Meng Hongwei in Haft China wirft Ex-Interpolchef Korruption vor

Zwei Wochen ließ China die Welt über den Verbleib von Meng Hongwei im Unklaren. Jetzt teilt Peking mit: Gegen den Ex-Interpolchef wird wegen Bestechlichkeit ermittelt.

Meng Hongwei
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Meng Hongwei


Zunächst war der Leiter der internationalen Polizeibehörde Interpol, Meng Hongwei, bei einem Besuch in seiner Heimat China vor gut zwei Wochen einfach verschwunden. Am Sonntag dann wurde bekannt: Chinas Behörden haben ihn verhaftet, vom Chefposten bei Interpol ist Meng zurückgetreten.

Nun hat China auch offiziell erklärt, war seit einigen Tagen gemutmaßt wurde: Meng wird der Korruption bezichtigt. Er habe "Bestechungsgelder angenommen" und werde verdächtigt, "gegen das Gesetz verstoßen" zu haben, erklärte das Sicherheitsministerium.

Die chinesische Justiz hatte zuvor bekannt gegeben, dass sie gegen Meng Ermittlungen eingeleitet habe. Die Behörde für Korruptionsermittlungen hatte mitgeteilt, der Interpolchef stehe unter "Aufsicht" - damit ist in der Regel gemeint, dass er festgehalten wird. Meng ist auch Vizeminister für öffentliche Sicherheit seines Heimatlandes.

Meng erklärte Rücktritt aus der Haft "mit sofortiger Wirkung"

Kurz darauf ging am Interpol-Sitz in Lyon eine Erklärung ein, in der Meng "mit sofortiger Wirkung" seinen Rücktritt erklärte. Am Samstag hatte Interpol von China eine Erklärung für das Verschwinden ihres Chefs gefordert. Meng war am 25. September nach China gereist. Seine Frau gibt an, seitdem nicht mehr von ihm gehört zu haben. Frankreich hatte wegen Mengs Verschwinden bereits Ermittlungen aufgenommen.

Interpol ist die wichtigste internationale Polizeiorganisation der Welt. Die 192 Mitgliedstaaten tauschen unter anderem Informationen zu gesuchten Personen aus.

Meng war 2016 als erster Chinese zum Interpol-Präsidenten gewählt worden - eine international durchaus umstrittene Personalie. Sie hatte vor allem unter Menschenrechtlern Besorgnis ausgelöst. Amnesty International warf China damals vor, schon lange zu versuchen, Interpol für die Fahndung nach chinesischen Dissidenten und Aktivisten zu benutzen.

cht/dpa/AFP

insgesamt 14 Beiträge
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kopfball123 08.10.2018
1. "Korruption"
Ich bezweifle nicht dass der gute Herr Meng Korrupt ist, sonst wäre er innerhalb des chinesischen Machtapparats nie so hoch aufgestiegen. "Erwischt" werden dann aber natürlich nur die, die etwas tun oder sagen dass den obersten Anführern nicht passt. Es ist doch wiedermal ein sehr effektives System: Jeder in der Regierung ist korrupt und weiß dass auch die um ihn herum korrupt sind, dadurch hat die Partei quasi von jedem ein Pfand dass verwendet werden kann sobald man mal jemanden loswerden will. Dann muss man sich nichtmal etwas ausdenken sondern kann denjenigen einfach wegen Korruption verurteilen. Wurde ja mit tausenden Beamten so gemacht seitdem Xi im Amt ist. Die Macht haben die Mächtigen.
Normaler Wutbürger 08.10.2018
2. Komische Sache
Ob es da wirklich "nur" um Korruption geht ? Kann ich mir kaum vorstellen. Das müsste schon wirklich eine der bosonderen schweren Art sein, dass die Chinesen ihren Mann an der Spitze von Interpol sogar dazu zwingen zurückzutreten.
hausfeen 08.10.2018
3. Verschwundene Menschen allerorts.
Das scheint sich einzubürgern. Manche davon sterben gleich vor Ort. Andere in der Botschaft, Meng Hongwei wird es auch nicht gut ergehen. Korruption ist ein grässliches Geschwür. Aber Korruptionsvorwürfe sind auch die Allerweltsvorwürfe von Diktaturen gegen Missliebige, gleich auf mit Terrorvorwürfen. Man weiß, wie in China solche Prozesse in der Regel enden.
priemer 08.10.2018
4. Wie unabhängig ist Interpol?
Natürlich steht auch die internationale Polizeibehörde Interpol nicht über dem Recht, nur das Vorgehen der chinesischen Behörden ist hier mehr als schwierig. Das der Interpolchef zunächst verschwand, ist schon ein deutliches Signal für die fehlende Rechtsstaatlichkeit der Volksrepublik. Das er, via Twitter (?) zurücktritt unter Umständen, die nicht überprüft werden können, macht es noch schlimmer. Wenn es Indizien gibt, die den Verdacht der Korruption belegen, so muss China diese vorlegen und eine internationale Ermittlung ermöglichen, sonst hat Interpol jeden Anschein von Überstaatlichkeit verloren.
Björn L 08.10.2018
5. Die Türkei hat den Terrorverdacht
und die Chinesen den Vorwurf der Korruption. Als Chef von Interpol in eine Falle zu laufen, spricht nicht gerade für deren Qualität. So leicht kann man heute Unbequeme wegkerkern.
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