Spanische Exklave 300 Migranten stürmen EU-Grenzzaun in Marokko - ein Toter

Mehrere Hundert Migranten haben in Marokko versucht, den rund sechs Meter hohen Grenzzaun zur spanischen Enklave Melilla zu überwinden. Rund 200 gelang die Flucht auf EU-Gebiet.

Schuhe liegen nach dem Ansturm am Boden
F G GUERRERO/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Schuhe liegen nach dem Ansturm am Boden


Bei einem Massenansturm auf die spanische Nordafrika-Exklave Melilla ist ein Migrant ums Leben gekommen. Etwa 300 Afrikaner hätten am Sonntag von Marokko aus versucht, die rund sechs Meter hohen Grenzzäune zu überwinden, teilte die Vertretung der spanischen Regierung in Melilla mit. Rund 200 sei es gelungen, EU-Gebiet zu erreichen.

Der Flüchtling sei trotz Behandlung durch die Rettungsdienste an einem Herzstillstand gestorben, erklärten die spanischen Behörden. Außerdem seien mehrere Migranten verletzt worden.

An dem Massenansturm hatten sich den Berichten zufolge gegen neun Uhr morgens vor allem junge Männer aus Ländern südlich der Sahara beteiligt. Diejenigen, denen die Überwindung der Grenzzäune gelungen sei, seien sofort ins Erstaufnahmezentrum (CETI) gebracht worden. Sie hätten gejubelt und unter anderem "Bossa, bossa, bossa" (Sieg, Sieg, Sieg) skandiert, berichtete die Zeitung "El Mundo".

Letzter Massenansturm im Juli

Erst am Samstag hatte der spanische Innenminister Fernando Grande-Marlaska in Madrid seinen marokkanischen Amtskollegen Abdelouafi Laftit empfangen, um "vor allem über den Migrationsdruck" zu sprechen. Spanien und die EU wollen die Zusammenarbeit mit Marokko verbessern, um - wie das Madrider Innenministerium betonte - "eine legale und geordnete Einwanderung" zu erreichen. Madrid und Marokko setzten auf eine "Kooperation von gleich zu gleich."

Einer der letzten erfolgreichen Massenanstürme hatte sich im Juli in der zweiten Nordafrika-Exklave Spaniens, Ceuta, ereignet. Damals hatten mehr als 600 Migranten spanisches Gebiet erreicht. Ein Polizeisprecher erzählte, die Migranten seien dabei "brutal wie noch nie zuvor" vorgegangen. Sie hätten die Grenzbeamten unter anderem mit selbstgebauten Flammenwerfern attackiert.

Spanien verfügt in Nordafrika über zwei Exklaven, die beide von Marokko beansprucht werden: Ceuta an der Meerenge von Gibraltar und das 250 Kilometer weiter östlich gelegene Melilla. In der Nähe der beiden Gebiete warten Zehntausende Not leidende Afrikaner vorwiegend aus Ländern südlich der Sahara auf eine Gelegenheit, in die EU zu gelangen.

Seit Jahresbeginn gelang nach UN-Angaben mehr als 6000 Migranten die Flucht nach Melilla und in das nahe gelegene Ceuta. Mehr als 40.000 Flüchtlinge gelangten über das Mittelmeer an Spaniens Südküste. Die große Mehrheit kommt laut UN-Angaben aus Guinea, Mali und Marokko.

irb/dpa/Reuters

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.