Abuja/Jos - Wenige Stunden nach einem blutigen Anschlag nahe einer Kirche im Norden Nigerias ist nach Behördenangaben in der zentralnigerianischen Stadt Jos erneut eine Bombe explodiert.
Bei dem Anschlag habe es mehrere Verletzte, aber keine Toten gegeben, teilte ein Sprecher des Katastrophenschutzes am Sonntagabend mit. Sicherheitskräfte hätten die Kontrolle über das Stadtviertel übernommen.
Über den Hergang der Tat wurden zunächst nur widersprüchliche Informationen bekannt. Einem Militärsprecher zufolge war der Sprengsatz in einem Motorrad versteckt, das in der Nähe eines Ladens für Telefonkarten geparkt war. Dagegen berichtete ein Polizeisprecher, Unbekannte hätten eine Ledertasche mit der Bombe am Straßenrand abgelegt.
Zuvor war in der etwa 200 Kilometer entfernten Stadt Kaduna eine Autobombe explodiert. Nach Angaben der Sicherheitskräfte starben bei dem Anschlag Dutzende Menschen. Die genaue Zahl der Opfer blieb bis zum späten Abend unklar: Mitarbeiter des Katastrophenschutzes machten widersprüchliche Angaben, zum Teil wurde von 16 Toten berichtet, an anderer Stelle von mehr als 38 Anschlagsopfern.
Die Bombenexplosion ereignete sich nach Polizeiangaben an einer verkehrsreichen Straße in Kaduna, in unmittelbarer Nähe einer Kirche. Laut Augenzeugenberichten hatte der Fahrer des mit Sprengstoff beladenen Fahrzeugs zunächst versucht, auf das Gelände der Kirche zu fahren, in der Gläubige an einem Ostergottesdienst teilnahmen. Als Sicherheitskräfte ihn daran hinderten, sei er weggefahren. Das Auto sei dann auf einer nahen Straßenkreuzung explodiert.
Nach der Detonation blieben verkohlte Motorräder und Trümmerteile auf der Straße zurück. Die Wucht der Explosion zerstörte auch die Fenster der umliegenden Häuser. Die Kirche wurde stark beschädigt. Berichte über eine zweite Explosion hatten sich nicht bestätigt.
Warnungen vor Anschlägen von Boko Haram
Wer für die Anschläge am Sonntag verantwortlich ist, blieb zunächst unklar. In der Vergangenheit verübte die militante islamistische Sekte Boko Haram wiederholt Anschläge gegen Christen, unter anderem an Weihnachten. Bei dem schwersten Anschlag starben nahe der Hauptstadt Abuja 44 Menschen. Die Sekte hatte auch für Ostern Attentate angekündigt.
In Deutschland reagierte Unionsfraktionschef Volker Kauder mit Entrüstung auf die Tat: Er sprach von einem "gezielten Angriff auf Christen an einem ihrer höchsten Feiertage". Kauder kündigte an, er werde mit Außenminister Guido Westerwelle sprechen und eine Behandlung des Vorfalls im Uno-Sicherheitsrat anregen. "Wir dürfen über die zunehmende Gewalt gegen Christen nicht zur Tagesordnung übergehen", sagte er.
Zuvor hatte auch Papst Benedikt XVI. in seiner Osterbotschaft unter anderem die Gewalt in dem afrikanischen Staat angeklagt. "Nigeria war in letzter Zeit Schauplatz blutiger terroristischer Überfälle", so der Papst. Er wünschte dem westafrikanischen Land die notwendigen Energien, "um den Aufbau einer friedlichen Gesellschaft wiederaufzunehmen, die die Religionsfreiheit respektiert".
Die Städte Jos und Kaduna liegen beide in einer Region, in der der überwiegend muslimisch geprägte Norden in den hauptsächlich von Christen bewohnten Süden des Landes übergeht. Gerade im Norden sind christliche Kirchen immer wieder das Ziel islamistischer Terroristen. Polizeisprecher Iweha Ikedichi sagte in Kano, dass mit "großen Anschlägen der Terroristen" an den Ostertagen gerechnet worden sei. Großbritannien und die USA hatten ihre Bürger in Nigeria im Vorfeld vor Anschlägen gewarnt.
usp/Reuters/dapd/dpa
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