Menschenhandel in Nahost Zahl der Zwangsarbeiter auf 600.000 geschätzt

Hunderttausende Menschen sind im Nahen Osten Opfer von Zwangsarbeit. Dies ergibt eine Studie der Vereinten Nationen. In Jordanien, im Libanon, in Kuwait sowie den Vereinigten Arabischen Emiraten sei Arbeitsmigration "gemessen an Ausmaß und Anstieg beispiellos".


New York - Nach Schätzungen der Vereinten Nationen sind in Ländern des Nahen Ostens rund 600.000 Menschen Opfer von Zwangsarbeit. Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) stellte am Dienstag zu Beginn einer zweitägigen Konferenz in Jordaniens Hauptstadt Amman einen 150-seitigen Bericht vor, der Ergebnisse aus Befragungen in Jordanien, im Libanon, in Kuwait sowie in den Vereinigten Arabischen Emiraten zusammenfasst.

Die Arbeitsmigration in diesem Teil der Erde sei "gemessen an Ausmaß und Anstieg beispiellos", heißt es in dem Bericht. Die Schätzungen stützen sich auf 650 Interviews, die in einem Zeitraum von zwei Jahren geführt wurden.

Der Bericht bezieht sich unter anderem auf die Fälle zahlreicher Hirten, die aus asiatischen Ländern wie Bangladesch, Nepal und Sri Lanka als inländische Arbeitnehmer angeworben und dann zur Kamel- oder Schaftreiberei in der Wüste gezwungen werden. Hervorgehoben wird auch die "besondere Verletzbarkeit" afrikanischer und asiatischer Frauen, die vielfach als Krankenschwestern, Lehrerinnen oder Kellnerinnen angeheuert, dann aber sexuell ausgebeutet würden.

Viele Arbeiter hätten zudem Schulden, da die Rekrutierungsstellen ihnen durchschnittlich 420 Euro, manchmal aber auch "sehr viel mehr" in Rechnung stellen würden, heißt es in dem Bericht mit dem Titel "Betrogen und Gefangen - Menschenhandel in Nahost". Die ILO fordert vor allem bessere Schutzmaßnahmen "in den Herkunfts- sowie den Empfängerländern".

lei/AFP



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