergebnisse aus 40 der 43 Stimmbezirke. Das Votum vom Samstag markiert eine dramatische Verschiebung der gesellschaftlichen Werte in der traditionell katholisch-konservativen Gesellschaft.

"Wir leben in einem neuen Land", sagt der politische Beobachter Sean Donnelly. "Ich gehöre einer anderen Generation an", erzählt der Publizist, der die politischen Entwicklungen in Irland seit den Siebzigerjahren kommentiert. Seit seiner Kindheit habe sich das Land stark verändert. Als er aufwuchs, hatte die Kirche große Macht. "Das Wort schwul war noch nicht einmal in Gebrauch in diesen Tagen", so Donnelly.

Einer der Veteranen der Schwulenbewegung in Irland, David Norris, sagte: "Das irische Volk hält dem Rest der Welt ein großes Plakat mit der Aufschrift entgegen: Das ist der Weg nach vorn."

"Das verändert alles", sagte ein Mitglied der Ja-Kampagne, "die Sorgen und Ängste, die ich als schwuler Junge in Irland hatte - sie sind alle weg." Eine lesbische Senatorin hielt live im staatlichen Fernsehen um die Hand ihrer Partnerin an.

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Volksabstimmung zur Homo-Ehe: Yes, we can marry!
Das Nein-Lager beschreibt seine Niederlage als nahezu unvermeidlich. Vor allem vor dem Hintergrund, dass alle im Parlament vertretenen Parteien in Irland und die Mehrheit der Politiker die Homo-Ehe unterstützt haben.

Irland ist der erste Staat, der die Ehe zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern per Volksabstimmung einführt. Bis 1993 waren gleichgeschlechtliche Beziehungen in Irland noch strafbar.

Anm. d. Red.: In einer früheren Version des Artikels stand, rund 62 Prozent der Wahlberechtigten hätten sich für die Homo-Ehe ausgesprochen. Das ist falsch. Es muss an dieser Stelle "Wähler" heißen. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

bos/AP/Reuters

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 87 Beiträge
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Seite 1
petrapanther 23.05.2015
1.
Bravo, Irland!
herve64 23.05.2015
2. Bitte vermeiden Sie den Begriff
...denn dieser Begriff ist sachlich falsch. Mitnichten ging es in Irland darum, ein eigenes Rechtsinstitut für Homosexuelle zu schaffen, sondern darum, die Ehe auch für homosexuelle Paare zu öffnen. Ein großartiges Ergebnis, nicht nur für Irland, oder, um es mit Conchita Wurst zu sagen: "We' re unstoppable!"
donquixxote 23.05.2015
3. Herzlichen Glückwunsch!!
... und Danke, liebe Iren, für den Beleg, dass direkte Demokratie funktionieren kann!...
brotherandrew 23.05.2015
4. Ich nehme an, ...
... daß diese meine Meinung nicht veröffentlicht wird: Spätrömische Dekadenz feiert einen Triumph, der dazu führt, daß sich die Wahrheit sich wieder einmal der Mehrheit beugen muß. Selten werden die Schwächen der Demokratie so schonungslos offen gelegt. Honosexualität und Ehe sind Begriffe, die einander ausschließen. Die Mehrheit der irischen Wähler haben sich dieser Realität verschlossen.
dodgerone 23.05.2015
5.
Genau. Der muss es ja wissen. Wem das Leben in der freien Welt nicht passt, der kann ja auswandern! Gute Reise
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