Menschenrechte Friedensaktivistin Malala erhält Sacharow-Preis

Die 16-jährige Pakistanerin Malala Yousufzai engagiert sich in ihrer Heimat für die Rechte von Mädchen, sie hat einen Taliban-Anschlag überlebt. Jetzt ist sie mit dem Sacharow-Preis des Europäischen Parlaments ausgezeichnet worden - und gilt auch als Anwärterin für den Friedensnobelpreis.

Aktivistin Malala Yousafzai: "Mutige Anwältin für Erziehung"
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Aktivistin Malala Yousafzai: "Mutige Anwältin für Erziehung"


Brüssel - Malala Yousufzai ist zu einer globalen Ikone geworden mit ihrem Kampf für das Recht auf Bildung. Nun erhält die Pakistanerin vom Europäischen Parlament den Sacharow-Menschenrechtspreis. Dies teilte Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD) per Kurznachrichtendienst Twitter mit. Er würdigte Malala als eine "mutige Anwältin für Erziehung". "Sie erinnert uns an unsere Pflicht gegenüber Kindern, vor allem Mädchen."

Malala stammt aus dem Swat-Tal in Pakistan. Sie hatte schon als Elfjährige gegen die Taliban protestiert, die Mädchen und Frauen den Zugang zu Bildung verweigern. Der britische Sender BBC veröffentlichte das Tagebuch auf seiner Webseite: Sie schildert darin die Unterdrückung der Bevölkerung, vor allem der Frauen und Mädchen, durch die islamistischen Fundamentalisten.

Doch damit geriet sie ins Visier der Extremisten, ebenso wie ihr Vater, der Lehrer und Schulbetreiber Ziauddin Yousafzai. Am 9. Oktober 2012 wurde sie auf dem Weg von der Schule nach Hause in einem Schulbus angeschossen. Die Islamisten begründeten das Attentat damit, dass die heute 16-Jährige pro-westlich sei, gegen die Taliban aufbegehre und US-Präsident Barack Obama als vorbildlichen Staatschef bezeichnet habe.

Malala wurde gerettet. Sie lebt heute mit ihren Eltern und Brüdern in Großbritannien. Sie hat auch ihre Autobiografie mit dem Titel "Ich bin Malala" geschrieben, die nun in 27 Ländern gleichzeitig erschienen ist. Die Jugendliche ist wegen ihrer Kritik an den radikalen Islamisten in ihrer Heimat zu einem Symbol des Widerstandes und weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt geworden.

Für den Sacharow-Preis waren unter anderen auch der frühere US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden und der inhaftierte russische Regierungskritiker Michail Chodorkowski nominiert.

Der Preis ist nach dem russischen Physiker und Dissidenten und Friedensnobelpreisträger Andrej Sacharow benannt. Seit 1988 wird die Auszeichnung jährlich vom Europaparlament an Aktivisten und Organisationen verliehen, die sich für Menschenrechte und Demokratie einsetzen.

Über die Preisvergabe entscheiden die Chefs der sieben Fraktionen und der Präsident des Europaparlaments. Die Entscheidung für Malala fiel nach Angaben von Fraktionssprechern einstimmig. Der mit 50.000 Euro dotierte Preis soll der Jugendlichen am 20. November in Straßburg überreicht werden.

Malala Yousafzai gilt auch als Kandidatin mit guten Chancen auf den Friedensnobelpreis. Der Preisträger - oder die Preisträgerin - wird am Freitag bekannt gegeben.

kgp/AFP/Reuters



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